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Wir lieben das Reisen. Wir lieben fremde Kulturen, Sightseeing, Aktivitäten in der Natur und Begegnungen mit den Einheimischen. Wir verreisen, weil Reisen bildet und den Horizont erweitert.

Und wir lieben das Fotografieren. Seitdem ich denken kann, laufe ich mit meiner Kamera um den Hals herum. Wir fotografieren alles, was uns gefällt. Dabei geht es nicht um Selbstdarstellung, sondern darum, wundervolle Momente einzufangen und festzuhalten. Der Augenblick soll ewig werden.

Seitdem wir in Indonesien waren, haben wir den Eindruck, dass die Menschheit immer bekloppter wird. Es dreht sich alles nur noch ums Posen, um die Selbstinszenierung, um den besten Schein und die meisten Likes. Wir dachten, wir stehen im falschen Film. Es ging den Leuten nicht darum, das Fremde, die Kultur, die Natur und die Einheimischen kennenzulernen. Die Verrückten zogen nur noch von Instagram-Hotspot zu Instagram-Hotspot, ohne jegliches tiefgründiges Interesse am neuen Land.

Sie kamen mit Hüten, übergroßen Sonnenbrillen und kleinen Taschen, das Kleid durfte natürlich auch nicht fehlen.

Unser Fahrer erzählte uns von einer Chinesin, die ihm irgendwelche Instagram-Fotos gezeigt hatte und zu ihm meinte, er solle sie dorthin fahren, weil sie auch solche Fotos machen möchte. Um Gottes Willen!!! Dabei handelte es sich um die Schaukel „Bali Swing“, die viele als das Original ansehen und die pro Person 35 USD kostet. Bei einer anderen Schaukel (Celuk Swing) haben wir nur 150.00 Rupiah (=9€) bezahlt. Der Hintergrund mit den vielen Palmen und anderen Bäumen ist mindestens genauso schön. Außerdem ist der Andrang dort nicht so groß, sodass man in Ruhe und lange genug schaukeln kann. Und darum geht es ja schließlich, um das Schaukeln – und nicht um das beste Instagrambild.

 

Und jetzt kommt das Allerschlimmste: Im Internet werden extra Bali-Instagram-Touren angeboten. Und diese werden sogar zahlreich gebucht. Es gibt hier auf Bali extra Instagram-Parks mit verschiedenen Plattformen oder Strohfiguren, z.B. Vogelnester, um sich perfekt in Szene zu setzen.

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Am Lempuyang Tempel erlebten wir die Krönung. Dort musste man eine Donation, den Shuttle-Transport und die Leihgebühr für den Sarong (Rock zur Verhüllung) bezahlen. Als wir beim Tempel ankamen, sahen wir eine riesengroße Schlange von verrückten Instagram-Süchtigen, die alle dafür anstanden, das perfekte Foto zu machen. Einheimische machten die Fotos und kassierten ordentlich ab. Wenn man mehr Geld bezahlte, musste man sich nicht anstellen, sondern kam sofort dran. Ein einheimischer Junge fotografierte und ein Mädchen rief immer: „Next pose! Next pose! …… And one last pose!“ Ein letztes Mal hochspringen und dann werden die Fotos sofort gecheckt. Die Enttäuschten, deren Sprung nicht mit der Handykamera festgehalten werden konnte, hatten sich natürlich gleich beschwert und sprangen so lange in die Luft, bis das perfekte Instagram-Foto im Kasten war. Schnell wurde das Foto hochgeladen – aber nur mit Filter, versteht sich – und schnell ging es weiter zum nächsten Instagram-Spot. Die verrückten, selbstverliebten Selbstinszenierer haben am Lempuyang Tempel nur das Tor des Tempels, also den Eingang, fotografiert, aber nicht den richtigen Tempel. Dieses Tor, diese zwei emporragenden Säulen, gibt es in jedem anderen Tempel auch. Leider hat irgendjemand genau dieses eine Foto auf Instagram gepostet, sodass die Selbstdarsteller genau zu diesem einen Ort wollen. Doch ist es nicht ein wenig langweilig, wenn ein Influencer ein Bild postet, das dann 1:1 von einer Million Herdentieren nachgestellt und gepostet wird?!

 

Wir haben uns natürlich nicht in die Reihe der Insta-Süchtigen gestellt, sondern unsere Fotos einfach so gemacht. Ja, wir fotografieren uns auch überall, um diese Andenken mit nach Hause zu nehmen. Aber wir inszenieren uns nicht selbst. Wir brauchen kein Kleid und keinen Hut. Auch wir haben Instagram, aber wir zeigen dort nur unsere Reisefotos. Wir brauchen keine Follower und keine Likes. Wer sich unsere Blogbeiträge durchliest, der weiß, wie sehr uns neue Kulturen interessieren und wie gern wir verreisen.

Hoffentlich kommt irgendwann der Tag, an dem die Welt sich wieder normal dreht…. ohne selbstsüchtige, egoistische, ignorante Selbstdarsteller. Amen!

Update von Balis Nachbarinsel Nusa Penida: Dort gab es sogar Straßenschilder, die zu beliebten Instagram-Spots auf der Insel führten. Das Instagram-Symbol auf dem Schild mit dem passenden Hashtag durfte auch nicht fehlen. Neben dem Broken Beach, der Manta Bay und Angel‘s Billabong gab es natürlich noch den Kelingking Beach und Crystal Bay zu fotografieren. Und damit die Einheimischen auch etwas von dem ganzen Hype hatten, sperrten sie sämtliche Plätze ab und nahmen „Eintritt“ dafür. Dieser beträgt aktuell 5000 bis 10.000 Rupiah pro Person und Platz. Bali, was ist nur aus dir geworden! Zum Glück war der beliebte Instagram-Spot „Pink Beach“ auf der Insel Komodo zu weit von Bali entfernt, sodass die Verrückten dort nur in der Unterzahl vorhanden waren.

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