Corcovado / 11. – 13. Tag

“Do not go where the path may lead, go instead where there is no path and leave a trail.” ― Ralph Waldo Emerson

Wissenswertes

Corcovado-Nationalpark: Der Corcovado-Nationalpark befindet sich am Südpazifik auf der Halbinsel Osa (= Osa Peninsula). 40% dieser Halbinsel nimmt der geschützte Corcovado-Nationalpark ein. Von allen Naturschutzgebieten in Costa Rica ist der Corcovado der am naturbelassensten. Zur Drake Bay kommt man als Tourist nur per Boot oder Flugzeug. Corcovado hat den größten Primärwald auf der Pazifikseite von ganz Amerika, wobei es auch Sekundärwald gibt. Allein auf der Osa Peninsula gibt es 50% von Costa Ricas Tier-und Pflanzenarten, das macht 250.000 Arten auf kleinstem Raum. National Geographic hat Corcovado deshalb als den „biologisch intensivsten Ort der Erde“ („the most biologically intense place on earth“) bezeichnet. Seit 2014 kann man den Nationalpark nur noch mit einem Guide betreten. Manche Arten, die es hier gibt, gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Zudem sollen tausende Arten noch unentdeckt sein. Das Naturschutzgebiet ist das Zuhause von Jaguaren, Pumas, Ozeloten, Margays, Jaguarundis, Faultieren, Affen, Tapiren, Papageien, Faultieren, Krokodilen etc. Zudem kann man im Pazifik vor der Drake Bay Delfine, Wale und Haie antreffen. Schnorchel-und Tauchkurse sind entsprechend auf Caño Island möglich.

Bananenspinne: Die Bananenspinne, auch bekannt als Brasilianische Wanderspinne, zählt zu den giftigsten Spinnen weltweit. Der Biss dieser Spinne verursacht zunächst starke Schmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Sehstörungen oder eine Dauererektion. Wenn man nicht sofort ein Gegengift verabreicht bekommt, stirbt man nach 12 bis 17 Stunden an einer Atemlähmung. Sie wird deshalb als „Bananenspinne“ bezeichnet, weil sie sich manchmal zwischen Bananen in Bananenkisten versteckt und unentdeckt in Frachtschiffen nach Europa gelangt. Findet man die Spinne dann beispielsweise in einem deutschen Supermarkt zwischen Bananen, wird der ganze Laden evakuiert und es kommt zu einem Großeinsatz der Feuerwehr.

Faultiere: Es gibt Zweifinger- und Dreifinger-Faultiere, die beide in Costa Rica anzutreffen sind. Diese Tiere schlafen 13-14 Stunden am Tag und kommen nur einmal pro Woche von ihrem Baum herunter, um ihr Geschäft zu erledigen. Obwohl sie sich in Zeitlupe bewegen, können Faultiere sogar schwimmen und gehen dabei nicht unter. Sie können ihren Kopf 180°drehen, um mögliche Gefahren schnell mitzubekommen.

Papageien: Papageien bleiben ihr Leben lang mit ihrem Partner zusammen, sie sind absolut treu. Selbst wenn der eine Papagei stirbt, sucht sich der andere keinen neuen Partner. Dieses Verhalten kennt man auch von Pinguinen. Papageien essen gerne Mandeln. Ihr Schnabel ist so konstruiert, dass sie die harten Schalen problemlos und in Sekundenschnelle knacken können.

Krokodile und Kaimane: Kaimane gehören zur Familie der Krokodile, wobei sich beide in ihrer Optik unterscheiden: Krokodile haben ein längeres Maul und bei Kaimanen schauen oben die Augen ganz deutlich heraus.

Bäume: Viele Bäume im Regenwald sind soziale Lebewesen, weil sie sich eine riesengroße Wurzel teilen, über die sie die Nährstoffe aufnehmen. So verbindet eine einzige Wurzel, die man auch oberirdisch sehen kann, gleich mehrere Bäume. Außerdem braucht Hartholz länger zum Wachsen als Weichholz. Aus diesem Grund ist Mahagoni, ein Hartholz, so teuer.

Stachelpflanzen: Es gibt bestimmte Pflanzen, die sich mit Stacheln am Stamm oder Stiel vor hungrigen Tieren schützen wollen. Die „Angreifer“ sollen nämlich davon abgehalten werden, die Früchte dieser Pflanzen zu fressen. Dieser Abwehrmechanismus wird jedoch dadurch untergraben, dass die Tiere sich auf umliegende Bäume setzen und dann versuchen, an die Früchte zu gelangen, was ihnen oft gelingt.

Unser Tag

Am nächsten Tag wurden wir mit einem Privatbus von unserem Hotel in Manuel Antonio zu einer Anlegestelle für Boote in Sierpe gebracht. Mit dem Motorboot fuhren wir dann weiter durch Mangrovenwälder und über den Pazifik zu unserem Hotel in der Drake Bay nahe des Corcovado-Nationalparks.

Da das „Pirate Cove Hotel“ keine Anlegestelle besitzt und die gesamte Umgebung naturbelassen ist, fuhren wir mit dem Boot bis zum Strand heran und mussten von dort in das knietiefe Wasser aussteigen. Bevor wir in das Wasser sprangen, mussten wir natürlich noch unsere Socken und Schuhe ausziehen sowie die Hosenbeine hochkrempeln. Unsere Koffer wurden dann auf der Schulter zum Hotel getragen. Wir hatten in der Drake Bay wieder eine Deluxe-Kabine mit eigenem Balkon und Meerblick. Wie es sich für ein Paradies gehört, durfte die Hängematte auf dem Balkon natürlich nicht fehlen.

Auf dem Hotelgelände konnten wir zwei Hellrote Aras beobachten, wie sie auf einem riesengroßen Mandelbaum saßen und die Nüsse knackten. Die Schalen ließen sie dann auf den Boden fallen. Wenn man direkt unter dem Baum stand, musste man aufpassen, nicht von dem biologischen Abfall getroffen zu werden.

Weil unsere 8-stündige Tour durch den Corcovado-Nationalpark um einen Tag verschoben wurde, beschlossen wir spontan, am Tag der Ankunft noch eine Nachttour durch den Regenwald zu machen. Also wurden wir nach dem Abendessen um 18:30 Uhr abgeholt und auf der Ladefläche eines offenen LKW bis zum Startpunkt unserer Tour gebracht. M erinnerte diese Fahrt an Bundeswehrzeiten. Bestens ausgerüstet mit Gummistiefeln und einer Taschenlampe, hielten wir in der Dunkelheit Ausschau nach den nachtaktiven Tieren. Zu Fuß ging es auf und ab über Wege und sogar durch Flüsse. Zum Glück hatten wir uns im Vorfeld vom Hotel Gummistiefel ausgeliehen. Die Nachtwanderung war schon ein Stück weit unheimlich und gruselig. Wenn man besonders Angst vor etwas hätte, kämen diese Dinge erst recht zum Vorschein, meinte unser Guide. Da ich mich besonders vor Schlangen ekele und Angst vor ihnen habe, war ich während der gesamten Nachttour diejenige, die die meisten Schlangen und Spinnen (z.B. Bananenspinnen) entdeckte – zur Freude des Guides und der Gruppe. Dass ich die Tiere so sehr anzog, fand ich in dem Moment aber nicht besonders prickelnd. Zu meinem Glück waren die Schlangen aber vom Umfang her nur sehr dünn und nicht so dick, wie man Schlangen aus deutschen Zoos kennt. In Online-Fotoalben über Costa Rica sahen wir im Nachhinein, dass es dort auch dicke, noch ekligere Schlangen gibt. Die von uns gesichteten Spinnen saßen übrigens oft in einem riesengroßen 3D-Netz, was wir in dieser Form in Europa noch nie zuvor gesehen hatten. Während der Tour suchten wir den flachen Fluss nach Fröschen ab und wurden auch mehrfach fündig. Leider blieb es uns aber verwehrt, den Rotaugenlaubfrosch zu Gesicht zu bekommen. Diesen sahen wir während unserer gesamten Rundreise kein einziges Mal.

Den darauffolgenden Tag ließen wir etwas ruhiger angehen. Zunächst machten wir zu zweit eine „Robinson-und-Freitag-Entdeckertour“ entlang des naturbelassenen Strands. Dort gab es keine Liegestühle, Sonnenschirme oder fliegende Händler wie in Manuel Antonio. Nach dem Mittagsessen liefen wir dann in ein kleines Dorf, welches wir nach einem 20-minütigen Fußmarsch erreichten. Das Dorf war gleichzeitig auch der größte Ort in der Nähe. Auf der Straße kam uns eine Frau auf ihrem Pferd entgegen, die sich am Wegesrand mit ihrer Machete Blätter von einem Strauch abschnitt und entspannt weiterritt. Dieser Augenblick war so faszinierend, dass wir uns ins Mittelalter zurückversetzt fühlten. Da es in unmittelbarer Hotelnähe keinen Supermarkt gab, war der Ausflug zum Dorf unsere einzige Möglichkeit, um günstig Getränke zu kaufen; die im Hotel wurden uns auf Dauer nämlich zu teuer.

Am nächsten Tag nahmen wir dann endlich an dem 8-stündigen Ausflug in den Corcovado-Nationalpark teil, der uns über Stock und Stein, Trampelpfade und selbstgebaute Brücken führte. Alles war sehr nass und rutschig. Um 6:00 Uhr ging es also los mit dem Boot zur Rangerstation „San Pedrillo“. Die Touristengruppen starten ihre Wanderung zu Fuß von verschiedenen Rangerstationen aus, sodass man unterwegs auf nicht so viele Menschenmassen trifft. Auf der geführten Tour durch den Regenwald lernten wir viel Neues zur Flora und Fauna oder hörten Informationen zum wiederholten Male, die wir schon in anderen Regenwäldern während unserer Rundreise bekommen hatten. Wir sahen viele Affen, zwei Papageien, Faultiere, ein Krokodil sowie Halloweenkrabben, Einsiedlerkrebse und Muscheln. Eigentlich hatten wir schon mehrere Muscheln gesammelt, um diese als Andenken mit nach Europa zu nehmen. Da man aber dadurch in das Ökosystem eines Landes eingreife, stehe die Mitnahme von Muscheln unter Strafe, erklärte uns der Guide. Aus diesem Grund ließen wir alle gesammelten Muscheln am Strand zurück, aber fotografierten sie vorher noch. Von einem Tapir sahen wir leider nur frische Fußspuren.

Wenn man in Costa Rica wirklich viele Tiere sehen möchte, sollte man sich unbedingt einen Guide dazu buchen, weil dieser einem Tiere zeigt, die man selbst mit bloßem Auge niemals entdecken würde.

Am Strand öffnete uns der Guide eine Kokosnuss, welche wir gemeinsam als Gruppe austranken und aßen. Noch frischer kann man Kokosnüsse nicht genießen. Weit und breit war nichts als Natur. Nach dem ersten Teil der Tour legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein, um Melone zu essen. Danach wanderten wir weiter zu einem Wasserfall, vor dem man auch baden konnte. Da wir das vier Meter lange Krokodil nur ca. 50 m von der Badestelle entfernt entdeckten und ohnehin keine Badesachen dabei hatten, gingen wir nicht mit den anderen Mutigen ins Wasser. Im Anschluss gab es in der Rangerstation noch Mittagessen, bevor wir mit dem Boot wieder zurück zum Hotel fuhren. Der Guide machte uns während der Rückfahrt auf die Aschewolke des Poás aufmerksam, die wir sehen konnten, obwohl der Vulkan 380 km weit vom Corcovado-Nationalpark entfernt ist. Das zeigt einmal mehr, wie aktiv der Vulkan zum Zeitpunkt unserer Rundreise war.

Gegen 13:30 Uhr erreichten wir wieder das Hotel. Da wir von der Wanderung und der extrem hohen Luftfeuchtigkeit komplett durchgeschwitzt waren, gönnten wir uns erst einmal eine Abkühlung im Pool.

Einen Tag später flogen wir mit einer kleinen Maschine von der Drake Bay zurück nach San José. Auf dem Weg zum Flughafen mussten wir mit dem Geländewagen einen hohen Fluss durchqueren. Die Straße hörte plötzlich auf und wir standen mit dem Auto vor dem Fluss. Unser Fahrer fuhr dann mit einer völligen Selbstverständlichkeit durch den Fluss, so als würde er das jeden Tag machen – zu unserer großen Verblüffung. Der “Flughafen” war ein kurzes Rollfeld mit einer kleinen Hütte daneben. Dort wurde unser Gepäck gewogen und entgegengenommen. Auch wir selbst mussten uns auf eine Waage stellen. Die Tickets wurden von Hand geschrieben. Es gab keine Sicherheitskontrollen oder Ähnliches. Selbst Flüssigkeiten im Handgepäck waren erlaubt. Wir liefen dann zum Flugzeug (ca. 20 Plätze inkl. Pilot und Copilot), wo wir zusammen mit dem Gepäck verladen wurden. Der Copilot hatte sich dann zu uns umgedreht und kurz die Sicherheitsanweisungen erklärt, bevor es losging. In San José sind wir ganz normal auf dem großen Flughafen Juan Santamaría gelandet. Das war schon eine Erfahrung für sich.

Den restlichen Tag verbrachten wir damit, Postkarten zu kaufen und zu schreiben sowie durch die Innenstadt zu schlendern.

Sämtliche Ausflüge während unserer zweiwöchigen Rundreise fanden in internationalen Kleingruppen statt, die immer wieder neu zusammengewürfelt wurden. Das fanden wir sehr interessant, weil man dadurch viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennenlernen konnte. Gerade die Begegnungen in der Drake Bay und im Corcovado-Nationalpark werden uns lange im Gedächtnis bleiben.