Monteverde / 7. und 8. Tag

Wissenswertes

Nationalpark Monteverde: Mit seinen 3000 Pflanzenarten, über 400 Vogelarten, über 100 Säugetierarten sowie über 150 Amphibien- und Reptilienarten gehört der Nebelwald von Monteverde zu den wunderbarsten Nebelwäldern der Welt. Das Privatreservat ist 4000 Hektar groß und wird jährlich von 70 000 Besuchern heimgesucht, wobei sich nur maximal 240 Touristen zur selben Zeit dort aufhalten dürfen. Ganzjährig ist es dort kühl (19°C) und extrem feucht aufgrund der Kondensation und des Nebels.

Primär- und Sekundärwald sowie Bäume: Man unterscheidet zwischen Primär-und Sekundärwald. Als Primärwald bezeichnet man den ursprünglichen Wald, der schon immer da war. Vor langer Zeit wurde in Costa Rica aber sehr viel Wald abgeholzt, um Kaffee-oder Bananenplantagen zu errichten, die es inzwischen nicht mehr gibt. An diesen Stellen ist der Wald nachgewachsen, er wird als Sekundärwald bezeichnet.

Lianen wachsen aus dem Boden heraus nach oben, hängende Wurzeln dagegen wachsen auf Bäumen und hängen herunter. Beide werden von Laien oft verwechselt.

In Monteverde haben Wissenschaftler auf nur einem einzigen Baum zwischen 3 und 5000 Pflanzen gezählt. Es gibt einerseits Parasiten-Pflanzen, die auf einem Baum wachsen und ihm die Mineralstoffe parasitenartig entziehen. Andererseits gibt es Epiphyten, die hoch oben im Baum wachsen, um an Sonnenlicht zu kommen. Da nur 5% des Lichtes den Boden des Regenwaldes erreicht, versuchen alle Pflanzen, möglichst weit nach oben zu kommen. Epiphyten schaden dem Baum, auf dem sie wachsen, nicht.

Es gibt in Costa Rica ursprüngliche Bäume, die von hängenden Wurzeln von oben befallen werden. Diese schlängeln sich wie eine Schlange um den Baum herum, sodass der eigentliche Baum von innen abstirbt und hohl wird. Außen bildet sich von den Wurzeln heraus ein neuer Baum. Das ist ein Phänomen, wie wir es in Europa nicht kennen. Deshalb sehen viele Bäume im Dschungel sehr spektakulär aus.

In Costa Rica kann man das Alter der Bäume nicht an den Ringen ablesen wie in Europa, weil diese keine aufweisen. Die Ringe entstehen durch die vier Jahreszeiten, doch in Monteverde ist das Wetter ganzjährig gleich.

Außerdem gibt es in Monteverde nicht so viele Pflanzen-und Tierarten wie in anderen Nationalparks Costa Ricas, weil der Ort 1700 m über dem Meeresspiegel liegt. Je höher ein Regenwald gelegen ist, desto kälter ist es dort und desto weniger Arten gibt es. Während die größten Bäume woanders im Land 60 m hoch werden, wachsen sie in Monteverde nur 40 m in die Höhe.

Orchideen: Mit seinen über 500 verschiedenen Orchideenarten weist der Nebelwald von Monteverde die höchste Orchideenkonzentration der Welt auf. Diese gehören zu den Epiphyten, sprich zu den Aufsitzerpflanzen. Sie wachsen nur deshalb auf der Spitze von anderen Pflanzen, um an Sonnenlicht zu gelangen. Demnach sind sie keine Parasiten. Statt sich vom Boden zu ernähren, ziehen sie ihre Nährstoffe aus der feuchten Luft und den Wassertropfen in den Wolken.

Bunte Blüten: Viele Pflanzen sehen bunt aus und man denkt, es handele ich dabei jedes Mal um die Blüte. Um Insekten und Vögel anzulocken, haben diese Pflanzen jedoch bunte Blätter(!) entwickelt, die nur aussehen wie die Blüte. In Wahrheit ist die Blüte aber nur ganz klein.

Bananen: Viele der Pflanzen im Dschungel sehen mit ihren Blättern aus wie Bananenpflanzen. In Costa Rica wachsen Bananen aber nur in angelegten Plantagen und nicht in der freien Wildbahn. Die Bananen wurden erst aus Asien eingeführt und in Costa Rica kultiviert.

Wetter: Die Wetterlagen vom Atlantik und Pazifik strömen in Monteverde aufeinander, weshalb das Wetter dort sehr unberechenbar und unvorhersehbar ist. Wettervorhersagen sind daher absolut unzuverlässig, denn innerhalb von weniger als zwei Stunden kann sich das Wetter schlagartig ändern.

Tiere: Kolibris können bis zu 90 Flügelschläge pro Sekunde machen. Sie können nach oben, unten, links und rechts fliegen wie ein Helikopter. Des Weiteren sind 80% der Tiere nachtaktiv, z.B. Schlangen, Skorpione, Frösche und viele Faultiere. Deshalb lohnt es sich, eine geführte Nachttour zu machen, wenn man im Dschungel ist.

Malaria gab es in Mittel- und Südamerika ursprünglich nicht. Erst die Spanier haben die Krankheit aus Europa mitgebracht. Im Regenwald wachsen Pflanzen, mit denen die Einheimischen diese Krankheit behandeln.

Unser Tag

Am nächsten Tag ging es weiter in den Nebelwald nach Monteverde. Zunächst wurden wir mit einem kleinen Bus zum Arenal-See gefahren, wo wir in ein Boot umstiegen, das uns bis an das andere Ende des Sees brachte. Von dort ging es zwei Stunden mit einem kleinen Bus weiter durch die Berge bis zum Ziel. Gefühlt war das Durchschnittstempo nur Schrittgeschwindigkeit, weil es ständig hoch und herunter ging und die Straßen so schlecht waren. In Monteverde hatten wir auch ein kleines Holzhäuschen im “Los Pinos – Cabañas & Jardines” nur für uns, allerdings gab es keine Verpflegung, sodass wir uns im naheliegenden Supermarkt Toastbrot und Schokocrème zum Frühstück kaufen mussten. Am Abend waren wir beim Italiener „Don Luis“ essen.

Schon am ersten Abend in unserem Häuschen bekamen wir den Schock unseres Lebens. Als ich aus der Dusche kam, sah ich einen Skorpion, der vom Bad ins Schlafzimmer krabbelte. Völlig schockiert schrie ich und rief M zu mir, der dem Skorpion eine Schüssel aus der Küche des Häuschens überstülpte und anschließend zur Rezeption rannte, um Hilfe zu holen. Die Betreiber der Anlage schienen das Problem zu kennen, aber nicht wirklich ernst zu nehmen. Es hieß, dass grundsätzlich alle Skorpione giftig, doch die in Costa Rica nicht lebensbedrohlich für Menschen seien. Der Stich soll vergleichbar mit dem einer Biene oder Wespe sein. M brachte den Skorpion in der Schüssel dann nach draußen und legte ein Stück Holz auf den Deckel, damit der Skorpion nicht heraus – und schließlich wieder zurück ins Häuschen – kommen konnte. Bevor wir schlafen gingen, hatte M das ganze Häuschen auf weitere Skorpione abgesucht, ist aber zum Glück nicht fündig geworden. Nichtsdestotrotz hatten wir eine sehr unangenehme Nacht und konnten nur sehr unruhig schlafen. Zwei Stunden, nachdem wir ins Bett gegangen waren, war ich auf der Toilette und entdeckte den nächsten Skorpion im Bad, der in eine hohe Vase gefallen war und dort offensichtlich nicht mehr selbst herauskam. Um sicher zu gehen, dass es auch so war, riegelte ich die Vase mit einem Teller ab. Am nächsten Morgen entdeckten wir den dritten Skorpion direkt neben dem Bett. Da dieser aber nur ca. 1-2 cm klein war, zertrampelte ich ihn. Im Internet lasen wir später, dass Skorpione nachtaktiv seien und in der Nacht jagten; Holz mögen sie besonders gern. Deshalb war unser Holzhaus ein perfekter Ort für sie. Um die Tiere in der zweiten Nacht abzuschrecken und fernzuhalten, ließen wir im Bad den ganzen Abend und die gesamte Nacht über das Licht an. Das wird den Betreibern der Eco-Lodges zwar nicht gefallen haben, aber der Plan ging auf!

Einen Tag später besuchten wir den Nebelwald von Monteverde. Dort war alles etwas anders. Dadurch, dass wir dort so hoch oben waren, war es etwas kühler, maximal 20°C. Das Wetter wechselte ständig von Sonne zu Regen und wieder zurück. Windig war es aber ständig, da hier die Winde von der Atlantik- und Pazifikseite aufeinander treffen, was auch der Grund für den ständigen Wetterwechsel und den Regen ist. Auch wenn der Himmel blau war und die Sonne schien, hatte man einen feinen Sprühregen, was total skurril wirkte. Das war kein richtiger Regen, sondern Kondensation. So kam es auch mal vor, dass über uns der Himmel komplett blau war, aber dieser Regen die ganze Zeit in der Luft war und wir den Grund dafür zunächst nicht verstanden. Besonders freuten wir uns über den Regenbogen, den wir in seiner vollen Pracht fotografieren konnten.

Im Nebelwald machten wir eine Skywalk-Tour mit einem Guide, bei der wir auch mehrere bis zu 300 m lange Hängebrücken passierten. Wieder einmal fühlten wir uns wie im Dschungelcamp. Obwohl wir in Monteverde nicht viele Tiere zu Gesicht bekamen, war das die bisher interessanteste, informativste Tour während unserer Rundreise. Wir sahen u.a. diverse Vögel, wie z.B. einen Quetzal, den Nationalvogel von Guatemala, oder eine Gilbdrossel, den Nationalvogel Costa Ricas. Zudem konnten wir uns über den Anblick mehrerer Blauscheitelmotmots freuen. Auch eine hochgefährliche Grüngelbe Palmlanzenotter (Striped Palm Pit Viper), deren Gift tödlich für Menschen ist, und einen Weißrüssel-Nasenbären (White-nosed Coati) entdeckten wir in freier Wildbahn.

Besonders überraschte uns auch die kleinste Orchidee der Welt, die wie Unkraut an einem Baumstamm wuchs und nur wenige Zentimeter groß war. Die Blüte konnte man mit bloßem Auge kaum erkennen.

Der Nebelwald von Monteverde entsprach haargenau meinen Kindheitsvorstellungen von einem Regenwald. Alles war feucht und nebelig, ja schon ein bisschen düster.

Anschließend fuhren wir noch mit einer offenen Gondel, der Sky Tram, bis zur Spitze des Berges. Dort oben war es extrem windig, kalt und bewölkt. Der Blick war aber toll. Zur einen Seite sah man nur Wolken und auf der anderen Seite konnte man bis zum Pazifik bzw. zum Golf von Nicoya schauen.