“Bereue nichts, was du getan hast, wenn du in diesem Moment glücklich warst.” (Verfasser unbekannt)

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus den Jahren 2009/2010 und wurde erst im Januar 2021 in unserem Reiseblog veröffentlicht.

Einleitung

Ich wollte schon immer für längere Zeit nach Frankreich gehen, nur wusste ich nicht, in welcher Form. Irgendwann, im Laufe meines Studiums, stieß ich dann auf das Fremdsprachenassistentenprogramm des Pädagogischen Austauschdienstes. Die Anforderung, in Frankreich an zwei Schulen Deutsch zu unterrichten, war perfekt auf mich zugeschnitten und so bewarb ich mich Ende 2008 um eine Stelle. Es folgte ein Auswahlgespräch, welches meines Empfindens eher schlecht lief. Doch nichtsdestotrotz erhielt ich im Frühling 2009 die Information, dass ich eine Stelle in der Académie Versailles bekommen hätte.  Überglücklich und völlig euphorisch, konnte ich es kaum erwarten, dass das Abenteuer endlich losgeht. Ich wurde einem Collège und einem Lycée in Asnières sur Seine (Vorort von Paris) zugeteilt, wo ich zwölf Stunden pro Woche Deutsch unterrichten sollte.  Davon habe ich neun Stunden eigenständig und die restlichen drei Stunden gemeinsam mit einem Lehrer unterrichtet. Ich übernahm am Collège und Lycée kleinere und größere Gruppen aller Altersstufen (6-18 Schüler). Die Lehrer gaben mir sogar die wichtige Aufgabe, die Schüler der Terminale auf das Abitur vorzubereiten.

Da das Lycée seinen Assistenten eine kostenlose Unterkunft direkt auf dem Schulgelände anbot, war ich sehr froh, mir keine teure Wohnung in Paris suchen zu müssen. So nahm ich dieses Angebot gemeinsam mit der chinesischen Assistentin in Anspruch. Aus diesem Grund konnte ich natürlich sehr viel Geld sparen, welches ich in unzählig viele Reisen investiert habe. Neben meinem Unterricht, meinen Ausflügen und meinen Reisen besuchte ich auch zweimal wöchentlich einen Abendkurs in Paris, um mein Französisch zu verbessern.

Da ich so viele schöne Momente in Frankreich erlebt habe, ist es mein Wunsch, diese Ereignisse aufzuschreiben, um sie mit vielen Menschen teilen zu können.

So konnte das Abenteuer am 27. September 2009 beginnen….

Erste Schritte auf dem Weg zum assistant teacher: Die Vorbereitungen für das Auslandssemester

Die Bewerbung beim Pädagogischen Austauschdienst (PAD)

Um als assistant teacher ins Ausland gehen zu können, muss man sich lange Zeit vorher beim Pädagogischen Austauschdienst bewerben. Diese Bewerbung, die bis zum 1. Dezember eingereicht werden muss, besteht aus (Quelle: PAD):

  • dem allgemeinen Bewerbungsbogen
  • drei weiteren Exemplaren dieses Bewerbungsbogens inkl. Passfoto
  • einer Studienbescheinigung mit Angabe der Semesterzahl, des angestrebten Abschlusses und aller Studienfächer
  • ggf. eine Kopie des Studienabschlusszeugnisses oder Zwischenprüfungszeugnisses (dies habe ich nicht eingereicht)
  • einem maschinengeschriebenen, ausformulierten Lebenslauf in deutscher Sprache und in der Sprache des Ziellandes mit diesen Angaben:
    • persönlicher Werdegang inkl. Studienverlauf
    • Interessen und sonstige Aktivitäten
    • ggf. Auslandserfahrungen
    • ggf. Praktika und Vorerfahrungen
  • einem Motivationsschreiben (in deutscher Sprache und in der Sprache des Ziellandes), in dem man die Gründe für die Bewerbung und die Erwartungen an den Auslandsaufenthalt darlegen soll
  • einem Gutachten der Universität aus dem fremdsprachlichen Fachbereich
  • einer bestätigten Auflistung aller erbrachten Studienleistungen
  • einem Gesundheitszeugnis vom Arzt und persönliche Angaben zum Gesundheitszustand

Mein offizielles Motivationsschreiben für die Bewerbung als Fremdsprachenassistentin

Die Gründe für den Wunsch, als Fremdsprachenassistentin nach Frankreich zu gehen, liegen für mich in den sprachlichen und pädagogischen Bereichen. Mir ist es wichtig, in dem Land, dessen Zielsprache ich studiere, einige Zeit zu leben, um die Kultur und Sprache nicht nur besser kennenzulernen, sondern auch um diese besser zu verstehen.

Da mir an der Universität die Sprachpraxis fehlt, möchte ich mir diese außerhalb der universitären Ausbildung aneignen, wobei dies am besten in Frankreich möglich ist. So möchte ich dort neben dem Verbessern meiner Sprachkenntnisse auch meinen Wortschatz weiter ausbauen. Seit Studienbeginn habe ich die Absicht, für einige Monate nach Frankreich zu gehen. Da ich meinen Auslandsaufenthalt sinnvoll nutzen möchte, ist die Tätigkeit als Fremdsprachenassistentin genau das Richtige für mich.

Neben diesem Wunsch, meine sprachpraktischen Kenntnisse aufzubessern, halte ich die Tätigkeit als Fremdsprachenassistentin für eine gute Übung als zukünftige Lehrkraft. Gemäß dem Prinzip „learning by doing“ möchte ich meine pädagogischen Kompetenzen zunächst austesten und anschließend ausbauen. Ich arbeite nicht nur gern mit Kindern und Jugendlichen zusammen, sondern erkläre auch gern Sachverhalte und erfreue mich daran, wenn diese von den Schülern verstanden werden. Zudem möchte ich für mich selbst dafür eine Bestätigung haben, dass ich als Lehrerin gut geeignet bin, da mir die theoretischen Veranstaltungen der Universität diese Bestätigung nicht geben können.

Zusammenfassend betrachtet, ist für mich die Tätigkeit als Fremdsprachenassistentin die allerbeste Möglichkeit, um zum einen meine Französischkenntnisse zu verbessern und die französische Kultur kennenzulernen. Zum anderen habe ich dadurch gleichzeitig die Möglichkeit, meine Lehrerkompetenzen zu erweitern und Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln.

Das Bewerbungsgespräch (Interview)

Im Januar und/oder Februar werden alle Bewerber/innen zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Zu diesem Zeitpunkt steht noch nicht fest, ob der Bewerber eine Stelle als assistant teacher erhalten hat, d.h. es werden alle Interessenten unabhängig von ihrer Bewerbung eingeladen. In der ersten Februarwoche 2009 wurde ich zu einem zwanzigminütigen Auswahlgespräch eingeladen, das an einem Münchner Gymnasium stattfand. Der Herr, der mit mir das Gespräch geführt hat, war der Stellvertreter des Schulleiters an diesem Gymnasium und hat Französisch unterrichtet.  An die genauen Fragen kann ich mich nicht mehr erinnern. Allerdings weiß ich noch, dass ich politische und geschichtliche Fragen nicht wirklich beantworten konnte, obwohl ich mich vorher tagelang darauf vorbereitet hatte. Auch als wir vom Deutschen in das Französische übergingen, habe ich nur „herumgestammelt“. Am Ende der zwanzig Minuten habe ich dem Herrn, der mich interviewt hat, noch einmal deutlich gemacht, dass ich unbedingt nach Frankreich gehen möchte, und dass mir die Arbeit mit Kindern bzw. Jugendlichen so viel Spaß macht. Als ich das Gymnasium verließ, hatte ich so ein schlechtes Gefühl und war der festen Überzeugung, dass ich auf Grund meines Versagens nicht genommen werde. Dass dies nicht der Fall war, erfuhr ich Monate später, als ich die Zusage des Pädagogischen Austauschdienstes erhielt.  Da die französischen Schulen einen großen Bedarf an deutschen Assistenten haben, wurde bisher jeder genommen – egal, wie gut oder wie schlecht die Bewerbung bzw. das Auswahlgespräch war. So habe ich es jedenfalls von allen Seiten gehört.

Auch wenn das Auswahlgespräch noch so schlecht läuft, kann man dennoch einen Platz als assistant teacher in Frankreich erhalten. In anderen Ländern, wo die Nachfrage nach Assistenten nicht so groß ist, wird dagegen viel sorgfältiger selektiert.

Zusage oder Absage?

Zwischen Ende April und Ende Mai erhielt ich dann einen Brief des Pädagogischen Austauschdienstes mit der Information, dass ich einen Platz als assistant teacher erhalten hätte und der Académie Versailles zugeteilt wurde. Versailles war übrigens meine Erstwahl. Die zweite Wahl war Rouen und die dritte Wahl war Créteil. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nur, welcher Region ich zugeteilt wurde. Die genauen Städte und Schulen erfuhr ich erst Mitte August, als ich die Schulzuweisung erhielt.

Die Schulzuweisung

Im August kam dann die Schulzuweisung, der man entnehmen konnte, dass ich einem Lycée und einem Collège zugeteilt wurde. Am Lycée sollte ich acht, am Collège vier Stunden pro Woche unterrichten. Insgesamt kann man an höchstens drei Schulen eingesetzt werden. Da ich erst im August die genauen Einsatzschulen mitgeteilt bekam, war es nicht einfach, zu dieser Zeit Kontakt mit der Schule aufzunehmen. Denn französische Schulen sind von Anfang Juli bis Anfang September in den Sommerferien, d.h. in dieser Zeit ist die Schule nicht besetzt. Also konnte ich erst im September Kontakt zu meiner Stammschule aufnehmen, was ich aus zeitlicher Sicht als sehr knapp empfand.

Direkt an dem Tag, als ich den Einsatzort erfahren hatte, habe ich eigenständig im studivz in mehreren Foren gesucht, wer meine Vorgängerin sein könnte. Ich fand sie und schrieb sie an; noch am gleichen Tag antwortete sie mir. So erfuhr ich beispielsweise, dass ich in der kostenlosen Unterkunft der Schule wohnen könnte. Also war die größte Sorge erst einmal weg, denn um eine Wohnung musste ich mich nun nicht mehr kümmern. Dann forderte ich den offiziellen Erfahrungsbericht meiner Vorgängerin an, den ich zehn Tage später erhielt.

Die letzten Vorbereitungen in Deutschland, inkl. Checkliste

Hat man die Schulzuweisung erhalten, sollte man so schnell wie möglich Kontakt zu seiner Stammschule d.h. zum Schulleiter oder zum genannten Ansprechpartner aufnehmen. Meine Vorgängerin gab mir im studivz die E-Mail-Adresse ihrer/meiner Betreuungslehrerin, sodass ich schnell Kontakt zu dieser aufnehmen konnte. Nachdem sie mir geantwortet hatte, rief ich im Sekretariat der Stammschule an und reservierte mir ein Zimmer in der kostenlosen Unterkunft. Bei der anderen Schule, d.h. beim Collège, meldete ich mich erst, als ich schon in Frankreich war, das war erst Anfang Oktober.

Außerdem musste ich bei meiner Krankenkasse (IKK) klären, ob ich mit meiner deutschen Karte auch im Ausland versichert bin. Da es sich bei der Fremdsprachenassistenz um ein Angestelltenverhältnis handelt, war meine Versichertenkarte in Frankreich für mich wertlos, wie mir der Mitarbeiter am Telefon erklärte. Aus diesem Grund schloss ich eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung bei der Debeka ab, die monatlich 44€ betrug.  Außerdem habe ich noch eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, die die Kosten für einen Rücktransport im Krankheits- oder Todesfall übernommen hätte. Diese Versicherung hat mir später auch andere Arztkosten problemlos zurückerstattet, die von der französischen Krankenversicherung nicht übernommen wurden.

Da ich keine Visa-Karte habe, nahm ich mir einen dreistelligen Bargeldbetrag mit nach Frankreich. Dieses Geld half mir am Anfang über die Runden zu kommen. Denn das erste Gehalt kommt erst im November oder Dezember.

Folgende Unterlagen muss man mit ins Ausland nehmen (ggf. auch mehrere Kopien davon):

  • Personalausweis
  • Die europäische Krankenversicherungskarte sowie einen Versicherungsschein einer weiteren Auslandskrankenversicherung
  • eine internationale Geburtsurkunde
  • die Schulzuweisung
  • Passfotos
  • Materialien für den Unterricht
    • Visuelles Material: Fotos, Stadtpläne, Ansichtskarten, Speisekarten etc.
    • Zeitungsausschnitte: überregionale und regionale Zeitungen/Zeitschriften, Wetterberichte, Kinder-und Jugendzeitschriften etc.
    • Akustisches Material: Musik, Radiowerbung, Hörbücher etc.
    • Audiovisuelles Material : Videoclips, Werbespots etc.

Tipp: Es ist besser, das Material erst vor Ort didaktisch aufzubereiten und Arbeitsblätter zu erstellen, um diese den Wünschen der Betreuungslehrer anpassen zu können.

Außerdem sollte man den bestehenden Mietvertrag seiner deutschen Wohnung rechtzeitig kündigen und damit verbunden den Strom-und Telefonanbieter. Auch ist es wichtig, ein Urlaubssemester bei seiner Universität zu beantragen. An meiner Universität wurde mir für die siebenmonatige Assistentenzeit nur ein Urlaubssemester auf Vorzeigen der Schulzuweisung genehmigt.

Während meiner Reisevorbereitung musste ich die Familienkasse über meinen bevorstehenden Auslandsaufenthalt informieren.

Kurz vor meiner Abreise besorgte ich mir außerdem verschiedene „Medikamente“, um dann in Frankreich keinen Engpass zu haben (Migränemittel, Pille, Schmerztabletten).

Kurz nachdem ich die Schulzuweisung erhielt, habe ich schon meinen Flug nach Paris gebucht, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Kontakt zu meinen Schulen hatte (wg. der Sommerferien). Weil mein Flug auf einen Sonntag (27.September 2009) gebucht und die Schule an diesem Tag geschlossen war, musste ich noch eine Nacht im Hotel schlafen. Am Montag hatte ich dann einen Termin mit dem Zuständigen der Schule, der mit mir die Zimmer- und Schlüsselübergabe vornahm.

Tipp: Es ist besser, unter der Woche anzukommen, um sein Zimmer noch am selben Tag beziehen zu können.

Hier eine zusammenfassende Checkliste für die letzten Vorbereitungen:

Zu erledigen:

  • Bestätigung an die französische Schulbehörde zurücksenden, dass man die Schulzuweisung erhalten hat und die Stelle annehmen
  • Mit der Schule Kontakt aufnehmen (ggf. Fragen vorbereiten)
  • Erforderliche Dokumente beschaffen und kopieren
  • Versicherungsverhältnisse klären (Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung)
  • Finanzielle Reserven für die Anfangszeit einplanen
  • Unterrichtsmaterial sammeln und vorbereiten
  • ggf. Schulpraktikum absolvieren, um Erfahrungen zu sammeln
  • Auslandssemester an seiner Uni beantragen
  • ggf. Wohnung kündigen
  • Flug buchen, ggf. noch Hotelübernachtung
  • Medikamente besorgen
  • Familienkasse informieren wg. Kindergeld
  • ggf. Visa-Karte beantragen
  • Handytarif abklären

Aufgaben und Gehalt als assistant teacher

Als assistant teacher unterrichtet man zwölf Stunden pro Woche, wobei eine Unterrichtsstunde in Frankreich 55 Minuten beträgt. Der Unterricht beginnt zwischen 8.00Uhr und 8.30Uhr. Die assistant teachers haben immer Ferien, wenn die Schüler auch Ferien haben. In Frankreich gibt es drei Ferien-Zonen, wobei die Académie Versailles der Zone C zugeordnet wird. Sollte man schon vorab Flüge nach Deutschland für die Ferien buchen, so muss man beachten, dass in Frankreich auch am Samstag unterrichtet wird. D.h. man sollte entweder mit den Lehrern abklären, dass man am Samstag nicht arbeitet oder man sollte einplanen, dass man frühestens am Samstagabend nach Deutschland fliegen kann. Ich musste allerdings an nur drei Tagen unterrichten, nämlich am Dienstag, Donnerstag und Freitag. Den anderen Assistenten, die an dieser Schule tätig waren, ging es ähnlich. Am Montag war jeweils die Besprechungsstunde mit meinem Lehrer, die für mich auch obligatorisch war. Das monatliche Gehalt lag im Schuljahr 2009/2010 bei 961,10€ brutto.

Die Zeit als assistant teacher im Ausland – Mein Erfahrungsbericht

Erste Schritte nach der Ankunft im Ausland

Zu Beginn der Assistentenzeit finden zwei Einführungsveranstaltungen statt, die für alle assistant teachers obligatorisch sind. Die Einladung hierzu erhält man von der Stammschule. Außerdem muss man sich vom Sekretariat der Stammschule eine Antrittsmeldung ausstellen lassen, die man direkt nach Deutschland an den PAD senden muss. Zudem sollte man einen Gehaltsvorschuss beantragen und sofort ein Konto eröffnen, denn sonst kann das Gehalt nicht ausgezahlt werden. Auch sollte man eine Haftpflichtversicherung abschließen. In meinem Fall hat die Schule noch eine Hausratversicherung verlangt, weil ich kostenlos in der Schulunterkunft gewohnt habe. Sollte man keine kostenlose Unterkunft der Schule erhalten haben, was ja nicht selbstverständlich ist, kann man französisches Wohngeld beantragen. Unumgänglich ist die Anmeldung bei der Sécurité sociale, die gemeinsam mit der Schule vollzogen wird.

Checkliste bei der Ankunft am Schulort

(Quelle: Broschüre „Praktische Hinweise“ des PAD)

Zu erledigen:

  • Procès verbal d’installation (Antrittsmeldung) im Sekretariat der Schule entgegennehmen
  • Antrittsmeldung des PAD im Sekretariat unterschreiben lassen und an den PAD senden
  • Unterkunft suchen
  • Hausratversicherung abschließen
  • ggf. Wohngeld beantragen
  • Konto eröffnen
  • Bei der Sécurité sociale anmelden
  • Gehaltsvorschuss vor dem 10.Oktober beantragen

Unterbringung und Verkehrsanbindung

Wie schon erwähnt, stellt die Schule ihren Fremdsprachenassistenten eine kostenlose Unterkunft zur Verfügung. Diese befindet sich direkt auf dem Schulgelände in dem Haus der Hausmeisterin und hat einen separaten Eingang. Jedes der drei vorhandenen Zimmer hat ein eigenes kleines Bad. Die Zimmer sind jeweils mit einem Bett (inkl. Bettdecke und Kissen), einem Schreibtisch, Schränken und Regalen ausgestattet. Das Fenster in meinem Zimmer war direkt zur Schule gerichtet, d.h. ein Blick aus dem Fenster war ein Blick auf die Schüler, die Schule und den Schulhof. Die oberen beiden Bäder haben eine Dusche; dagegen ist das Bad des unteren Zimmers größer und besitzt eine Badewanne. Im oberen Bereich gibt es eine kleine Gemeinschaftsküche mit einem Kühlschrank (inkl. Tiefkühlfach), einer Spüle, Herdplatten, einer Mikrowelle, einem Wasserkocher und einer Kaffeemaschine. Ich habe mir noch einen Minibackofen dazugekauft, den ich nach meiner Abreise in der Unterkunft lassen werde. Besteck, Geschirr, Gläser, Töpfe etc. sind bereits vorhanden, da diese sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Ein Zimmer im oberen Bereich, welches zur Straße gerichtet ist, hat sogar einen kleinen Balkon. Da die Wohnung keine Waschmaschine und keinen Anschluss dafür besitzt, muss man in den Waschsalon gehen. Die Zimmer haben auch keinen Internet-und Telefonanschluss. Aus diesem Grund habe ich immer das Internet im Lehrerzimmer genutzt, wobei dort einige Internetseiten wie beispielsweise Facebook gesperrt sind. An den Wochenenden war ich ab und zu auch im Internetcafé. Es gibt einen kleinen Fernseher, den die chinesische Assistentin für sich in Anspruch genommen hat. Diese hatte auch einen UMTS Stick (clé 3G), um im Internet surfen zu können. Man benötigt hierfür eine Visa-Karte, um einen Internetvertrag bei SFR abschließen zu können, für welchen man monatlich ca. 40€ zahlt. Leider hat dieser Stick der chinesischen Assistentin manchmal stunden- oder tagelang nicht funktioniert, da das UMTS keinen Empfang hatte. Als der Empfang dann doch da war, war dieser eher stockend, sehr langsam und unterbrach oft. Leider besitzt die Schule auch kein WLAN, bei welchem man sich hätte einwählen können. Nicht nur die Miete entfällt für die Assistenten, sondern auch die Nebenkosten (Strom, Wasser etc.). Da diese von der Schule übernommen werden, muss man lediglich eine Hausversicherung abschließen, die bei der Crédit mutuel einmalig ca. 43€ kostet. Offiziell ist Besuch in der Unterkunft verboten, wobei selbst den Zuständigen bekannt ist, dass bisher alle Assistenten Besuch hatten. Weil das Bett für zwei Erwachsene jedoch zu klein ist, habe ich mir noch eine Luftmatratze für zwei Personen dazugekauft. Weil sich die Unterkunft direkt auf dem Schulgelände befindet, begrenzt sich der Schulweg zum Lycée auf eine Minute zu Fuß. Auch das Collège, welches sich direkt gegenüber vom Lycée befindet, kann man in drei Minuten zu Fuß erreichen.

Tipp: Bei der Hausversicherung sollte man aufpassen, dass man nicht an überteuerte Angebote ab 100€ gerät.

Da sich die zwei Schulen in einem Pariser Vorort befinden, sind die Verkehrsanbindungen äußerst gut. Es fährt beispielsweise ein Bus direkt zu La Defénse. Auch ist Asnières mit drei Haltestellen an das Pariser Métro-Netz gebunden, wobei Les Agnettes (Linie 13) die Haltestelle ist, die sich in der Nähe der Schulen befindet. Mit dieser Linie 13 kann man direkt zu den Champs-Élysées fahren. Zum Flughafen Charles de Gaulle kommt man in eineinhalb Stunden. Weil sich für mich die Monatskarte (Pass Navigo) nicht lohnte, habe ich mir immer ein Heft (carnet) mit zehn Tickets für 11,60€ gekauft. Für Wochenenden, Feiertage oder die Schulferien sind auch die Tagestickets (ticket jeune bis 26 Jahre) sehr zu empfehlen. Obwohl die beiden Schulen der Académie Versailles zugeteilt werden, befinden sie sich viel näher an Paris als an Versailles. Auf Grund der Nähe zu Paris war es auch ein Leichtes, von dort aus mit dem TGV nach Brüssel, Bordeaux, Lyon, Grenoble, Strasbourg etc. zu kommen.

Tipp: Auf der Internetseite http://www.ratp.fr kann man sich auch seine Fahrwege berechnen lassen, falls der Métroplan einmal nicht weiterhelfen sollte.

Informationen für die Ankunft in der Schule

Nachdem ich die ersten Termine in der Schule wahrnahm und mir meine Betreuungslehrerin vorgestellt wurde, habe ich sofort ein Fach im Lehrerzimmer bekommen. In diesem lag ein kleines Willkommensbriefchen von allen Deutschlehrern, welche mich herzlich willkommen hießen. Kontakt mit der Schulleiterin des Lycée hatte ich gar nicht: Ich hielt sogar noch vier Monate nach meiner Ankunft eine andere Person als Schulleiterin und erfuhr dann nur zufällig, dass ich mich getäuscht hatte. Ich habe sie vor den vier Monaten nie gesehen und wurde ihr durch meine Betreuungslehrerin auch nicht vorgestellt.
Obwohl in den Broschüren des PAD von anfänglichen Hospitationen die Rede ist, blieben diese bei mir komplett aus. Nachdem ich meinen Stundenplan gemeinsam mit den Deutschlehrern erstellt hatte, wurde ich gleich als lehrende Kraft eingesetzt.

Wichtig für den eigenständigen Unterricht ist, dass man in einem Formular die abwesenden Schüler auflistet und dieses täglich beim C.P.E. abgibt. Diese Formulare liegen im Lehrerzimmer und sind frei zugänglich. In der ersten Stunde morgens um 8.00Uhr kommt ein surveillant in den Unterricht, um sich einen anderen Abwesenheitszettel ausfüllen zu lassen. Diese Maßnahme ist erforderlich, damit sofort die Eltern informiert werden können, falls ihr Kind in der ersten Stunde gefehlt haben sollte.
Kreide liegt immer in den Klassen oder im Lehrerzimmer. Im Collège gab man mir anfangs White Board Marker für die weißen Tafeln. Als diese leer waren, kaufte ich mir selbst neue. Die Schülerlisten der einzelnen Gruppen bekommt man vom jeweiligen Deutschlehrer, dessen Schüler man übernimmt. Außerdem habe ich mir beim C.D.I. auf Anraten meiner Betreuungslehrerin die Schulbücher für den Zeitraum meines Aufenthaltes ausgeliehen.
Es gibt einen Kopierraum mit ca. acht großen Kopierern, die für alle Lehrer frei und unbegrenzt zugänglich sind. Computer befinden sich direkt neben dem Lehrerzimmer in einem separaten Raum, der nur von den Lehrern (und natürlich Assistenten) betreten werden darf. Um diese Computer nutzen zu können, benötigt man persönliche Zugangsdaten, die man vom Administrator bekommt. Außerdem gibt es eine gemeinschaftliche Schulkantine für das Lycée und das Collège, in der ich oft gegessen habe. Dort gibt es immer eine Vor-, eine Haupt- und eine Nachspeise.
In den ersten Tagen nach der Ankunft hat man mehrere Verabredungen mit der Sekretärin, um Organisatorisches und Bürokratisches zu klären. Dabei bekommt man beim ersten Treffen einen Zettel, auf dem alles steht, was man zu erledigen hat.

In der Nähe der Unterkunft befinden sich die Supermärkte Aldi, Franprix und Carrefour. Generell haben am Sonntag und an Feiertagen einige Geschäfte geöffnet, zum Beispiel der Franprix. Man kann auch das kostenlose Internet bei Mc Donald‘s nutzen, wobei es dort keine Steckdosen gibt. Ich hatte einen französischen Handyvertrag, was jedoch völlig unnötig war, da ich mein französisches Handy fast nie genutzt habe. Die Lebenshaltungskosten sind in Paris viel höher als in Deutschland. Dies betrifft nicht nur die Mieten, sondern auch die Lebensmittel. Ohne Visa-Karte hat man es in Frankreich sehr schwer, denn ein Überleben ohne dieser ist nur begrenzt möglich. Von der französischen Bank bekommt man nur eine Bankkarte, mit der man bei der Bank Geld abheben kann. Im Laden oder am Fahrkartenautomaten kann man jedoch nicht damit bezahlen.

Tipp: Da die Mieten in Paris extrem hoch sind und die Unterkunft der Schule kostenlos ist, empfehle ich dringend, dieses Wohnangebot der Schule in Anspruch zu nehmen.

Einsatz im Unterricht und andere Aktivitäten in und außerhalb der Schule

Ich habe acht Stunden am Lycée und vier Stunden pro Woche am Collège unterrichtet. Neun der zwölf Stunden unterrichtete ich völlig eigenständig und die restlichen drei Stunden unterrichtete ich immer gemeinsam mit einem Lehrer. Eigentlich war eingeplant, seine Gruppen allein zu betreuen, doch es spielte sich so ein, dass wir immer gemein unterrichtet haben. An beiden Schulen übernahm ich kleinere und größere Gruppen (6-18 Schüler) aller Jahrgangsstufen. Je kleiner die Gruppe war, desto angenehmer und ruhiger war auch die Arbeitsatmosphäre. Neben dem gewöhnlichen Unterricht nahm ich auch am Wandertag nach Paris teil und organisierte gemeinsam mit einer Deutschlehrerin eine Stadtrallye (Journée Renoir). Für meine eigenen Unterrichtsstunden habe ich die Themen selbst bestimmt und selbstständig Arbeitsblätter erstellt. Bei den Gruppen meiner Betreuungslehrerin nannte sie mir immer ihre gewünschten Themen oder lenkte meine vorgeschlagenen Themen in eine bestimmte Richtung. Als diese Lehrerin längere Zeit krank war, konnte ich dann die Themen selbst frei wählen. Neben den zwölf Unterrichtsstunden gab es zusätzlich zwei Vorbereitungsstunden mit einem Lehrer und mit meiner Betreuungslehrerin, die jeweils an einem festgelegten Tag stattfanden.
Ich hatte die Aufgabe, zwei Terminale-Gruppen auf das mündliche Abitur vorzubereiten. Als meine Betreuungslehrerin krankheitsbedingt monatelang ausfiel, hatten die Terminale-Schüler keinen Deutschunterricht mehr außer einmal wöchentlich mit mir, da es in Frankreich generell keine Vertretungsstunden gibt. Aus diesem Grund wurde meine Tätigkeit, die Schüler ernsthaft aufs Abitur vorzubereiten, immer bedeutsamer je länger die Betreuungslehrerin fehlte.

Französische Schüler haben meines Erachtens größere Probleme, sich dem Lehrer diszipliniert und respektvoll gegenüber zu verhalten, als deutsche Schüler. Bestrafungen wie beispielsweise das Auseinandersetzen oder Kursausschluss zeigten oft wenig Wirkung.

Das traurige Resultat meiner Unterrichtszeit sind:

  • vier avertissements (= Verwarnungen, vergleichbar mit deutschen Schulverweisen)
  • acht Schüler wurden aus meinem Kurs für das restliche Schuljahr ausgeschlossen
  • eine Schülerin wurde einmalig für den Rest der Stunde aus dem Kurs ausgeschlossen
  • sechs Schüler wurden für einen Tag von der Schule suspendiert und mussten zur Direktorin

Bei jeder Bestrafung wurden jeweils der Klassenlehrer, die Eltern, das C.P.E. und teilweise auch direkt die Schulleitung informiert. Außerdem wurden die Probleme in den Akten der einzelnen Schüler vermerkt. Nicht die Bestrafungen sind das Schlimme, für die Schüler, sondern die Tatsache, dass die Schulakte unlöschbar ist und ein Chef einer Firma diese einsehen kann, wenn sich ein Schüler bei seinem Unternehmen bewirbt. So kann sich die Jobsuche sehr schwierig gestalten und das Verhalten in der Vergangenheit somit zu einer Jobabsage führen. Die kleinen Schüler am Collège (6ème) sind sehr unruhig und reden viel. Manche stehen während des Unterrichts auf und laufen herum, weil sie keine 55 min ruhig auf dem Stuhl sitzen können. Auch streiten sie sich oft und man muss zwischenmenschliche Probleme lösen („Der hat mir den Stift weggenommen“, „Der hat mich beleidigt“ etc.). Dabei war es nicht einfach, in diesen Klassen Wissen zu vermitteln und damit verbunden guten Unterricht zu machen. Im Großen und Ganzen entscheidet nicht das Alter über Disziplin und Respekt, denn es gab in jeder Altersstufe unproblematische und problematische Schüler, ganz egal ob am Lycée oder am Collège.

Französische Schüler kennen eher Frontalunterricht, als dass sie selbst im Unterricht agieren. Spricht man die Schüler an, stellt Fragen oder schlägt eine Gruppenarbeit vor, reagieren sie oft schüchtern und verwirrt. Als ich einen Schüler an die Tafel holte, war dieser völlig verängstigt. Die Schüler am Collège reagieren auf solche neuen Unterrichtsformen dagegen offener und können es kaum erwarten, an die Tafel zu schreiben, selbst wenn sie die richtige Antwort auf die Frage nicht wissen.

Meinen Stundenplan haben wir gemeinsam entworfen und ich konnte meine Wünsche dabei äußern. So hatte ich nur dienstags, donnerstags und freitags Unterricht, sodass ich bis auf die Besprechungsstunden an den restlichen Tagen frei hatte.

Betreuung durch Fachlehrer

Am Lycée gab es drei Deutschlehrer/innen, wobei eine davon meine Betreuungslehrerin war. Ich habe mich mit diesen drei Lehrern/innen sehr gut verstanden und bekam bei Problemen Hilfe sowie bei Fragen eine Antwort. Neben meinen zwölf Unterrichtsstunden gab es mit einem Lehrer sowie meiner Betreuungslehrerin jeweils eine Besprechungsstunde, die immer zur gleichen Zeit stattfand. In den Besprechungsstunden wurden nicht nur die obligatorischen schulischen Dinge besprochen, sondern oft wurden daraus auch private Gespräche. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, von meinen Lehrern ernst genommen zu werden. Selbst als ich Probleme mit einigen Schülern hatte und selbst keine Bestrafungen aussprechen durfte, haben sich die Lehrer für mich eingesetzt und die jeweiligen Schüler bestraft. Ob es sich um einen einmaligen Ausschluss aus meiner Stunde oder um eine Schulsuspendierung handelte: Meine Lehrer standen immer bedingungslos hinter mir und haben mir geholfen – auch, wenn es um das Vorsprechen bei der Schulleitung ging. Leider war meine Betreuungslehrerin (wie auch schon im Vorjahr) sehr oft krank und somit fast das ganze Schuljahr nicht in der Schule. Auch als sie nicht da war, kümmerten sich die zwei anderen Lehrer um mich und ich fühlte mich bei ihnen immer gut aufgehoben. Aus diesem Grund empfand ich die längere Abwesenheit meiner Betreuungslehrerin nicht als nachteilig. Es wird vermutet, dass die besagte Lehrerin im Schuljahr 2010/2011 nicht mehr an der Schule sein wird.

Am Collège dagegen gab es nur einen Deutschlehrer, mit dem es über längere Zeit größere Probleme gab. Da dieser zum Ende des Schuljahres 2009/2010 in Rente gehen wird, ist es für die/den nachfolgenden Assistenten/in eher irrelevant, diese Probleme weiter auszuführen.

Dadurch, dass wir Assistenten die gleichen Rechte hatten wie die richtigen Lehrer und ein eigenes Fach im Lehrerzimmer bekamen, fühlte man sich mit ihnen gleichwertig. Das Gefühl, ernst genommen zu werden und den Lehrern gleichgestellt zu sein, empfand ich als sehr angenehm.

Auch die anderen Lehrer und die surveillants zeigten sehr großes Interesse an den Fremdsprachenassistenten. Man kam nicht nur oft im Lehrerzimmer, sondern auch auf den Fluren oder in der Kantine ins Gespräch. Nach einigen Wochen entwickelte sich dabei ein sehr vertrautes Verhältnis. Selbst als die Deutschlehrer nicht anwesend waren, gab es immer jemanden, der einem weiterhelfen konnte.

Soziale Kontakte im Gastland

Da ich mit meinen Betreuungslehrern sowie mit meinen Schülern meist Deutsch sprechen musste, habe ich absichtlich den Kontakt zu anderen deutschen Fremdsprachenassistenten gemieden, um nicht noch mehr Deutsch zu sprechen. Den Kontakt zu Franzosen hatte ich, weil ich in meiner Schulzeit beim Comenius-Projekt teilgenommen hatte und daher noch einige Franzosen von damals kannte. Außerdem hatte ich viel Kontakt mit meiner chinesischen Mitbewohnerin, mit der ich auch Französisch gesprochen habe. Mit ihr konnte ich nicht nur die französische Sprache praktizieren, sondern durch sie auch die chinesische Kultur und das dortige Leben besser kennenlernen. Zudem besuchte ich zweimal wöchentlich einen Französischkurs, bei dem es auch höchste Priorität war, Französisch zu sprechen (selbst mit den deutschen Teilnehmern). Neben der französischen und der chinesischen Kultur konnte ich auch weitere Kulturen kennenlernen, da meine Schüler aus den unterschiedlichsten Ländern kamen. Dies empfand ich als echte Bereicherung.
Da die Distanz zwischen französischen Lehrkräften und französischen Schülern viel größer ist als in Deutschland und man den privaten und beruflichen Bereich strikt voneinander trennt, habe ich es als Assistentin auch vermeiden müssen, privaten Kontakt zu meinen Schülern zu haben.

Freizeitangebote

Fast alle Museen und andere Einrichtungen bieten ein kostenloses Ticket für EU-Bürger bis 26 Jahre an. Daher ist es sehr billig bzw. kostenlos, Paris zu erkunden. Ich war sehr oft im Office de Tourisme (Métrostation Pyramides), um mir Flyer über die verschiedenen Angebote zu besorgen. Als ich Paris komplett entdeckt hatte und auch bei einem Musicalbesuch von Roméo et Juliette und im Kino war, nahm ich mir die Pariser Umgebung sowie das restliche Frankreich vor. Da die Unterkunft und die meisten Museumsbesuche für mich kostenlos waren, bot es sich an, größere Summen meines Gehaltes in verschiedene Städtereisen zu investieren. Ich war beispielsweise in Lyon, Grenoble, Bordeaux, Nantes, Strasbourg, Lille, Brüssel, in der Bretagne etc. Für Städte, die weiter entfernt von Paris sind, lohnt es sich, den TGV zu nehmen. Dabei sollte man darauf achten, rechtzeitig zu buchen, denn in Frankreich sind alle TGVs reservierungspflichtig und daher schnell ausgebucht. Sollte man doch längere Zugreisen bevorzugen, kann man das Ticket InterRail nehmen, welches preislich günstiger ausfällt. Um meinen Frankreichaufenthalt abzurunden, werde ich das noch übrige Gehalt in eine abschließende Reise durch Südfrankreich investieren. Dabei stehen Toulouse, Montpellier, Marseille, Nizza, Cannes und Monaco auf dem Programm. Weil es in der Unterkunft weder einen Fernseher noch Internet gab, war man auch oft gezwungen, etwas in Paris und seiner Umgebung zu unternehmen, um in der Unterkunft nicht zu vereinsamen. Diesen „Zwang“ empfand ich jedoch nicht als Nachteil, sondern eher als Vorteil und nutzte ihn vollends aus.

Fortbildungsmöglichkeiten

Da man angehalten ist, mit den französischen Schülern während des Unterrichts nur Deutsch zu sprechen, ist es sehr schwierig, selbst größere Fortschritte in Französisch zu machen. Weil ich nach vier Monaten über meine Fortschritte sehr unzufrieden war, meldete ich mich bei einem privaten Institut für einen Abendkurs an. Dieser fand zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden statt. Man kann sich auch an der Sorbonne einschreiben oder Fortbildungskurse des Goethe-Instituts besuchen. Diese beiden Möglichkeiten nahm ich jedoch nicht in Anspruch.

Frankreich – Das Land und seine Menschen: Meine subjektiven Beobachtungen in den sieben Monaten

Die Schule in Frankreich

  • französische Schulen sind Hochsicherheitstrakte: Es sitzt immer jemand am Eingang/ Empfang der Schule, der kontrolliert, wer in die Schule geht und wer diese verlässt. Unbefugten ist das Betreten verboten. Am Collège müssen die Schüler ihren Stundenplan vorzeigen, wenn sie die Schule betreten und verlassen, damit die Kontrolleure(surveillants) sehen, dass die Schüler wirklich Unterricht oder frei haben.
  • Die Lehrer müssen täglich einen Zettel ausfüllen mit den abwesenden Schülern und diesen bei den zuständigen Leuten abgeben. Die zuständigen Leute informieren die Eltern und dokumentieren die Abwesenheit der einzelnen Schüler. Zusätzlich kommt ein Zuständiger (surveillant) immer jeden Tag früh in der ersten Unterrichtsstunde ins Klassenzimmer und lässt sich einen Zettel ausfüllen mit den abwesenden Schülern. Nach der ersten Stunde werden dann gleich die Eltern angerufen und informiert (=sofortiges Einschreiten)
  • Kommt man in Frankreich nur fünf Minuten zu spät, wird dies notiert und man bekommt einen Zettel, der die Unpünktlichkeit schriftlich bestätigt. Diesen muss man dann beim Lehrer abgeben. Solche Zettel landen dann meist im Müll.
  • am Lycée gibt es extra Schulkrankenschwestern, die ein eigenes Büro bzw. Zimmer haben – Tabletten darf man nur nehmen, wenn man eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern vorlegen kann
  • französische Schulen sind Ganztagsschulen, d.h. man kann auch bis 18.00Uhr Unterricht haben
  • In Frankreich ist auch am Samstag Schule, aber nur bis mittags 12.00Uhr. Am Mittwoch ist auch nur bis mittags Unterricht (12.00 statt 18.00Uhr)
  • in Frankreich gibt es Trimester und somit dreimal pro Jahr ein Zeugnis
  • Das Klischee, dass es in den französischen Schulen streng zugeht, stimmt überhaupt nicht (bis auf vereinzelte Ausnahmen). Teilweise sind die Lehrer zu aggressiv.
  • Niemand der Schüler will in Frankreich Lehrer werden (das krasse Gegenteil zu Deutschland). Grund sind die schlechten Bedingungen: Ein französischer Lehrer ist zwar verbeamtet, aber verdient kurz vor der Rente nur so viel Geld wie ein deutscher Lehrer direkt nach dem Referendariat bekommt
  • In Frankreich gibt es keine Selektion nach Intelligenz. Alle müssen das Collège besuchen und danach kann man entscheiden, ob man noch auf das Lycée geht. Das Lycée besteht nur aus der Oberstufe: Seconde(11. Klasse)/ Première (12.Klasse) / Terminale (13. Klasse) à französische Schüler bezeichnen unser System als Diskriminierung
  • Französische Lehrer unterrichten nur ein Fach und haben meistens zwischen fünfzehn und achtzehn Unterrichtsstunden in der Woche, aber es gibt auch Ausnahmen (weniger als deutsche Lehrer). Außerdem hatten sie an der Uni weder Didaktik noch Pädagogik/Psychologie/Soziologie. Sie sind richtige „Fachidioten“, die von Pädagogik keine Ahnung haben.
  • Französische Schüler haben weniger Respekt und Benehmen als deutsche Schüler. Deutsche Schüler lassen sich von Strafen abschrecken, französische Schüler oft nicht (das sind meine Erfahrungen)
  • Französische Schüler sind Frontalunterricht gewöhnt. Wenn man sie an die Tafel holt oder bittet, das Fenster zu öffnen, wird es nicht gemacht oder sie sind zunächst sehr lange verwirrt. Fragen werden oft nicht beantwortet und die ganze Klasse schaut den Lehrer ohne eine Reaktion an (oft sage ich dann, sie sollen mit mir reden) à Schüler sehr schüchtern und sehr passiv
  • Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist sehr distanziert. Ein französischer Lehrer trennt sein Privatleben strikt von seinem Beruf. Ein französischer Lehrer würde niemals mit seiner Klasse etwas in der Freizeit unternehmen. Wenn ich erzählt habe, dass unsere Lehrerin mit uns abends auf dem Weihnachtsmarkt war und wir sie zu Hause besucht haben, konnten das die Schüler nicht fassen. Es ist verboten, dass ein Schüler und ein Lehrer hinter der verschlossenen Tür im Klassenzimmer sind. Französische Lehrer geben niemals ihre Telefonnummer den Schülern
  • im französischen Notensystem gibt es 20 Punkte, 20 ist die beste Note
  • in Frankreich gibt es keine Vertretungsstunden. Ist ein Lehrer krank, haben die Schüler frei. Beispiel Angelika: Wenn sie bis zum Ende des Schuljahrs nicht mehr kommt, müssen die Abiturienten trotzdem ihr Abi in Deutsch machen, obwohl sie drei bis vier Monate kein Deutschunterricht hatten. Ihre Schüler sind absolut im Nachteil. Von der Abwesenheit des Lehrers ist also die Abiturnote abhängig. Das ist nicht zu fassen.
  • Franzosen kennen die PISA-Studie nicht, obwohl sie hier auch durchgeführt wird. In der französischen Presse ist dies kein Thema.
  • jeder Schüler hat eine Schulakte, die unlöschbar ist. Wechselt ein Schüler die Schule oder bewirbt er sich bei einer Firma, so können die Schule oder der Chef die Akte einsehen. Dies kann dazu führen, dass der Schüler die Ausbildung oder den Job nicht bekommt, weil die Schulakte so negativ ausfällt (das hat mir mein Lehrer erzählt)
  • momentan gibt es am Lycée eine Reform, mit der die Lehrer nicht einverstanden sind und deshalb streiken sie in regelmäßigen Abständen
  • eine Unterrichtsstunde dauert in Frankreich 55Minuten.


Das Land und Paris

  • in Frankreich gibt es sehr viel Flachland
  • in Paris gibt es keine Natur (außer künstliche Parks)
  • die U-Bahn in Paris stinkt nach Urin und die Umsteigewege von einer Linie zu einer anderen sind sehr sehr weit
  • In Paris scheint es erlaubt zu sein, dass man als Obdachloser unten im Wartebereich der Métro „wohnt“ bzw. übernachtet. Überall stinkt es nach Urin. Und: Ich habe einen Obdachlosen gesehen, der direkt dort, wo die Leute warteten, hinuriniert hat. An ihm sind die Leute vorbeigelaufen, aber das hat ihn nicht gestört. Jetzt weiß ich auch, warum es überall danach riecht
  • Die staatlichen Museen sind in ganz Frankreich für Europäer unter 26 Jahren alle kostenlos. Wenn dieser Hinweis nicht auf der Tarifliste steht, sollte man dies an der Museumskasse direkt ansprechen.

Feste in Frankreich

  • die öffentlichen Verkehrsmittel sind zu Silvester kostenlos
  • Franzosen hupen zu Silvester
  • Es gibt in Frankreich zu Silvester keine Knaller und Raketen zu kaufen, denn dies ist offiziell verboten, die Straßen sind am nächsten Tag alle sauber. Nur einige Ausländer zünden ihre mitgebrachten Knaller an. Am Eiffelturm gibt es ein offizielles Feuerwerk.
  • selbst an Feiertagen haben die meisten Geschäfte geöffnet (außer staatliche Einrichtungen wie die Post oder Banken). Carrefour hat jedoch geschlossen, aber Franprix hatte auch sonntags offen
  • Franzosen kennen keinen Adventskranz und haben keinen Nikolaustag. Sie finden es komisch, dass man etwas in die Schuhe steckt. Sie finden, dass Adventskalender nur für Kinder sind. Franzosen backen keine Plätzchen. In Frankreich gibt es keine Lebkuchen, aber dafür gibt es ein Weihnachtsbier (bière de Noel)
  • das beliebteste Essen zu Weihnachten ist die foie gras (Leberpastete)
  • Franzosen feiern Ostern nicht so ausgiebig wie die Deutschen. Eier auszublasen, anzumalen und die Wohnung zu dekorieren, ist ihnen fremd.
  • der französische Nationalfeiertag am 14.Juli wird dagegen sehr ausgiebig zelebriert (z.B. Feuerwerk am Eiffelturm oder Parade auf den Champs-Élysées)

Das Leben in Frankreich

  • man kommt nur in die U-Bahn, wenn man durch eine Drehtür oder eine andere Tür läuft (in diese Vorrichtung muss man sein gültiges Ticket stecken und die Drehtür öffnet sich nur, wenn das Ticket gültig ist); Viele Franzosen klettern über diese Drehtüren
  • Manche Stationen haben an den Gleisen Türen, die erst aufgehen, wenn die U-Bahn eingefahren ist. Dies habe ich aber nicht oft gesehen.
  • irgendeine Einrichtung streikt in Frankreich immer: entweder die öffentlichen Verkehrsmittel, die Museen oder die Lehrer (Streikland!!!)
  • das mit den Froschschenkeln ist nur ein Klischee
  • viele der U-Bahn-Stationen sind schlecht für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer geeignet. Es gibt weite Wege, keine Rolltreppen und keinen Fahrstuhl. Generell sind die Wege von einer U-Bahn Linie zur nächsten extrem lang (die RATP will in den nächsten Jahren die meisten U-Bahnhöfe sanieren)
  • die U-Bahn in Paris ist sehr eng
  • Franzosen lieben Baguette
  • der TGV ist in Frankreich generell reservierungspflichtig, man kann nicht wie in Deutschland einfach so ohne Reservierung ICE fahren (trotzdem wird es von einigen Franzosen so gemacht)
  • in Frankreich wird kostenlos zum Essen Baguette reserviert (oft gibt es sogar eine kostenlose Wasserflasche mit dazu)
  • aus den französischen Wasserhähnen kommt Chlorwasser (auch in der Kantine gibt es nur Chlorwasser zu trinken). Aber: Im Hotel in Grenoble und in Lyon gab es kein Chlorwasser
  • in Paris laufen die Menschen auch bei rot über die Ampel (es scheint das Normalste auf der Welt zu sein)
  • In Frankreich gibt es Fußgängerüberwege und Ampeln in Kombination. Gibt es nur Fußgängerüberwege ohne Ampeln und wartet man, um die Straße zu überqueren, so halten die Autos NICHT an. Fußgänger haben keinen Respekt vor roten Ampeln und Autofahrer haben keinen Respekt vor Fußgängerüberwegen
  • manche Autobahnstrecken haben eine Mautpflicht. (péage) Man kommt nicht herum, diese zu zahlen, denn es kommt eine „Grenze“ mit Kassenhäuschen, an denen man zunächst ein Ticket ziehen muss und am Ende der Strecke kommen erneut Häuschen, an denen man dann zahlen muss
  • die Mülltrennung sehr komisch: Plastik und Papier zusammen in die blaue Tonne, die grüne Tonne ist für Glas und die braune Tonne für alles andere. Es gibt hier keinen Flaschenpfand. Zu Beginn habe ich wochenlang Flaschen gesammelt. Nachdem ich mich später darüber erkundigt hatte, schmiss die Flaschen dann weg.
  • alles ist sehr sehr teuer (viel teurer als in Deutschland)
  • In der Pariser U-Bahn sind an den Bahnsteigen auf dem Fußboden Markierungen angebracht, die zeigen, wo die Türen aufgehen, wenn die U-Bahn hält (das wünsche ich mir für München auch)

Menschen in Frankreich

  • in Frankreich gibt es extrem wenig blonde Menschen
  • Franzosen finden, dass es in Frankreich zu viele Araber gibt (und Deutsche finden, dass es in Deutschland zu viele Türken gibt)
  • Paris ist komplett menschen- bzw. touristenüberfüllt (überall sind Bettler, oft auch die rumänische Bettlermafia)
  • Franzosen parken ihre Autos sehr nah aneinander ohne große Lücke. In Toulouse habe ich ein Auto gesehen, das ein anderes Auto richtig gerammt hat beim Einparken. In Deutschland hätte man sofort die Polizei gerufen, in Frankreich dagegen nicht.
  • es gibt viele dunkelhäutige Menschen (wg. ehemaligen französischen Kolonien)
  • sehr lange Warteschlangen in Kaufhäusern, man muss überall Ewigkeiten warten (bei der Post, bei Aldi, überall). Man hat den Eindruck, die Verkäufer schlafen ein, während sie die Artikel übers Band ziehen. Das ist hier der Normalfall.
  • ohne Visa-Karte kann man hier nicht überleben (man kann nicht mit der normalen EC Karte zahlen)
  • die Kindererziehung ist die absolute Katastrophe. Erst lassen die Eltern ihre Kinder machen, was sie wollen und sagen NICHTS (laissez-faire). Aber dann, ohne Ankündigung, bekommen die Kinder entweder einen Schlag auf den Hintern oder auf den Hinterkopf. (mehrfach beobachtet) –> diese Erziehung spiegelt sich auch im Verhalten der Schüler der Lehrer gegenüber wider= absolute Respektlosigkeit
  • Daher wundert es mich auch nicht, weshalb so viele Menschen bei Demonstrationen sinnlos und aus Langeweile Autos anzünden. Sie sind wütend auf den Staat bzw. Sarkozy, aber sie zerstören gegenseitig ihre Autos, Läden und Häuser. Das ist wirklich überflüssig.
  • die Polizei ist auch auf Inline Skatern, Fahrrädern, Segways und Pferden unterwegs
  • im großen Einkaufsladen Carrefour sind manche Verkäufer auch auf Inlinern unterwegs
  • Franzosen finden es süß, wenn ein Deutscher mit deutschem Akzent Französisch spricht (in Deutschland dagegen findet man Franzosen süß, die mit ihrem Akzent Deutsch sprechen)
  • In dem RER auf dem Weg zum Flughafen spielen oft Musikanten, die danach Geld haben wollen. Oder es laufen Bettler umher, die erst rumschreien und dann Geld haben wollen. Oder es laufen Bettler umher, legen Zettel auf jeden Sitz, kommen danach zurück und wollen Geld erbetteln und sammeln die Zettel wieder ein. Manchmal legen Leute auch irgendwelche Krempelprodukte auf den Sitz, kommen dann wieder und wollen Geld gegen Produkt oder sammeln das Schrottprodukt wieder ein
  • Im RER (S-Bahn) braucht man immer beim rein- und rausgehen sein Ticket. Bei der Métro (U-Bahn) braucht man dies nur beim reingehen
  • Mein Erlebnis im RER, nachdem ich M früh zum Flughafen gebracht habe: Ich war im RER, es war so früh, dass es noch dunkel war. Vier Asiaten saßen mit mir im Zug, sie kamen gerade auch vom Flughafen. Plötzlich kamen an einer Haltestelle zwei Jugendliche mit Kapuze und wollten den Rucksack des Asiaten stehlen – vor den Augen aller anderen Menschen. Der Asiat hat seinen Rucksack sehr doll festgehalten, aber das schreckte die Täter nicht ab. Ein Täter zog so fest am Rucksack, dass der Asiat mit voller Wucht aus der Zugtür auf den Boden fiel. Als er wehrlos am Boden lag, zog der Täter den Rucksack ab und rannte weg. Der Asiat stieg wieder ein, setze sich auf seinen Platz und der Zug fuhr weiter. Der Asiat tat so, als wäre nie etwas gewesen und die anderen Fahrgäste haben auch nichts gemacht. Ich saß auch zu weit weg und habe den Anfang des Raubs nicht mitbekommen. Ich war den ganzen Tag schockiert darüber, wie die Jugendlichen den Asiaten auf den Boden gezogen und ihm den Rucksack auf brutalste Weise geklaut haben
  • an der Sacré Coeur sind viele Araber und Dunkelhäutige, die einem Armbänder um die Arme binden und anschließend dafür Geld haben wollen. Sie sind sehr sehr aufdringlich und können einen wirklich belästigen.
  • Am Eiffelturm sind viele Dunkelhäutige, die Eiffeltürme für einen Euro verkaufen wollen, diese sind zum Teil auch sehr aufdringlich. Und wenn die Polizei kommt, rennen alle weg.
  • Ich wurde zweimal bis nach Hause verfolgt
  • Ich werde jedes Mal, wenn ich nach Paris oder Asnières fahre, angemacht und nach meiner Handynummer gefragt. Das ist richtig heftig. Das sind keine Einzelfälle, sondern das passiert so gut wie jeden Tag. (Zur Erinnerung: In Paris gibt es viele Araber und wenig blonde Frauen. Ich war dort ein Exot.)
  • in Paris liegt die Scheidungsrate bei 60%. Von wegen Stadt der Liebe
  • Typisch Französisch: Viel sagen und am Ende doch nichts machen. Ich wurde oft enttäuscht.

Erst im Ausland habe ich gesehen, dass viele deutsche Angewohnheiten keine Selbstverständlichkeit sind: Fleiß, Disziplin, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit etc. lernte ich erst im Ausland zu schätzen und vermisste es dort, weil die Franzosen einfach anders sind.

Mein Fazit: Lohnt sich ein Auslandssemester als Fremdsprachenassistent in Frankreich?

Im Großen und Ganzen hatte ich eine sehr schöne Zeit in Frankreich, auch wenn es nicht immer einfach war. Dass ich mich nicht um eine Unterkunft kümmern musste und diese direkt auf dem Schulgelände war, hat mir vieles erleichtert. Ebenso positiv waren die Nähe zu Paris und die Tatsache, dass Asnières an das Pariser Verkehrsnetz gebunden ist.

Ich habe so viele positive und negative Erfahrungen an beiden Schulen gesammelt, sodass ich mich bereit fühle, in Deutschland Lehrerin zu werden. Selbst die französischen Problemschüler sehe ich teilweise als Vorteil, da ich mich gut auf den „Härtefall“ in Deutschland vorbereiten konnte und ich keine Illusionen mehr über den Lehrerberuf habe. Während meiner Arbeit mit den Schülern habe ich gelernt, noch strenger und konsequenter zu sein.

Erst in Frankreich habe ich begonnen, mein eigenes Land zu lieben, denn oft sieht man das Gute in einer Sache erst, wenn man auf diese verzichten muss.

Da ich keine Miete zahlen musste, blieb mir am Ende des Monats sehr viel Geld übrig, um durch Frankreich zu reisen und Paris zu besichtigen. Diese optimalen Bedingungen führten zu einem enormen Zuwachs meines landeskundlichen Wissens. Auch konnte ich meine Sprachkenntnisse verbessern und ausbauen, wobei ich mir gewünscht hätte, noch mehr Anlässe gehabt zu haben, um Französisch zu sprechen. Wenn man für sich selbst dem Anspruch gerecht werden möchte, große sprachliche Fortschritte zu erreichen, reicht der Job als Fremdsprachenassistent/in bei Weitem nicht aus. Ein Sprachkurs oder andere Möglichkeiten, Französisch zu lernen, sind hier unumgänglich.

Leider hatte ich bis Ende März, als mir Erik sein Passwort gab, keine Internetverbindung in meiner Unterkunft. Deshalb war ich oft deprimiert und fühlte mich sehr einsam. Da ich auch keinen Fernseher hatte, waren meine Abende sehr monoton und bestanden darin, den Unterricht vorzubereiten, Fotos zu bearbeiten oder Fotoalben zu erstellen. Auch wenn es ohne Internet und die Probleme an den Schulen nicht immer einfach war, haben mir meine Euphorie, immer wieder etwas Neues kennenzulernen, sowie die Hilfsbereitschaft der Lehrer dabei geholfen, diese frustrierten Momente gut zu überstehen.

Außerdem hat sich mein Blick auf ausländische Mitbürger verändert, denn nun kenne ich das Gefühl, als Ausländerin in einem mir unvertrauten Land zu leben und weiß, wie es ist, sich fremd zu fühlen. Als ich nach fünf Monaten das erste Mal in Deutschland zu Besuch war, fühlte ich mich dort zunächst fremd, denn es erschien mir alles neu und unvertraut, obwohl dies nicht der Fall war. Es fiel mir anfänglich sehr schwer, mich in meiner eigentlichen Heimat wieder wohlzufühlen. In dieser Zeit war mir Paris/Asnières viel vertrauter als meine eigene Heimatstadt in Deutschland.

Es fällt mir nicht leicht, zurück in meinem alten „neuen“ Leben zu sein. Ich vermisse Paris, meine Lehrer und meine Schüler wirklich sehr. Ich bereue es nicht, diesen Schritt gegangen zu sein und bin dankbar für alles, was ich in der Zeit erleben durfte. Deshalb lege ich jedem an Herz, der die Möglichkeit dazu hat, auch ins Ausland zu gehen, um den eigenen Horizont zu erweitern und Erfahrungen sammeln zu können.

À bientôt, Paris! 

Mit Erik, dem englischsprachigen Fremdsprachenassistenen aus Kanada, bin ich auch 2021 noch befreundet. Wir stehen weiterhin im engen Kontakt.