Unsere Reiseroute durch Nordindien (Rajasthan und Uttar Pradesh)

Nachdem wir Delhi erkundet hatten, führte uns unsere Rundreise weiter in das vier Stunden entfernte Agra, wo wir den Taj Mahal besichtigen wollten. Unsere gesamte Route durch Nordindien kann man <hier> nachverfolgen.

Unser Hotel in Agra: Das Chrystal Sarovar

Nur drei Kilometer vom Mausoleum entfernt lag unser 5-Sterne-Hotel, das Chrystal Sarovar. Dort bezogen wir ein Zimmer im 5. Stock und genossen den herrlichen Blick auf den Taj Mahal. Es fühlte sich schon ein wenig seltsam an, aus dem Zimmer unserer Luxusunterkunft nach unten auf die arme Stadt und deren Bewohner zu blicken.

Auf dem Hoteldach befanden sich übrigens eine Rooftop-Bar sowie ein Pool, die wir beide aufgrund von Zeitmangel nicht in Anspruch nehmen konnten. Resümierend können wir dieses Hotel wegen der Sauberkeit des Zimmers und der Freundlichkeit der Angestellten uneingeschränkt weiterempfehlen.

Besuch des Roten Forts in Agra

Um den Spannungsbogen noch ein wenig aufzubauen, besuchten wir in Agra nicht sofort das Highlight, den Taj Mahal, sondern zunächst das Rote Fort. Als Agra bis zum Jahr 1638 die Hauptstadt des Mogulreiches war, galt das Rote Fort als Hauptresidenz der Mogulherrscher. König Akbar, der Opa von Shah Jahan, lebte während seiner Regierungszeit von 1556–1605 n. Chr. in dem Palast. Später wurde die Macht auf Shah Jahans Vater, Jahangir, übertragen, bis Shah Jahan schließlich selbst zum Mogulherrscher gekrönt wurde. Shah Jahan ist jener, der für seine verstorbene Frau, Mumtaz Mahal, den Taj Mahal als Grabstätte errichten ließ. Seit dem Jahr 1983 zählt das Rote Fort zum Weltkulturerbe der UNESCO.


Unsere Tipps für den Besuch des Taj Mahal in Agra – inkl. privates Fotoshooting

Die beste Besuchszeit für den Taj Mahal

Die Hauptreisezeit für Indien liegt zwischen Dezember und März. Wer den Touristenansturm entgehen möchte, sollte seinen Besuch aber eher auf Ende März bzw. Anfang April legen, wie wir es auch machten.

Bezüglich der richtigen Uhrzeit gibt es keinen perfekten Zeitpunkt. So kann es morgens bei Sonnenaufgang extrem voll werden, aber tagsüber und am Abend bei Sonnenuntergang ganz genauso. Viel entscheidender ist aber das Wetter: Der Taj Mahal kann tagelang im Dunst versunken sein, sodass die Tageszeit oder die Jahreszeit keine Rolle spielt. Wir selbst besichtigten das Mausoleum vom Nachmittag bis zum Sonnenuntergang gegen 18:40 Uhr und hatten extremes Glück, weil über uns der Himmel so schön blau erstrahlte. Am darauffolgenden Tag konnten wir das Grabmal aufgrund des Smogs von unserem Hotelzimmer aus nicht mehr sehen. Das Wetter bzw. der Dunst ist einfach unberechenbar, sodass man großes Glück haben muss.

Eintritt und Anstehen in vier verschiedenen Reihen

Am Taj Mahal angekommen, fielen uns zunächst die vier unterschiedlichen Schlangen auf, an denen man sich anstellen musste: Eine Reihe war für indische Frauen, eine weitere für indische Männer, eine andere für ausländische Frauen und die vierte für ausländische Männer reserviert. Während die Inder bereits stundenlang in der Hitze ausharrten, konnten wir einfach durchmarschieren, ohne langes Anstehen. Natürlich freuten wir uns über den direkten Einlass, aber gleichzeitig hatten wir ein schlechtes Gewissen dabei, zu etwas Besserem gemacht zu werden, was wir nicht sein wollten. Und auch die Tatsache, dass Inder nur 245 Rupien (2,75 €) bezahlen mussten, während von uns Ausländern 1250 Rupien (14,00 €) verlangt wurden, machte die Sache auch nicht besser. Allerdings war es für die Inder möglich, sich ebenfalls in die besser gestellten “Ausländer-Schlangen” einzureihen – vorausgesetzt sie zahlten auch den entsprechenden Preis dafür. Für alle Kinder und Jugendlichen bis 15 Jahren war der Eintritt übrigens frei, ganz unabhängig von ihrer Nationalität.

Kleidervorschriften am Taj Mahal

Da es sich bei dem Taj Mahal nicht um ein Gotteshaus handelt, gibt es auch keine Kleidervorschriften. D.h., dass sich Frauen nicht in Abayas oder Kopftücher hüllen und Männer auch nicht ihre Beine abdecken müssen, wie es in Moscheen oder Tempeln praktiziert wird. Auch die Schuhe muss man hier nicht ausziehen. Man kann also anziehen, was man möchte. Allerdings sollte man die in Indien vorherrschenden Religionen – Hinduismus und Islam – respektieren und sich grundsätzlich nicht zu freizügig durch das Land bewegen.

Über die einmalige Liebesgeschichte des Taj Mahal

Es war einmal der dritte Sohn eines indischen Großmoguls, der bereits im Alter von 22 Jahren drei Frauen an seiner Seite hatte. Zwei davon suchten seine Eltern für ihn aus, für die er jedoch keine intensiveren Gefühle entwickelte. Dann lernte Shah Jahan, der Sohn, die damals 16-Jährige Mumtaz Mahal kennen, in die er sich unsterblich verliebte. Sie kamen zusammen und brachten in ihrer 18 Jahre langen Beziehung 13 Kinder zur Welt. Aber das Glück sollte nicht von ewiger Dauer sein, denn als Mumtaz Mahal mit dem 14. gemeinsamen Kind schwanger war, verstarb sie plötzlich. Shah Jahan, der seine Frau bis ins Unendliche liebte, war über diesen Verlust so traurig, dass er als Hommage an die Verstorbene den Taj Mahal als ihre letzte Ruhestätte errichten ließ. Die Gräber von Mumtaz Mahal und Shah Jahan befinden sich auch heute noch im Inneren des Mausoleums.

Doch Shah Jahan war zu Lebzeiten nicht immer so loyal wie zu seiner Frau. So ließ er nämlich seinen Vater einsperren, um selbst König zu werden.

Näheres zum Taj Mahal: Marmor, überall Marmor

Das 68 Meter hohe, 57 Meter lange und 57 Meter breite Grabmal wurde 1631 am Südufer des Flusses Yamuna für Shah Jahans große Liebe, Mumtaz Mahal, errichtet. Für dieses Mausoleum wurde weißer Marmor aus Rajasthan verwendet; er sei laut unserem Guide der härteste Marmor der Welt. Als die Sonne auf den Taj Mahal schien, erstrahlte der weiße Marmor so hell, als hätte er geleuchtet. Je nach Sonneneinstrahlung erschien er manchmal weißer, manchmal gelblicher oder manchmal auch etwas gräulicher.

Alle Blumenverzierungen und Muster im und an dem Gebäude wurden übrigens nicht aufgemalt, sondern in feinster Handarbeit aus anderen Steinen in den Marmor eingearbeitet. Wie dieses filigrane Handwerk funktioniert, ließen wir uns später in der Marmor-Manufaktur “Marble Cottage” zeigen.

Im Übrigen wurde im Jahre 1983 nicht nur das Rote Fort in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen, sondern auch der Taj Mahal.

Unser privates Fotoshooting am Taj Mahal – Ein Erfahrungsbericht

Kurz nach dem Einlass kam unser Guide mit einem jungen Mann ins Gespräch, der uns ein privates Fotoshooting anbot. Es erweckte den Anschein, als wären sich die beiden nicht fremd gewesen. Vermutlich vermittelt der Touristenführer dem Fotografen des Öfteren Pärchen und erhält dafür vielleicht noch eine Provision. Für den heruntergehandelten Preis von 4500 Rupien (50,50 €) ließen wir uns also auf das Shooting ein und bereuten es nicht. So hatten nämlich alle autorisierten Fotografen die Berechtigung, mit ihren “Kunden” auch abgesperrte Bereiche zu betreten, zu denen man als gewöhnlicher Besucher keinen Zutritt hatte. An der berühmten Marmorbank, auf der einst Lady Diana oder William und Kate saßen, herrschte so ein großer Andrang, dass wir dort eigentlich Ewigkeiten in der Warteschlange hätten anstehen müssen. Die Fotografen hatten jedoch die offizielle Erlaubnis, sich vorzudrängeln und alle anderen aus den Bildern “zu verscheuchen”. Ein Inder, der schon über eine Stunde in der Schlange ausharren musste, war über diese Vorgehensweise so empört, dass er seinem Ärger freien Lauf ließ. Normalerweise sind Inder dafür bekannt, dass sie ihre Gefühle nicht nach außen kehren. Daran erkannte man, wie wütend er tatsächlich gewesen sein muss. Wir selbst hatten dabei ein sehr schlechtes Gewissen, weil sich hier einmal mehr die Probleme der Zweiklassengesellschaft offenbarten. Die Inder, die erst stundenlang bei großer Hitze am Einlass hatten warten müssen und die später dann auch noch an Lady Dianas Marmorbank sehr viel Geduld mitbringen mussten, taten uns schon ein wenig leid.

Nachdem die Fotos im Kasten gewesen waren, verabschiedeten wir uns von dem unbekannten Fotografen. Ein paar Stunden später trafen wir am Ausgang auf seinen angeblichen Bruder, der uns einen USB-Stick mit 90 persönlichen Fotos und weiteren Bildern vom Taj Mahal überreichte. Erst zu diesem Zeitpunkt mussten wir die heruntergehandelten 4500 Rupien in bar bezahlen. Als Beweis, dass sich auf dem USB-Stick tatsächlich unsere Fotos befanden, schloss er diesen mit einem Adapter an sein Smartphone an und zeigte uns diese kurz.

Der M & M Footprints Pärchentipp
Immer nur Pärchen-Selfies zu machen oder andere Touristen um ein Foto bitten zu müssen, kann ganz schön nervig sein. Beim Taj Mahal bieten daher autorisierte Fotografen ihre Dienste für Pärchen- oder Familienshootings an. Sie dürfen mit den Shooting-Paaren auch Bereiche betreten, zu denen man als normaler Tourist keinen Zugang hat. Und bei beliebten Fotospots, wie beispielsweise bei der berühmten Lady-Diana-Bank, dürfen sie die Warteschlange überspringen.


Besuch der Marmor-Manufaktur “Marble Cottage” in Agra

Nach dem eindrucksvollen Besuch des Taj Mahal brachte uns unser Fahrer zur Marmor-Manufaktur “Marble Cottage”, in der uns gezeigt werden sollte, wie die kleinen Stein-Verzierungen in den Marmor eingearbeitet werden. In dieser Fabrik trafen wir zunächst auf ein paar Arbeiter, die die winzigen Steinchen schliffen und in ihre richtige Form brachten. Natürlich konnte es sich M nicht nehmen lassen, selbst diese filigrane, anstrengende Arbeit selbst einmal auszuprobieren.

Im Anschluss daran wurden wir in den Laden geführt, wo uns ein Bier serviert wurde und die private Verkaufsveranstaltung begann. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass uns die Fliesen, Teller, Platten, Vasen und Elefanten aus Marmor mit all ihren Ornamenten sehr gut gefielen. Allerdings erschienen uns die Preise dafür nicht sehr günstig, wobei sich diese nach der Anzahl der eingearbeiteten Steine richteten. Am Ende verließen wir die Marmorfabrik ohne Souvenir, aber mit dem Wissen über die anstrengende Handarbeit. Außerdem brachten wir noch in Erfahrung, dass die roten Steine, die in den Marmor eingearbeitet werden, im Sonnenlicht besonders hell leuchten, als würden sie wie Feuer glühen.

Unsere Restaurant-Empfehlung: Das Restaurant Bon Barbecue in Agra

Wer in Agra besonders großen Hunger verspürt, der sollte unbedingt der “All you can eat-Zeremonie” im Restaurant Bon Barbecue beiwohnen. Auf jedem einzelnen Tisch befand sich ein Holzkohlegrill, auf dem man die verteilten Köstlichkeiten selbst brutzeln konnte. Dabei wurden die Hähnchen- und Ananasspieße, der Käse, die Pommes Frites und das Gemüse nur als Vorspeise serviert. Die Hauptspeise wurde in Form eines großen Büfetts aufgetischt. Als Dessert standen verschiedene Eis- und Kuchenvariationen zur Auswahl. Und wer sich für die Abläufe hinter den Kulissen interessierte, der konnte den Köchen beim offenen Show-Kochen über die Schultern schauen.

Wir möchten an dieser Stelle an unsere Leser appellieren, nur so viel Essen auszuwählen, wie man tatsächlich auch verspeisen möchte. Zwei Frauen am Nachbartisch ließen sich nämlich den gesamten Tisch vollstellen, posierten dann damit für ein paar Fotos, stocherten auf jedem Teller ein bisschen herum und ließen dann ca. 80% wieder mit zurück in die Küche gehen. Gerade in Agra, wo so viele arme Menschen wohnen und täglich hungern müssen, war dieses Verhalten der beiden Iranerinnen (oder Libanesinnen) blanker Hohn und die reinste Verschwendung.

Kritische Worte zu Agra und zum Taj Mahal: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Es steht außer Frage, dass der Taj Mahal weltweit zu den Gebäuden gehört, die uns vollkommen in ihren Bann gezogen haben. Das schafften bisher weder das Empire State Building in New York noch der Burj Khalifa in Dubai.

Trotz der Magie dieses Ortes und seiner herzzerreißenden Geschichte müssen wir an dieser Stelle aber auch unsere kritischen Gedanken äußern, die für uns nicht mehr wegzudenken sind.

Der Ort Agra: Zwischen Armut und Reichtum

Offensichtliche Armut, unzählig viel Müll und scheinbar allerhand unfertige, unverputzte Häuser – all das bekommt man in der Millionenstadt Agra zu Gesicht. Und mittendrin ragt majestätisch der aus weißem Marmor erbaute Taj Mahal empor. Dabei wirkt das Mausoleum schon ein wenig deplatziert an diesem sonst so tristen Ort. Und man fragt sich, warum die Einheimischen nicht auch von dem jährlichen Besucherandrang profitieren oder weshalb der Eigentümer des Taj Mahal (die indische Regierung??) nicht zum wirtschaftlichen Aufschwung Agras beiträgt. Abgesehen von ein paar Hotels und wenigen Restaurants scheint nur ein geringer Teil der Einwohner Agras einen Nutzen aus dem Tourismus zu ziehen. Man hat schon fast den Eindruck, dass sich die Stadt und ihr berühmtes Bauwerk deutlich voneinander abgrenzen und nichts miteinander zu tun haben wollen. Das finden wir äußerst schade.

Und doch wäre es so einfach, einen Bruchteil der Eintrittsgelder in den Ort und die Gemeinschaft fließen zu lassen. Denn laut der offiziellen Homepage der indischen Regierung zieht der Taj Mahal jährlich zwischen sieben und acht Millionen Touristen in seinen Bann, darunter befinden sich jedoch nur 0,8 Millionen ausländische Besucher (Stand: Mai 2021). Während indische Staatsangehörige nur 245 Rupien (2,75 €) Eintritt bezahlen müssen, sind es für Ausländer 1250 Rupien (14 €) pro Person. Wenn man das aber hochrechnet, können dabei pro Jahr Einnahmen von bis zu 30 Millionen Euro generiert werden. Und dann kann uns niemand erzählen, dass das gesamte Geld in die Erhaltung und Restaurierung des Mausoleums fließen würde.

Indiens fragwürdiger Versuch, den Massentourismus am Taj Mahal einzudämmen

Wie man es von anderen Sehenswürdigkeiten kennt, ist der Massentourismus der Hauptgrund für die Abnutzung dieser schönen Orte. Zur Regulierung des großen Menschenandrangs hatte die Regierung deshalb bereits 2018 beschlossen, die Eintrittsgelder zu erhöhen und die Besucherzahl nur für die Einheimischen auf 40.000 Inder pro Tag zu limitieren. Dadurch erhoffte man sich einen täglichen Touristenrückgang von ca. 20%. Wenn man ausländischen Reisenden den vollumfänglichen Zutritt zum Taj Mahal gewährt, aber gleichzeitig die Einheimischen “aussperrt”, dann ist das prinzipiell – aus unserer Sicht – ein Verrat am eigenen Volk. Dass 89% der jährlichen Besucher Inder sind, spielt dabei keine Rolle. Für uns geht es hier ums Prinzip. Denn schließlich können wir Deutsche es uns ja auch nicht vorstellen, im Schloss Neuschwanstein oder im Berliner Reichstag abgewiesen zu werden, während ausländischen Touristen uneingeschränkt der Eintritt gewährt wird.


Links:

Erfahrungen mit Mocca Travels

Wir waren mit der Reiseagentur Mocca Travels unterwegs, die es inzwischen leider nicht mehr gibt.