Die “blaue Stadt” Jodhpur ist die zweitgrößte Stadt im Bundesstaat Rajasthan. Mit ihren zahlreichen Palästen, Festungen und Tempeln zieht sie jährlich viele Touristen aus aller Welt in ihren Bann. Aufgrund ihrer Lage inmitten der trockenen Thar-Wüste können hier im April auch mal Tagestemperaturen von über 45°C herrschen. Damit sei Jodhpur, laut unserem privaten Fahrer, einer der heißesten Orte in ganz Rajasthan. Die Luftfeuchtigkeit ist dann allerdings so gering, dass man trotz der großen Hitze nicht schwitzt.

Wegen der geringen Entfernung – nur 250 Kilometer – zur pakistanischen Grenze stellt Jodhpur eine wichtige Militärbasis dar. Hier sind die indische Armee, die indische Luftwaffe sowie die Border Security Force stationiert.

Außerdem lässt die Endung “-pur” in “Jodhpur” darauf schließen, dass die Stadt hinduistisch geprägt ist. Indische Städte, die auf -“abad” enden, stehen dagegen unter muslimischem Einfluss.

Die Anreise nach und die Fortbewegung in Jodhpur

Die Anreise nach Jodhpur

Jodhpur ist ein beliebtes Ziel für alle, die eine Rundreise durch Rajasthan planen. Wir selbst wurden von unserem privaten Fahrer mit dem Auto zwei Wochen lang  umherchauffiert und mussten uns um nichts kümmern. Wer es kostengünstiger haben möchte, hat folgende Anreise-Optionen nach Jodhpur:

  • Die Luxus- und Expressbuslinien von Rajasthan Roadways verbinden Jodhpur unter anderem mit Delhi, Bangalore, Chennai, Jaipur, Udaipur und Jaisalmer. Es empfiehlt sich, sein Ticket schon vorab online zu buchen. 
  • Die Zuglinien der North Western Railways verbinden den Bahnhof in Jodhpur unter anderem mit Delhi, Mumbai, Chennai, Kota, Varanasi und Jaipur. Um den Hauptbahnhof von Jodhpur zu entlasten, gibt es noch einen zweiten Hauptbahnhof in dem Vorort Bhagat ki Kothi (BGKT).
  • Es gibt auch noch die Luxuszüge Palace on Wheels, Royal Rajasthan on Wheels und den Maharaja Express, die alle in Jodhpur halten. Diese werden gemeinsam von der Rajasthan Tourism Development Corporation und Indian Railways betrieben.
  • Der Flughafen Jodhpur bietet täglich Inlandsflüge nach Delhi, Mumbai und Ahmedabad an.

Die Fortbewegung in Jodhpur

Wer innerhalb des Ortes nicht mit einem privaten Fahrer unterwegs ist und sich auch kein Taxi nehmen möchte, der kann auch auf die öffentlichen Busse (Bus Rapid Transit System= BRTS) zurückgreifen. Für die Gassen in der Altstadt bieten sich auch Tuk-Tuks an. Wir selbst legten auch eine Strecke mit der Pferdekutsche zurück. Um am Ende keine bösen Überraschungen zu erleben, sollte man die Preise für die Taxi-, Tuk-Tuk- und Pferdekutschfahrten schon vorher vereinbaren. Zum jetzigen Zeitpunkt (2021) besitzt Jodhpur keine U-Bahn, allerdings gibt es Pläne, die den Ausbau einer 35 Kilometer langen Metrolinie bis zum Jahr 2030 vorsehen.

Wie in allen indischen Großstädten geht es auch auf den Straßen in Jodhpur recht chaotisch zu, wie man in den folgenden selbstgedrehten Videos sehen kann.

Unser Hotel in Jodhpur: Das Ratan Vilas

Auch in Jodhpur übernachteten wir in einem ehemaligen Palast einer indischen Königsfamilie. Das heute als Hotel genutzte Gebäude gehörte einst dem Maharaja Ratan Singh, einem Rajput-Adeligen aus Jodhpur. Sein Urenkel, Brijraj Singh, wohnt auch heute noch mit dessen Frau, Namrata Singh, in einem Teil des Palastes. Beide fungieren gleichzeitig auch als Gastgeber und Hotelbetreiber. Durch die gerade einmal 20 vorhandenen Gästezimmer herrschte im “Ratan Vilas” eine sehr warme, familiäre Atmosphäre. Die Angestellten waren jederzeit so herzlich, zuvorkommend und aufmerksam, dass uns sogar die Abreise sehr schwerfiel.

Leider kommt auf den Fotos nicht ganz herüber, wie toll es in diesem Resort tatsächlich war. Wir konnten unsere Zeit draußen in unserem privaten Sitzbereich, im Pool oder beim romantischen Candle-Light-Dinner genießen. Während des Abendessens spielten einheimische Musiker ihre traditionellen Lieder auf verschiedenen indischen Instrumenten vor, beispielsweise auf einer Ravanahatha oder einer Pungi.

Unser Sightseeing-Tipp für Jodhpur

In Jodhpur kann es mitunter so extrem heiß werden, dass das Sightseeing schnell mal keinen Spaß mehr machen kann. Das merkte uns auch unser privater Guide an, der uns durch Jodhpur führen sollte. Also teilte er spontan die Tour in zwei Abschnitte ein:

1. Wir empfehlen daher allen, schon morgens zeitig aufzubrechen, gegen 8:00 Uhr.

Um die Mittagszeit könnte man zurück zum Hotel fahren, dort das Mittagessen einnehmen und sich im Pool abkühlen.

2. Erst am Nachmittag (gegen 17:00 Uhr), wenn es nicht mehr ganz so heiß ist, könnte man mit der zweiten Sightseeing-Tour des Tages beginnen.

Die schönsten und wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Jodhpur

Blaue Häuser in der blauen Stadt Jodhpur

Jodhpur ist bei Einheimischen und Touristen als “die Stadt der blauen Häuser” bekannt. Dass die Einwohner ihr Zuhause damals in dieser Farbe anstrichen, hatte aber keine ästhetischen Gründe, sondern diente eher der “Markierung”. So durften vor langer Zeit nur die Menschen aus der 1. Kaste (Brahma) ihre Häuser blau anmalen, darunter Lehrer, Priester und Gelehrte. Dadurch konnten alle anderen Stadtbewohner dank der blauen Farbe schnell herausfinden, wo sie bei Bedarf geistlichen Beistand oder Hilfe in Bildungsfragen erhalten konnten. Ein weiterer positiver Effekt sei laut unserem Guide auch, dass die blaue Farbe Moskitos fernhalte. Heutzutage darf übrigens jeder in Jodhpur sein Haus blau anstreichen, ganz unabhängig von seiner zugehörigen Kaste.

Die Meherangarh-Festung mit dem Museum

125 Meter über der “blauen Stadt” Jodhpur thront die Meherangarh-Festung auf einem felsigen Hügel. Als eines der größten Forts in ganz Indien beherbergt es unter anderem ein Museum über das indische Leben. Hier können sich Besucher aus aller Welt unter anderem königliche Elefanten-Howdahs (Holzsitze für Könige, die auf Elefanten ritten), Sänfte (Gestelle zur Personenbeförderung) und eine Babywiegen-Sammlung anschauen. Außerdem kann man in der Waffenkammer die Gewehre aus mehreren Epochen begutachten. In der Turban-Galerie werden alle möglichen Kopfbedeckungen aus Rajasthan ausgestellt. Zudem gibt es noch eine Kunstgalerie, in der die indische Miniaturmalerei vorgestellt wird. Um diese filigranen Gemälde zu erschaffen, benötigt man feinste Pinsel aus weichen Eichhörnchen-Haaren. Dabei werden die Haare aus dem Eichhörnchenschwanz an einer Vogelfeder befestigt.

Im Übrigen kommt man in den einzelnen Räumen der Festung noch in den Genuss der typisch indischen Innenarchitektur mit ihren bunten Spiegeln, Glasfenstern und Lackbildern.

Das Kenotaph Jaswant Thada

Der Kenotaph Jaswant Thada ist ein leeres Scheingrab aus Marmor, das sich in der Nähe der Meherangarh-Festung befindet. Diesen sogenannten “Taj Mahal of Marwar” ließ der Maharaja Sardar Singh (1895-1911) für seinen Vater, den Maharaja Jaswant Singh von Jodhpur (1873-1895), errichten. In der Haupthalle des Tempels werden heute noch Rituale (Puja) abgehalten.

Der Glockenturm von Rajasthan: Ghanta Ghar

Der Ghanta Ghar ist ein Glockenturm in Jodhpur, der dem umliegenden Markt seinen Namen gab.

Der Mandore Garden mit Chhatris und Tempel

Der Mandore-Garten beherbergt unter anderem eine lange Marmormauer mit Figuren, Helden und Göttern aus dem Hinduismus. Außerdem kann man sich dort auch Chhatris (Schirmhäuschen) und andere Hindu-Tempel anschauen. Diese erinnerten uns von ihrer Architektur her sehr an den Prambanan-Tempel in Indonesien. In dem Garten fühlen sich übrigens auch Halsbandsittiche, Affen und Streifenhörnchen heimisch.

Der Kunj Bihari Tempel

Textilmärkte, u.a. der Sardar-Markt (Must do!!!)

Jodhpur ist nicht nur die Stadt der blauen Häuser, sondern auch eine Weltstadt der allerfeinsten Textilien aus Seide, Kaschmir und Pashmina. Und so ist es auch kein Wunder, dass die Menschen aus den umliegenden Dörfern extra dorthin zum Einkaufen fahren. Auch das Second-Hand-Sari-Shopping ist hier nicht ungewöhnlich. Dabei kaufen die Frauen gebrauchte Saris, um sie dann mit neuen Verzierungen aufzuhübschen und diese anschließend wieder zu verkaufen. Viele Frauen besorgen sich in Jodhpur auch nur die Stoffe, um sich ihre Saris selbst zu nähen. Bei Touristen beliebte Märkte sind beispielsweise der Sardar-Markt und der Glockenturm-Markt (Ghanta Ghar Market).

Jodhpur erfreut sich aber nicht nur bei einheimischen Shoppingfans großer Beliebtheit, sondern auch bei großen internationalen Luxusmarken, wie beispielsweise Hermès, Chanel, Armani oder Valentino.

Wir brachen an einem Nachmittag gegen 17:00 Uhr zu den bekanntesten Märkten Jodhpurs auf und verweilten dort ganze drei Stunden. Als kunterbunt, hektisch, laut und einzigartig würden wir diesen kleinen Abstecher bezeichnen. Unser Guide führte uns am Ende der Tour zum OM Ganesh Export House auf dem Gaanchha Bazar, was wir allein niemals gefunden hätten. Dort trafen wir auf den Geschäftspartner der großen internationalen Edelmarken: Mukesh Jain. Brad Pitt, Mick Jacker und der Chef vom Londoner Kaufhaus Harrod’s sind nur einige wenige seiner berühmten Kunden, die wir an dieser Stelle erwähnen möchten. Wer mehr über unseren dortigen Besuch wissen möchte, dem empfehlen wir unseren Artikel “Luxusmarken aus Indien”.

Andere Märkte und Läden in Jodhpur

Doch auf den Märkten werden nicht nur Textilien angepriesen, sondern beispielsweise auch Lebensmittel und Küchenutensilien. Auch der Nachtmarkt ist bei den Indern sehr beliebt.

Weitere Impressionen aus Jodhpur

Der Om Banna (Motorrad-Tempel) in der Nähe von Jodhpur

Der Motorrad-Tempel Om Banna befindet sich 46 Kilometer südlich von Jodhpur entfernt, in der Nähe des Dorfes Chotila. Einer Erzählung nach gehörte das Motorrad dem jugendlichen Rajput Om Banna (Om Singh Rathore), der 1988 tödlich damit verunglückt war. Während er noch an Ort und Stelle starb, fiel sein Gefährt in einen nahegelegenen Graben. Am darauffolgenden Morgen nach dem Unfall stellte die örtliche Polizei das Motorrad sicher. Aber schon einen Tag später sei das Motorrad aus der Polizeistation verschwunden und wieder an der Unfallstelle im Graben aufgetaucht. Daraufhin beschlagnahmte die Polizei die Maschine erneut und leerte den Kraftstofftank, damit niemand mehr das Gefährt wegfahren konnte. Doch schon am darauffolgenden Tag wurde das Motorrad ein weiteres Mal an der Unfallstelle im Graben gefunden und niemand konnte sich erklären, wie dieses aus den Händen der Polizei gelangen konnte. Der Legende nach kehrte das Gefährt immer vor Tagesanbruch zurück an die Unglücksstelle. Und weil die Menschen aus den umliegenden Ortschaften diese mysteriösen Ereignisse als Wunder ansahen, bauten sie einen Tempel, um das “Bullet Bike” zu verehren. Man sagt, dass der Geist des tödlich verunglückten Om Bannas verzweifelten Reisenden helfe. Seitdem kommen täglich die Dorfbewohner und die Touristen an dem Tempel vorbei, um dort zu beten und verschiedene Opfergaben abzulegen. Zum Schutz des Motorrades ist dieses sogar in Glas gehüllt.

Wir denken, dass sich ein Besuch des Motorrad-Tempels nur lohnt, wenn dieser ohnehin auf dem Reiseweg liegt. Extra dorthin zu fahren, empfehlen wir eher nicht.

Fazit: Lohnt sich ein Besuch der Stadt Jodhpur?

Wenn man seinen Reiseverlauf sehr kompakt geplant hat und innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Orte zu Gesicht bekommt, kann es schon mal zu “Durchhängertagen” kommen. Dann ist man müde oder man hat keine Lust mehr. Oder es ist zu heiß. Oder man hat den absoluten “Sightseeing-Overkill”. So erging es uns bei unserer ersten Besichtigungstour in Jodhpur, als wir uns am Vormittag nur die wichtigsten Gebäude anschauten. Irgendwann hatten wir dann auch genug gesehen. Und die Architektur innerhalb Rajasthans wiederholte sich auch immer wieder. Umso spannender gestaltete sich dann aber der Nachmittag auf den (Textil-) Märkten. Hier mischten wir uns endlich unter die Einheimischen und bekamen das echte indische Leben mit. Gerade auch der Besuch des OM Ganesh Export House erwies sich dabei als eines der Highlights während unserer gesamten Reise. Denn wer bekommt schon mal die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Luxusmarken zu schauen und mehr über die Geschäfte der Hersteller zu erfahren?! Natürlich kann man seinen Shoppinggelüsten dort freien Lauf lassen und dabei sehr viel Geld sparen. Ein Besuch in Jodhpur lohnt sich daher definitiv, allerdings nur dann, wenn man auch die Textilmärkte besucht.


Links:

Unser Hotel in Jodhpur: Ratan Vilas

Luxus- und Expressbusse von Rajasthan Roadways

Wir waren mit der Reiseagentur Mocca Travels unterwegs, die es inzwischen leider nicht mehr gibt.