Auf dem Weg von Jaipur nach Barli legten wir noch einen zweistündigen Zwischenstopp in der heiligen Stadt Pushkar ein. Dort wurden wir für diesen kurzen Aufenthalt sogar von einem privaten Guide herumgeführt, den uns unsere Reiseagentur vorab organisiert hatte. Ob der wirklich nötig war, erfahrt ihr später.

Das Wichtigste in Kürze über die heilige Stadt Pushkar

Pushkar – Ein Begegnungsort für Gläubige aller Kasten aus ganz Indien

Der Wallfahrtsort Pushkar erfreut sich sowohl bei den Hindus als auch bei den Sikhs großer Beliebtheit. So nehmen unter anderem viele Menschen aus Südindien lange, weite Anreisen und hohe Kosten auf sich, um einmal in dem bekanntesten Brahma-Tempel Indiens beten zu können. Auch geben sie viel Geld für Opfergaben (Zuckerstücke, Reis, Blumen) aus, die sie im Tempel ablegen – in der Hoffnung auf ein besseres Karma.

In Pushkar kommen die Inder aller Kasten und aller Regionen zusammen, um gemeinsam in den ca. 500 Tempeln der Stadt zu beten. Unser Guide konnte den Menschen anhand ihrer Kleidung sogar ihre Kasten zuordnen, was uns sehr überraschte. Bei dem kleinen Ratespiel lagen wir oft falsch, denn wie wir feststellen mussten, stammten auch Frauen mit sehr edlen, hochwertigen Seidengewändern oftmals aus der untersten Kaste. Damit wollte uns unser Guide zeigen, dass selbst die Bauernfamilien sehr viel Geld für ihre Kleidung ausgeben – besonders auch dann, wenn sie eine Pilgerreise an einen so heiligen Ort wie Pushkar antreten.

Die meisten Tempel und Ghats (=Tempelteiche), die man noch heute in Pushkar besuchen kann, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Um diese Zeit herum wurden die heiligen Stätten nämlich wieder aufgebaut, die zuvor während der muslimischen Eroberungszüge zerstört worden waren.

Aus Glaubensgründen ist der Verzehr von Fleisch und Eiern übrigens in ganz Pushkar verboten.

Vorsicht vor Abzockern in Pushkar

Der Ort Pushkar ist sehr touristisch, was auch viele “Abzocker” auf den Plan ruft. Diese verlangen beispielsweise Geld dafür, dass man sie fotografieren darf, dass sie einem eine Blumenkette umhängen oder dass sie einen segnen. Tagtäglich laufen sie durch die heilige Stadt, um den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, was dazu führt, dass sie selbst so viel davon haben. Laut unserem Guide steht ein alter Mann, den wir auch selbst zu Gesicht bekamen, jeden Tag auf den Stufen des Brahma-Tempels, um von den Gläubigen und Touristen Geld zu erbetteln. Dabei soll er pro Tag 3000 Rupien einnehmen. Obwohl er sich als armer Bettler ausgibt, sei er viel reicher als die meisten indischen Pilger. Um aber selbst ein gutes Karma zu bekommen, spenden die Menschen ihm dennoch viel Geld. Auch auf unserer zweiwöchigen Rundreise durch Indien bekamen wir immer wieder mit, wie spendabel unser privater Fahrer und unsere Guides gegenüber Bettlern waren. Die sehr religiösen Inder sind nämlich fest überzeugt davon, dass ihre Großzügigkeit positiv auf sie zurückfallen wird.

Da der gesamte Ort Pushkar für die Hindus und Sikhs so heilig ist, leben hier auch viele Priester aus der obersten Kaste. Um ihr Leben finanzieren zu können, verlangen diese – neben den anderen Abzockern – ebenfalls Geld von den Touristen fürs Segnen.

Auf den beiden Fotos kann man sehr schön die optischen Unterschiede zwischen den echten Priestern (links) und den Abzockern (rechts)  erkennen.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Pushkar

Der Tempel Jagatpita Brahma Mandir (Brahma-Tempel)

Der Jagatpita Brahma Mandir in Pushkar gehört zu den sehr wenigen Tempeln in Indien, die dem Erschaffer-Gott Brahma gewidmet sind. Unter den wenigen ist er der bekannteste Brahma-Tempel in ganz Indien. Bevor die Gläubigen das Gotteshaus besuchen, nehmen sie ein heiliges Bad im Pushkar-See ein.

Da es im Brahma-Tempel nicht erlaubt ist, seine Rucksäcke und Taschen mit hineinzunehmen, gibt es in vielen umliegenden Läden Schließfächer für die Touristen, für die man ein wenig Geld bezahlen muss.

Das Fotografieren in dem Hindu-Tempel war leider nicht gestattet und die Anwesenheit unseres Guides sorgte auch dafür, dass ich mich an dieses Verbot halten musste.

Der Pushkar-See und die umliegenden 52 Ghats

In dem heiligen Pushkar-See (auch: Pushkar Sarovar) waschen sich viele Pilger von ihren Sünden rein, bevor sie die umliegenden Tempel besuchen. Auch Hautkrankheiten sollen dadurch angeblich geheilt werden, was wir uns bei dem schmutzigen Wasser nur sehr schlecht vorstellen können. Die Gläubigen versammeln sich zur Reinwaschung um den umliegenden 52 Stufenbereichen herum, die hinunter zum Wasser führen und als “Ghats” bezeichnet werden. Gerade während des alljährlich stattfindenden Religionsfestes Kartik Poornima ist der Menschenandrang an den Treppenstufen besonders groß.

Leider führt der Pilgertourismus in Pushkar auch zur Verschlechterung der Wasserqualität und zum unaufhaltsamen Fischsterben. Aus diesem Grund hat die Regierung verschiedene Erhaltungsmaßnahmen ins Leben gerufen, um den Reinheitsgrad des heiligen Wassers zu verbessern.

Der berühmte Kamelmarkt in Pushkar (Pushkar Camel Fair)

Pushkar ist nicht nur wegen seines Brahma-Tempels so beliebt, sondern auch wegen seiner Kamelmesse (Pushkar Camel Fair), die jedes Jahr im Oktober oder November veranstaltet wird. Hier werden neben Kamelen auch Rinder und Pferde zum Kauf angeboten. Der Kamelmarkt, der immer sieben Tage lang dauert, zieht jährlich 200.000 Besucher in seinen Bann.

Leider stammen die Fotos von den Wüstenschiffen nicht von der berühmten Kamelmesse, weil unsere Reise bereits im April stattfand.

Weitere Impressionen aus Pushkar: Märkte und Straßen

In Pushkar bekamen wir aber nicht nur unzählig viele Tempel, Ghats, Priester und Pilger zu Gesicht, sondern erlebten auch das hektische Treiben auf den Märkten. Auch einige Kühe und Kamele mischten sich unter die großen Menschenansammlungen.

Fazit: Lohnt sich ein Besuch in Pushkar? Braucht man einen Guide?

Für Hindus und Sikhs ist Pushkar ein absolutes Muss, weil sich hier der wichtigste Brahma-Tempel in ganz Indien befindet. Für uns dagegen war die Stadt im Vergleich zu anderen Destinationen eher unspektakulär. Vielleicht wäre unser Aufenthalt aufregender gewesen, wenn wir während der Kamelmesse oder während des Religionsfestes Kartik Poornima dorthin gereist wären. Vermutlich ist Varanasi, ein anderer Wallfahrtsort, die bessere Wahl, wenn man sich heilige Orte in Indien anschauen möchte.

Für Pushkar empfehlen wir daher nur einen Zwischenstopp von ein paar Stunden; eine Übernachtung in dem Ort lohnt sich unseres Erachtens eher nicht.

Aber braucht man für zwei Stunden überhaupt einen Guide in Pushkar? Nach unserer Rundreise durch Indien teilten wir unserer Reiseagentur Mocca Travels mit, dass der Guide in Pushkar für die zwei Stunden nicht nötig gewesen wäre. Man antwortete uns daraufhin, dass dieser dafür gebucht wurde, um uns nicht nur durch den Ort und den Tempel zu führen, sondern auch, um uns vor Abzockern und Taschendieben zu schützen. Leider sorgte der Guide dafür, dass ich mich im Tempel an das Fotografierverbot halten musste. Und auch einen kleinen Abstecher herunter zu den Ghats verwehrte er uns, weil wir seiner Meinung nach nicht zu nah an die badenden Pilger herantreten sollten. Wären wir allein unterwegs gewesen, hätten wir den Ort noch viel mehr erkundet und wären auch hinunter zum Wasser gelaufen. Gern hätten wir uns auch noch den Vahara-Tempel, den Rangji-Tempel oder den Tempel Gurudwara Sahib angesehen.

Wir waren mit der Reiseagentur Mocca Travels unterwegs, die es inzwischen leider nicht mehr gibt.