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Besuchte Sehenswürdigkeiten (Highlights und Insidertipps):  Yogyakarta │ Borobudur │ Fahrradtour durch Sentolo, andere Dörfer und Reisfelder │ Prambanan Tempel │ Zugfahrt nach Mojokerto │ Vulkan Mount Bromo │ Vulkan Ijen mit Blue Fire

Wenn wir auf unsere knapp dreiwöchige Indonesien-Rundreise zurückblicken, dann haben wir Java als den anstrengendsten Reiseabschnitt in Erinnerung. Dies liegt an den Abholzeiten zwischen 00:00 Uhr und 5:30 Uhr, um unter anderem die Sonnenaufgänge am Borobudur-Tempel und am Vulkan Mount Bromo miterleben zu können.

Java – Tempel, aktive Vulkane und Reisanbau

Die Insel Java beheimatet 139 Millionen Menschen, von denen mehr als die Hälfte in traditionellen Dörfern als Fischer oder Bauern leben. Wegen der 30 aktiven Vulkane (u.a. Merapi, Semeru, Ijen, Kelud etc.), die in unregelmäßigen Abständen unvorhersehbar stark oder schwach ausbrechen und nährstoffreiche Asche kilometerweit speien, ist der Boden auf ganz Java sehr fruchtbar. Dies ermöglicht auch den weit verbreiteten Reisanbau, von dem ganz Indonesien profitiert.  Die Hauptstadt Javas, Jakarta, stand allerdings nicht in unserem Reiseprogramm. Neben den Vulkanen und Reisfeldern ist Java auch für seine beeindruckenden Tempel Borobudur und Prambanan bekannt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen.

Erste Etappe: Yogyakarta

Nach unserem Flug von Singapur nach Yogyakarta (kurz: Jogja) ging es in das Adhistana Hotel, wo wir drei Nächte verweilten, um von dort aus die ganzen Ausflüge anzugehen. Den Tag unserer Ankunft hatten wir zur freien Verfügung, aber schon am nächsten Morgen um 3:30 Uhr wurden wir von unserem Fahrer abgeholt, um pünktlich bei Sonnenaufgang am Tempel Borobudur zu sein.

Sonnenaufgang am Borobudur

Normalerweise ist der Borobudur, die größte buddhistische Tempelanlage der Welt, täglich von 6:00 Uhr bis 17:00 Uhr für die Allgemeinheit geöffnet. Allerdings bietet das Manohara Resort eine Sonnenaufgangstour an, die bereits um 4:30 Uhr startet. Die Verkaufsschalter öffnen daher schon um 4:00 Uhr. Als wir dort in der Nacht ankamen, erhielten wir erst einmal Taschenlampen, um den Tempel überhaupt in der Finsternis finden zu können. Als ausländischer Tourist kostet der Spaß 450.000 Rupiah (rund 26€) pro Person und beinhaltet neben dem Eintritt noch Tee oder Kaffee, einen Snack und ein Souvenir, nämlich einen Schal mit Borobudur-Motiv. Wenn man diese Tour mitmachen möchte, muss man eine Kopie seines Reisepasses mitbringen.  In unseren Reiseunterlagen war geschrieben, dass man den Tempel bei Sonnenaufgang erleben würde, bevor er für alle anderen öffnet. In unserer Vorstellung hatten wir daher schon ein exklusives Erlebnis vor Augen mit nur wenigen anderen Touristen. In Wahrheit war die Tempelanlage schon zur Sonnenaufgangstour komplett überfüllt und es war extrem schwierig, spektakuläre Fotos nur von sich und der Anlage zu machen. Auch wenn diese ganzen Menschenmassen ein wenig Ärger in uns hervorriefen, waren wir im Nachhinein doch froh, den wunderschönen Sonnenaufgang mit den einzigartigen Lichtspielen am Borobudur miterlebt zu haben.  Wir sahen, wie so langsam die Sonne am Horizont aufging, der Nebel in der Landschaft aufstieg und dieser die Spitzen der Vulkane umspielte. Die vielen Buddhas, von denen viele keinen Kopf mehr besaßen, und die Glocken sahen in dem Sonnenaufgangslicht absolut mystisch aus. Außer die HDR-Einstellung an der Kamera brauchte man da nicht einmal einen Filter. Im Übrigen laufen dort auf dem Tempelkomplex viele indonesische Studentengruppen herum, die die Touristen ansprechen, um ihr Englisch zu verbessern.

Der buddhistische Tempel Borobudur ist zwischen 778 und 856 erbaut worden, noch 300 Jahre vor Angkor Wat in Kambodscha. Dieser sieht aus der Vogelperspektive aus wie ein riesengroßes Mandala, eine geometrische Hilfe für die Meditation. Insgesamt 432 Buddha-Statuen in verschiedenen Sitzpositionen und mit unterschiedlichen Handbewegungen sowie 72 Stupas (Glocken) befinden sich in der Tempelanlage. Einige Buddhas sitzen sogar in den Glocken, sodass man diese erst erkennen kann, wenn man sich ihnen nähert und ganz genau hinschaut.

Im Jahre 1006 wurde er durch den Ausbruch des Vulkans Merapi komplett mit Asche bedeckt, wodurch ein großer Berg entstand, unter dem der Tempel bis ins 18. Jahrhundert verborgen blieb. Erst im Jahr 1814 wurde die Tempelanlage wiederentdeckt und 1835 von Europäern ans Tageslicht gebracht. Doch die Restaurierung erfolgte erst im Zeitraum zwischen den Jahren 1975 und 1983. In dieser Zeit wurden 1.3000.232 Steinblöcke demontiert, katalogisiert, fotografiert, gereinigt und wieder zusammengebaut. Die gesamte Restaurierung kostete letztendlich 25 Millionen US-Dollar, das ist mehr als das Dreifache der ursprünglichen Schätzung. Seit dem Jahr 1991 gehört die größte buddhistische Tempelanlage der Welt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Mendut Tempel

Nach unserem Frühstück direkt am Pool des Hotels Amata Borobudur, mit dem uns unsere Reiseagentur überrascht hatte, hielten wir noch am Mendut Tempel und den benachbarten Buddha-Statuen an, weil diese auf unserem Rückweg Richtung Jogja lagen. Der Mendut ist ebenfalls ein buddhistischer Tempel, der sich nur drei Kilometer vom Borobudur entfernt und auf einer Linie mit diesem befindet. Dazwischen gibt es noch den Tempel Pawon, der in der Mitte der beiden anderen liegt. Während des Vollmondes im Mai oder Juni vollziehen die Buddhisten das jährliche Vesak-Ritual, bei dem sie vom Mendut, zum Pawon und weiter zum Borobudur laufen. Dies ist eine Art buddhistisches Massengebet, bei dem auch die Tempel umkreist werden. Stark gläubige Javaner glauben daran, dass das Beten im Mendut-Tempel sie von Krankheiten befreit. In dem Tempel befindet sich auch die weibliche Gottheit Hariti, die kinderlose Ehepaare anbeten, um Nachwuchs zu bekommen.

Neben dem Mendut-Tempel gibt es noch ein überschaubares Gelände, auf dem zahlreiche Buddhas in verschiedenen Größen, Farben und Formen zu bewundern sind. Dort kann man auch ein Tor sehen, wie es auch in Kambodscha im Tempelkomplex Angkor Wat vorzufinden ist.

Sultanspalast „Keraton Ngayogyakarta Hadiningrat‟

Nach dem Zwischenstopp am Mendut-Tempel ging es zurück nach Jogja, wo wir uns den Sultanspalast und den Wasserpalast anschauten. Wie der Name schon verrät, ist der Sultanspalast der Sitz des amtierenden Sultans von Yogyakarta und seiner gesamten, großen Familie. Der Palast beherbergt neben dem Sultan und seiner Familie auch private Meditations- und Zeremonienkammern, einen prunkvollen Thronsaal, mehrere Audienz- und Performance-Pavillons sowie eine Moschee, einen riesigen königlichen Garten, Ställe, Baracken, eine Waffengießerei und zwei weitläufige Paradeplätze. Heute gilt jedoch nur noch das innere Gelände als das Keraton selbst, während das Labyrinth aus kleinen Gassen, die Moschee und zwei große Plätze in die Stadt integriert wurden. Der Gebäudekomplex war für uns aber eher unspektakulär, viel interessanter waren dagegen die täglichen kulturellen Vorführungen, wie beispielsweise das Wayang-Puppentheater. Die Aufführungen dieser Schattentheater werden von einem Gamelan-Orchester begleitet. Die Puppen, die aus Leder in tagelanger Feinstarbeit ausgestaltet werden, sehen sehr gruselig und böse aus. Sie sollen vermitteln, dass das Leben niemals nur schwarz oder nur weiß ist. Gute Helden können schlechte Eigenschaften  und schlechte Charaktere können erlösende Eigenschaften aufweisen. Obwohl am Ende die Kräfte des Guten über das Böse triumphieren, ist der Sieg nie vollständig, weil beide Seiten Verluste erleiden können. Wenn man dann noch das Geschrei während der Aufführung und die dramatische Musik mit dazunimmt, könnte man befürchten, man hätte die folgenden Tage nur noch Albträume. Neben dem Schattentheater, das die Ramayana- und Mahabharata-Geschichten inszeniert, konnte man in dem Palast auch sehen, wie die Puppen manuell hergestellt werden. In dem Ramayana-Stück geht es übrigens um die immerwährende Liebe; das Mahabharata-Epos handelt dagegen von einem großen Krieg.

Auch das Batikverfahren konnte man im Sultanspalast selbst ausprobieren. Jeder kennt den Begriff “Batik”, aber niemand weiß, dass dieses spezielle Textilfärbeverfahren aus Indonesien stammt. Bei dieser Technik malt man mit einem Kanting (Metall-Werkzeug) ein bestimmtes Muster mit bunter Wachsfarbe auf ein Stück Seide oder Baumwollstoff. Anschließend taucht man den Stoff in Farbe ein, die nur in die wachsfreien Stellen eindringt. Die vorher eingewachsten Stellen behalten somit ihre ursprüngliche Farbe. Als Ergebnis erhält man ein verziertes Kleidungsstück oder Tuch in mehreren unterschiedlichen Kolorationen.   Die indonesische Batik ist sogar seit 2009 auf der “Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit” der UNESCO gelistet.

Außerdem konnte man im Sultanspalast den Luwak-Kaffee verkosten. Eine bestimmte Katzenart, der Fleckenmusang, frisst die Kaffeekirschen und scheidet diese halb verdaut wieder aus. Aus den Exkrementen dieser speziellen Katzenarzt stellt man schließlich den Luwak-Kaffee (Katzenkaffee) her, der in ganz Indonesien weit verbreitet ist.

Wasserpalast Taman Sari

Nachdem sich das fürchterliche Geschrei des Schattentheaters in meinem Hirn manifestiert hatte, ging es weiter zum Wasserpalast Taman Sari, der sich zwei Kilometer südlich vom Kraton entfernt befindet. Der Taman Sari hatte nach der Erbauung im 18. Jahrhundert eine Funktion als Ruhe- und Meditationsort. Aber auch als Werkstatt, Versteck und zur Verteidigung wurde er genutzt. Da er schon lange nicht mehr restauriert wurde, sieht er schon etwas heruntergekommen und unspektakulär aus. M hätte gern auf einen Besuch des Taman Sari verzichten können.

Besuch einer Manufaktur

Fahrradtour durch Dörfer und Reisfelder im Regierungsbezirk Kulon Progo

Was dann folgte, stellte sich schließlich als eines unserer Indonesien-Highlights heraus. Denn unsere authentische Fahrradtour durch Dörfer und Reisfelder war so faszinierend, dass es dazu einen eigenen Beitrag in unserem Blog gibt. Abgeholt wurden wir an diesem Tag bereits um 7:00 Uhr.

Tempel Prambanan

Am Nachmittag nach unserer Fahrradtour ging es weiter zu einem der größten hinduistischen Tempelanlagen in ganz Südostasien, dem Prambanan Tempel. Dieser ist 856 fertiggestellt worden und zählt seit dem Jahr 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Komplex besteht aus mehr als 250 Einzeltempeln, darunter befinden sich die drei größten Tempel, die den drei Göttern Shiva (Zerstörer), Vishnu (Bewahrer) und Brahma (Schöpfer) geweiht sind. Ein Erdbeben der Stärke 5,9 im Mai 2006 beschädigte 30-40% der  Tempelanlage so stark, dass sie zunächst für drei Monate vollständig geschlossen werden musste. Einige Bereiche des Tempels sind auch heute noch, im Jahr 2018, wegen Einsturz- und Steinschlaggefahr in Folge des Erdbebens geschlossen. Die Renovierungs- und Reparaturarbeiten dauern bis heute an, diese sind auch auf großen Tafeln auf dem Gelände für alle Besucher dokumentiert. Als wir dort waren, fand gerade ein Jazz-Festival statt, bei dem auch Boyzone auftraten. Wir wussten gar nicht, dass die Band überhaupt als Gruppe noch existiert.

Zweite Etappe: Fahrt von Zentraljava (Jogja) nach Ostjava (Mojokerto) und Sonnenaufgang am Vulkan Mount Bromo

Am nächsten Morgen ging es wieder früh heraus, um gegen 5:30 Uhr zum Bahnhof von Yogyakarta zu fahren. Unser Stammfahrer bekam schon am Vortag unsere Koffer mit und fuhr damit die sieben Stunden mit dem Auto nach Mojokerto, wo er uns dann anschließend aufsammelte. Aus diesem Grund sollte uns ein anderer Fahrer der Agentur zum Bahnhof bringen, der uns aber mit anderen Touristen verwechselte und diese zum gleichen Ziel, dem Bahnhof, brachte. Deshalb warteten wir ca. 45 Minuten vergeblich und nahmen uns schließlich selbst ein Taxi zum Bahnhof; der Fahrpreis dafür wurde problemlos von unserer Reiseagentur erstattet. Zum Glück verpassten wir den Zug nicht. Wir legten die Strecke von Jogja nach Mojokerto in der ersten Klasse mit dem Zug zurück, wo es durch die Klimaanlage so eisig kalt war, dass wir fast erfroren. Es empfhielt sich, für die Zugfahrt einen dicken Winterpulli mitzunehmen. Am Bahnhof wunderten wir uns zunächst, wie wir zu unserem Gleis kommen sollten, weil es dafür keine unterirdischen Treppenaufgänge gab. Später sahen wir, dass man durch die Züge klettern musste, um zu seinem gewünschten Gleis zu kommen. Das sah schon sehr amüsant aus. Die Zugfahrt führte uns vorbei an zahlreichen Reisfeldern, auf denen die Bauern mit ihren typischen spitzen Hüten arbeiteten. Das wären so viele tolle Fotomotive gewesen, aber leider war der Zug zu schnell unterwegs, sodass die Fotos alle unscharf wurden. Wie man es von vielen Bildern aus asiatischen Ländern kennt, fuhr auch auf Java der Zug extrem nah an den Wohngebieten vorbei. Es gab so gut wie gar keine Zäune, um die Gleisbereiche bzw. die Menschen zu schützen.

Nachdem wir nach der fünfstündigen Zugfahrt in Mojokerto angekommen waren, ging es mit dem Auto noch vier Stunden weiter zu unserem nächsten Hotel, der Lava View Lodge. Dabei mussten wir auch wieder an einer größeren Karnevalsveranstaltung vorbeifahren und die dafür abgesperrten Straßen weiträumig umfahren, was die Fahrt noch einmal mehr in die Länge zog. Immerhin war es schön mit anzusehen, wie fröhlich und friedlich die Javaner feiern können. Die Lava View Lodge befand sich in einer Höhe von 2500 Metern am Fuße des Mount Bromo und war der perfekte Ausgangsort für die Besteigung dieses Vulkans am darauffolgenden Morgen zum Sonnenaufgang. Mehr zum Vulkantrekking gibt es hier.

Dritte Etappe: Weiterfahrt nach Banyuwangi zum Vulkan Ijen mit Kraterbesteigung und Blue Fire Tour

Nach unserer morgendlichen Sonnenaufgangstour am Mount Bromo ging es auf einer siebenstündigen Fahrt gleich weiter nach Banyuwangi, wo wir den Vulkan Ijen erklimmen wollten. Mehr dazu gibt es hier.

Überfahrt mit der Fähre von Java nach Pemuteran auf Bali

Nach fünf Nächten auf Java ging es dann mit der Fähre weiter auf die Insel Bali, genauer gesagt in den Norden nach Pemuteran. Hier gibt es die Fortsetzung unserer Reise.

Besonders erwähenswert ist an dieser Stelle noch, dass irgendwie alle Java-Touristen das exakt gleiche Programm absolvierten. Wir trafen ein und dieselben Touristen immer wieder an den unterschiedlichen Orten, oft waren sie mit uns sogar in den selben Hotels oder aßen auf den Zwischenstopps in den selben Restaurants wie wir, obwohl viele unterschiedliche Reiseagenturen dahinter steckten. Die Fahrer kannten sich ja alle untereinander sehr gut und unser Java-Stammfahrer erzählte uns beispielsweise, dass das spanische Pärchen, das wir ständig und überall sahen, mit einer anderen Agentur unterwegs gewesen sei. Erst auf Bali verloren wir uns dann alle aus den Augen. Die Spanier fuhren beispielsweise direkt nach Ubud, während wir zum Schnorcheln noch für drei Nächte in Pemuteran blieben.


Quellen:

Insight Guides. Indonesia – insightguides.com

Links:

Sonnenaufgang am Borobudur im Manohara Resort

Unsere Reise-Agentur: Evaneos (Jakob)