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“Because in the end, you won’t remember the time you spent working in the office or mowing your lawn. Climb that goddamn mountain.” ― Jack Kerouac

Nach den Tempeln Borobudur und Prambanan sowie einer Fahrradtour durch Reisfelder und Dörfer ging es also weiter nach Ostjava zu den Vulkanen Bromo und Ijen. An dieser Stelle wollen wir von beiden Trekkingtouren berichten.

Vulkane in Indonesien

Aktive Vulkane dominieren die Landschaft vieler Inseln Indonesiens. Durch die Millionen Tonnen Asche, die die Vulkane in unregelmäßigen Abständen speien, und die häufigen Niederschläge gibt es in Indonesien viel fruchtbares Land. Aus diesem Grund besiedeln die Menschen die Gebiete rund um die Vulkane, statt sie wegen ihrer Gefahren zu meiden. Der fruchtbare Boden ermöglicht auch den Anbau von Reis; überall auf Java und Bali sahen wir Reisterrassen oder Reisfelder, auf denen die Bauern ohne landwirtschaftliche Maschinen arbeiteten. Vulkansausbrüche bringen aber nicht nur Freude mit sich, sondern auch viel Leid, wie die Eruption des Merapi im Jahr 2006 in der Nähe von Yoyyakarta (Zentraljava) zeigte. Obwohl die Bewohner zuvor evakuiert worden waren, starben am Ende 300 von ihnen an einer Gasvergiftung, als sie in ihre Dörfer zurückkehrten und ihr Vieh füttern wollten.

Mount Bromo bei Sonnenaufgang – Erfahrungen mit Galang Transport Yogyakarta

Es war stockfinster und die Sterne waren noch hell erleuchtet am Himmel zu sehen. Und so wurden wir mitten in der Nacht um 3:30 Uhr von unserem Hotel Lava View Lodge mit einem Jeep abgeholt, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang an der 2700 Meter hohen Aussichtplattform Penanjakan zu sein. Die einstige Illusion, dass wir eine exklusive Tour mit nur wenigen anderen Reisenden bekommen, zerschlug sich schon während des Sonnenaufgangs am Tempel Borobudur in der Nähe von Yogyakarta. Spätestens an diesem besagten Morgen wussten wir, dass die Sunrise-Touren ein reinstes Massenspektakel darstellten und wir nur zwei von tausend anderen waren. An dem Morgen war es so eisig kalt, dass viele Händler sogar dicke Winterpullover und Wollmützen vor den Hotels verkauften. Nach einer nächtlichen Fahrt im Jeep wurden wir irgendwo 1000 Meter entfernt von der Plattform herausgelassen, von wo aus wir noch einen sehr steilen Aufstieg zu leisten hatten. Näher konnte man praktisch nicht heranfahren, weil die Straße bis oben hin komplett mit hunderten Jeeps zugeparkt war. Da man in der Dunkelheit abgeholt wird und dann im Hellen seinen Jeep wiederfinden muss, empfiehlt es sich, ein Foto von der Jeepnummer zu machen.

Einheimische Motorradfahrer brachten die lauffaulen Touristen gegen eine bestimmte Summe hoch zur Aussichtsplattform und auch ich hätte diesen Dienst fast in Anspruch genommen. Aber M wollte unbedingt hochlaufen und konnte sich dann letztendlich durchsetzen, nachdem ich meine Herz-Kreislauf-Tropfen geschluckt hatte. Es gab zwar noch eine kürzere Abzweigung zu einem anderen Aussichtspunkt (Seruni Point), aber wir liefen ganz hoch zum Punkt Penanjakan. Wenn man sich die Fotos anschaut, ist der Seruni Point vielleicht noch besser geeignet, weil dort keine Büsche oder Bäume die Sicht versperren. Am Penanjakan war es komplett überfüllt. Wir fanden dann eine Insider-Stelle, wo man nahezu gute Fotos – wenngleich auch mit Gebüsch davor – machen konnte. Hierzu musste man allerdings eine Absperrung durchqueren und nicht autorisiertes Gelände betreten.

Der Mount Bromo ist im Übrigen nur der kleine graue Krater links, aus dem häufig Gaswolken aufsteigen. Der Berg rechts daneben ist der Mount Batok und der höchste Vulkan ganz hinten ist der Mount Semeru. Das Gelände direkt vor dem Mount Bromo und dem Mount Batok wird als Sea of Sand bezeichnet, weil der Boden dort nur aus sandiger Asche besteht. Der Blick auf diese Vulkanlandschaft bei Sonnenaufgang ist so speziell und atemberaubend. Wenn man diese nicht mit eigenen Augen sehen würde, könnte man denken, es sei eine am PC entstandene fiktive Landschaft. Oder man fühlt sich wie auf einem anderen Planeten. Wir waren dort und wir können bezeugen, dass es diese wundervolle Landschaft tatsächlich auf unserer Erde gibt.

Nachdem wir den Ausblick auf die Vulkane von oben genießen konnten, ging es weiter hinunter ins Tal, dem Sea of Sand. Dort standen schon gefühlt tausend aneinandergereihte Jeeps, die die Touristen in großen Scharen dort ablieferten. Wir hatten dort nur eine einzige Stunde Zeit, um zum Krater zu laufen und dann die ca. 250-stufige Treppe bis zum Kraterrand hinaufzusteigen. Um dahin zu kommen, hätte man sich auch hinreiten lassen können, worauf wir aber verzichteten. Da wir ja zuvor schon halbe Ewigkeiten zur Aussichtsplattform hochlaufen mussten und noch immer nichts gegessen hatten, war mein Kreislauf entsprechend im Keller, sodass M allein den Aufstieg in den Krater anging. Dort oben angekommen, sah er mitten in den Kratersee hinein und entdeckte davor sitzend eine Ganesha (Elefant aus dem Hinduismus), die die Leute begrüßen sollte. Der Mount Bromo brodelte so gemütlich vor sich hin und spuckte Asche aus; man konnte richtig laut hören, wie aktiv dieser Vulkan war.

 

Bei einer Eruption im Jahr 2004 sind zwei Touristen gestorben, die von Vulkangestein getroffen worden waren, weil sie sich unerlaubterweise zu nah am Krater befanden. Ende November 2010 hatte es eine Vulkanwarnung gegeben, die eine Schließung des Vulkans bis zum Jahresende nach sich zog. In diesem Zusammenhang musste auch der Inlandsflughafen Abdul Rachman Saleh Airport geschlossen werden. 700 Meter hoch stiegen die Aschewolken in diesem Zeitraum der Eruption. Der Vulkan brodelte auch noch im Januar 2011 vor sich hin, sodass mehrere Airlines ihre Flüge nach Bali oder Lombok streichen mussten. Der letzte Ausbruch (Stand Sommer 2018) ereignete sich Ende 2015. Unser Fahrer erzählte uns, wie er vor unserem Hotel gestanden hatte, plötzlich großes Vulkansgestein aus dem Krater gespuckt worden war und vor seinen Füßen gelandet sei. Dieser Vulkanausbruch führte dazu, dass seine Kunden an ihrem Ankunftstag gleich wieder abreisen wollten, um ihre eigene Sicherheit nicht zu gefährden. Mit aktiven Vulkanen ist schließlich nicht zu spaßen.

Unser Sonnenaufgangsausflug dauerte insgesamt fünf Stunden. Anschließend gab es Frühstück im Hotel, bevor wir sechs Stunden weiter zum nächsten Vulkan, den Ijen, fuhren.

 

 

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Ijen mit Blue Fire Tour in der Nacht mit anschließendem Sonnenaufgang – Erfahrungen mit Rhiyan von Java Bali Destinations

Nach unserer Abholung vom Hotel um 3:30 Uhr am Mount Bromo und der anschließenden Sonnenaufgangstour ging es also sieben Stunden weiter mit dem Auto nach Banyuwangi, wo wir einen zweiten Vulkan, den Ijen, in Angriff nehmen wollten. Auf der langen Fahrt, die uns an Kaffee- und Tabakplantagen vorbeiführte, erzählte uns unserer Fahrer immer wieder etwas von einer Blue Fire Tour am Ijen, die das absolute Highlight dort sei. Das Blue Fire ist ein blaues Gas, das aus dem Krater austritt und das man nur im Dunkeln sieht. Unser Fahrer zeigte uns Fotos davon und machte uns die Tour schmackhaft. Am Ende buchte er uns diese Aktivität, obwohl wir vorher nicht endgültig zusagt hatten. Da gab es vermutlich ein Kommunikationsproblem. Also kamen wir irgendwann am späten Nachmittag in unserer neuen Unterkunft, dem Ketapang Indah Hotel, an und schliefen erst einmal für die nächsten drei bis vier Stunden. Nach dem kurzen Schlaf und einer Stärkung im hoteleigenen Restaurant, das zum Glück 24 Stunden geöffnet war, ging es also auf einer einstündigen Fahrt mit unserem Fahrer sowie mit unserem Guide Rhiyan Widiyanto zum zweiten Vulkan auf unserer Rundreise.

Um Mitternacht, also tatsächlich um 00:00 Uhr, wurden wir hierzu von unserem Hotel abgeholt und fuhren mit dem Auto zum Fuße des Ijen, wo wir uns auf Anraten von Rhiyan erst einmal Atemmasken und Taschenlampen ausliehen. Und dann ging es auch schon zu Fuß und mit sehr vielen Sitz- und Trinkpausen hoch zum Kraterrand des Vulkans. Rhiyan war sehr geduldig und zeigte sich trotz der zahlreichen Pausen verständnisvoll und fürsorglich. Er ist absolut sympathisch, humorvoll und hat eine sehr angenehme Art mit Menschen umzugehen. Obwohl der Aufstieg in der Nacht schon sehr steil und anstrengend war, lag der schlimmste bzw. gefährlichste Teil erst noch vor uns: die Besteigung des Kraters. Überall roch es stark nach Schwefel, der flüssige Schwefel brodelte vor sich hin und wurde schließlich innerhalb kurzer Zeit hart wie Stein. Jeden Tag kann man dort die von Rauchschwaden umgebenen Arbeiter sehen, wie sie den Krater hoch- und herunterklettern, um den harten Schwefel in Bambuskörben mit Schulterstangen nach oben zu tragen. Das Vulkangestein war sehr rutschig, der Aufstieg erwies sich als steil und es war stockfinster. Dementsprechend lebensgefährlich und körperlich anstrengend ist diese Arbeit. Rhiyan leuchtete uns immer den Weg mit seiner Taschenlampe und sagte uns, auf welchen Stein wir am besten treten sollten. Da der Abstieg wirklich so steil und gefährlich war, konnte ich mich sogar an ihm festhalten. Das Blue Fire ist ein blaues Feuer (Gas), das man nur in der Nacht leuchten sehen kann. Aus diesem Grund waren auch mit uns Hunderte andere Touristen gleichzeitig auf Vulkan-Erkundungstour, aber unser Guide Rhiyan gehörte uns allein. Wer etwas Außergewöhnliches erleben möchte, sollte nicht nur die normale Tour am Morgen buchen, sondern auch die Mitternachtstour zum Blue Fire. Erst am Morgen beim Aufstieg, als so langsam die Sonne aufging, entdeckten wir im Vulkankrater einen riesengroßen See. Dieser wird von manchen Geologen als “das größte Säurefass der Erde” bezeichnet. Das Baden darin wäre demnach tödlich.  In der Nacht konnte man diesen noch nicht erahnen. Unsere Tour startete 24:00 Uhr im Hotel und endete nach der Rückkehr um 8:45 Uhr pünktlich zum Frühstück. Wenn Sie beide Touren kombinieren wollen, sollten Sie dieses Zeitfenster einplanen und unbedingt vor der Tour ausreichend essen und schlafen. Nehmen Sie sich außerdem viel Wasser zum Trinken mit und kommen Sie nur in den passenden Trekking- oder Hiking-Schuhen. Auch wenn die Tour sehr anstrengend war, können wir Rhiyan als Guide uneingeschränkt weiterempfehlen. Er spricht allerdings kein Deutsch, sondern nur Englisch und Indonesisch (Bahasa). Laut iPhone kamen wir bei dem Ijen-Trekking auf insgesamt 12 Kilometer und 77 Stockwerke. Spätestens jetzt kann sich jeder denken, wie anstrengend diese Tour für uns war.

 

Die Vulkane und ihre Unterschiede

Jeder Vulkan weist eine andere Form und Beschaffenheit auf. Es gibt beispielsweise Schichtvulkane (auch Stratovulkane genannt), Schildvulkane, Schlacken- und Aschekegel, Lavadome und viele mehr. Bei dem Mount Bromo und dem Ijen handelt es sich um Schichtvulkane.

Allerdings ist ihr Inhalt von unterschiedlicher Natur: Der Mount Bromo spuckt blutrotes Magma in die Luft oder qualmt einfach so mit weißen Gasen vor sich hin. Dagegen ist der Ijen eher für seinen Schwefel bekannt. Dieser ist in flüssiger Form noch orange und wird schließlich hart wie Stein und hellgelb. Anschließend wird er von den Schwefelarbeitern in Holzkörben unter sehr harten Arbeitsbedingungen nach oben getragen. Schwefel verwendet man beispielsweise zur Herstellung von Dünger und Farbstoffen, in der Medizin gegen Hautkrankheiten oder im negativen Sinn zur Herstellung von Sprengstoff.

Gemein haben jedoch alle beide Vulkane, dass ihre Asche sehr fruchtbar ist und sich um den Vulkan herum daher sehr viele Menschen ansiedelten, die dort freiwillig leben – trotz der zahlreichen Risiken.

Fazit

Wer körperlich beeinträchtigt oder nicht fit genug ist, sollte sich dreimal überlegen, ob er diese Vulkan-Trekking-Touren wirklich mitmachen möchte. Die Besteigung aktiver Vulkane birgt zahlreiche Gefahren, derer man sich vorher bewusst sein muss. Denn schließlich könnten die Vulkane jederzeit ausbrechen.

Ich bin selbst sehr unsportlich und habe einen angeborenen zu niedrigen Puls. Mich haben nur meine Herz-Kreislauf-Tropfen vor der Bewusstlosigkeit gerettet. Laut unserem Guide sollte man mit Diabetes oder einem Herzschrittmacher nicht an diesen Touren teilnehmen, er hat nämlich beides schon erlebt.

Das Vulkantrekking war ein “Once-in-a-lifetime-Erlebnis”, das man einmal mitgemacht haben muss. Mehrfach im Leben brauchen wir das aber nicht. Wir wissen jetzt, wie Vulkane funktionieren und wie sie aufgebaut sind – das reicht dann auch für uns Laien.

 

Quellen:

Insight Guides. Indonesia – insightguides.com

 

Links:

Bromo Sunrise Tour mit Galang Transport Yogyakarta

Blue Fire Tour mit Java Bali Destinations