Jeder kennt die Spielerfrauen von Fußballern, aber niemand kennt die nicht-tauchenden Ehefrauen von Tauchern. Deshalb möchte ich im Folgenden einen kleinen Einblick in unsere Tauchurlaube geben, in denen wir einige Zeit getrennt voneinander verbringen.

Meine Idee mit dem gemeinsamen Tauchkurs

Viele bunte Fische und Korallen unter Wasser zu sehen, war lange Zeit ein großer Traum von mir. Also schlug ich meinem lieben Mann 2018 vor, gemeinsam den Tauchschein zu machen. Er selbst wäre nämlich niemals auf diese Idee gekommen. Zu meiner Freude ließ er sich gleich mitreißen und so absolvierten wir im Frühjahr 2018 unseren Open Water Diver bei einer Münchner Tauchbasis. Der Praxisteil fand im Schwimmbad und im Echinger Weiher statt. Doch schon während des Tauchkurses merkte ich, wie ätzend es für mich war, den Neoprenanzug anzuziehen, die schwere Sauerstoffflasche aufzusetzen, den Bleigürtel anzulegen und unter Wasser durch den Atemregler atmen zu müssen. Wie schrecklich ich den Praxisteil fand, kann man <hier> nachlesen.

Unser gemeinsames Tauchen im offenen Meer und mein Ende als Taucherin

Als wir dann ein paar Monate nach dem bestandenen Tauchkurs in Indonesien tauchen waren, fand ich es erneut furchtbar. Ich kam mit der ganzen Technik nicht zurecht und hatte unter Wasser Angst, einem Hai zu begegnen. Zudem war die Strömung an diesem Tag auch „nicht ohne“. Da ich unter Wasser nicht so ganz klarkam, zog mich unser Tauchguide nur durchs Wasser – Händchen haltend wohl gemerkt.

Auch ein Jahr später auf Sansibar konnte ich mich immer noch nicht an die Umstände unter Wasser gewöhnen. Ich empfand trotz Druckausgleich höllischen Schmerz auf den Ohren und fühlte mich weiterhin unter Wasser nicht wohl. Also musste mich auch auf Sansibar ein Tauchguide Händchen haltend durchs Wasser ziehen. Nach insgesamt ca. zehn Tauchgängen in meinem Leben beschloss ich dann auf Sansibar, nie wieder tauchen gehen zu wollen. Diese Entscheidung war für mich wie ein Befreiungsschlag.

Aufhören war für M (ihn) keine Option

Dennoch stand für mich fest, dass ich M weiterhin unterstützen wollte, weil er begonnen hatte, das Tauchen zu lieben.

Ich war absolut froh darüber, dass er mich nicht zwingen wollte, weiter mit ihm tauchen zu gehen. Gleichermaßen wollte ich ihn nicht dazu bringen, nun mit dem Tauchen aufzuhören, nur weil es mir keinen Spaß machte. Also mussten wir uns irgendwie arrangieren.

Um seine neue Leidenschaft weiter zu unterstützen, schlug ich ihm von mir aus vor, Urlaub auf den Malediven zu machen. Wir entschieden uns für das Vilamendhoo Island Resort, das auch über ein Hausriff verfügte. So konnte ich wenigstens schnorcheln gehen, wenn mir schon das Tauchen nicht gefiel. In meinem Fall waren die Ausrüstung und das ganze Drumherum das Problem. Die Unterwasserwelt faszinierte mich aber weiterhin.

Unsere Urlaube: Der Mann geht tauchen – aber die Frau will nicht (mehr)

Unser Hotel auf den Malediven, das Vilamendhoo Island Resort & Spa, war ein typisches Taucherhotel. Hier war es nicht ungewöhnlich, dass meist nur die Männer tauchen gingen und die Frauen den halben Tag Zeit nur für sich selbst hatten. Laut M lag die Männerquote beim Tauchen zwischen 70%  und 80%.

Auf den Malediven musste er morgens sehr früh aufstehen, weil das Taucherboot schon zeitig ablegte. Also ging er an seinen Tauchtagen allein frühstücken. Ich aß dann ein paar Stunden später – ebenfalls allein – im Restaurant oder ließ das Frühstück ganz ausfallen. Wenn seine Tauchausflüge es zeitlich einrichten ließen, wartete ich auf seine Rückkehr, sodass wir gemeinsam zum Mittagessen gehen konnten. An Tagen mit drei Tauchgängen sah man mich jedoch wieder allein beim Mittagessen. Unser Stammkellner wusste dann schon immer Bescheid, wenn er uns getrennt voneinander beim Essen sah. Das war alles kein Problem und fühlte sich auch nicht komisch an. In der Zeit, in der M beim Tauchen war, gönnte ich mir Spa-Behandlungen im Wellnessbereich oder verbrachte die Zeit mit einem Pärchen, das wir dort kennenlernten. Außerdem hatte ich dann schon genügend Zeit, um seine Tauchvideos auf dem iPad zu bearbeiten. Um die Mittags- oder Nachmittagszeit herum war die Freude über seine Rückkehr umso größer. Und natürlich war ich immer so gespannt darauf, welchen Tieren er dieses Mal wieder begegnet war und wie das Videomaterial ausfiel. Auf den Malediven waren unsere „Single-Stunden“ also gar kein Problem. Als Taucher-Ehefrau muss man sich damit arrangieren, dass man beim Mann eben nicht immer an erster Stelle steht. Wenn der Gatte es aber übertreibt und nur noch tauchen gehen möchte, muss man auch tauchfreie gemeinsame Tage einfordern.

Ganz anders sah es hingegen auf Mauritius aus, wo wir aufgrund des Tauchens ebenfalls getrennt voneinander zum Frühstück und zum Mittagessen gingen. Als er vier Tage lang die Unterwasserwelt erkundete, fühlte ich mich immer so unwohl, so als würden mich alle anstarren, weil ich wieder mal als “Single-Lady” im Paradies unterwegs war. Man fühlte sich so, als müsste man sich die ganze Zeit für irgendetwas rechtfertigen müssen. Nein, wir haben uns nicht gestritten. Mein Mann war einfach nur tauchen. Punkt, aus und fertig. Einmal ignorierten mich die Kellner über eine halbe Stunde lang beim Mittagessen und brachten mir kein Getränk an den Tisch. Da sie an diesem Tag einen großen Bogen um mich machten, hatte ich auch keine Möglichkeit, sie heranzuwinken. Ich hatte den Eindruck, allein als Frau im Restaurant übersehen zu werden, was mich zeitweise sehr frustrierte. Diesen Ärger ließ ich dann unfairerweise an ihm aus, als er zurückkam. Meine „Single-Stunden“ auf Mauritius verbrachte ich meist allein im bzw. am Pool oder am Strand bzw. im Meer. Außerdem nutzte ich die Zeit, um seine Tauchvideos zu bearbeiten und Fotos daraus zu erstellen.

Das schlechte Gewissen des Mannes

So sehr M das Tauchen auch liebt, so sehr hat er auch ein schlechtes Gewissen, mich jedes Mal allein im Hotel zurückzulassen. Da ich diejenige bin, die ihm immer wieder solche Tauchreisen vorschlägt, muss er dieses aber gar nicht haben. Ich bin beispielsweise viel häufiger auf divereport.com unterwegs als er, um mich für das nächste Unterwasser-Abenteuer inspirieren zu lassen. Kritisch wird es nur dann, wenn ich mit ihm auch gern noch andere Ausflüge machen möchte, aber er zu viele Unterwassertage eingeplant hat. Hier gab es schon die eine oder andere Meinungsverschiedenheit und den ein oder anderen (fiesen) Spruch meinerseits. Dadurch wurde sein schlechtes Gewissen noch verstärkt, was gar nicht meine Absicht war. Sorry, Schatz!

In Ägypten habe ich die ursprüngliche Tauchreise für mich auch noch ein wenig aufgewertet, indem ich ihm vorschlug, kulturelle Ausflüge nach Luxor und Assuan zu unternehmen. Außerdem bestand ich noch auf einen gemeinsamen Schnorchel-Ausflug zum Dolphin House. Da er meines Erachtens viel zu zögerlich bei der Buchung der Reise war, konnte er sich dann Kommentare anhören wie: „Ich mache das alles nur für dich. Wegen mir müssen wir nicht dorthin reisen. Ich habe nicht den Eindruck, dass du wirkliches Interesse an dieser Reise hast.“ Und zack, hatte er wieder ein schlechtes Gewissen.

„Happy husband, happy life“

Auf den Malediven bekam ich mit, wie sich zwei Freundinnen darüber unterhielten, dass die eine unbedingt tauchen gehen wollte. Sofort war die andere wütend und fragte sie: „Ja, und was mache ich dann? Du kannst mich doch nicht allein lassen.“

Oh, doch! Man kann auch mal allein Zeit verbringen, wenn der Partner bzw. die Freundin seine/ihre Leidenschaft ausleben möchte. Ich bin der Meinung, dass man sich gegenseitig immer unterstützen sollte – auch bei unterschiedlichen Hobbys. Das Geheimnis unserer 17-jährigen Beziehung besteht darin, dem anderen auch mal seinen eigenen Spaß zu gönnen und ihm seine Freizeit-Wünsche umsetzen zu lassen. Hierfür muss man eben auch mal selbst zurückstecken und das stundenweise Alleinsein in Kauf nehmen, während der Partner tauchen geht.

Im Gegenzug dafür fuhren wir dann an einem Tag insgesamt 250km (vier Stunden!), nur damit ich in Oberstdorf am Nebelhorn Gleitschirm fliegen konnte. Hierbei hat er mich dann auch dankenswerterweise unterstützt.

Meine Erkenntnis nach meiner Tauch-Odyssee

Ursprünglich wollte ich den Tauchschein machen, um die atemberaubende Unterwasserwelt kennenzulernen. Ich wollte Schildkröten, Delfine sowie viele bunte Fische und Korallen mit eigenen Augen sehen. Auf unseren Reisen nach Indonesien, Sansibar, Mauritius und auf die Malediven habe ich eins gelernt: Man braucht gar keinen Tauchschein, um in Kontakt mit den Meeresbewohnern zu treten. Denn beim Schnorcheln sah ich bereits einen Walhai, mehrere Schildkröten, viele Schwarzspitzenhaie, Delfine, Rochen sowie zahlreiche bunte Fische und Korallen. All meine Erwartungen, die ich an das Tauchen stellte, wurden also bereits beim Schnorcheln erfüllt.

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich mir die Tauchodyssee mit dem Tauchschein ersparen können. Aber ich bereue diesen Schritt trotzdem keine Sekunde, denn nur durch meinen Vorschlag habe ich M an das Tauchen herangeführt, der nun nicht mehr davon loskommt. Er wird unter Wasser selbst zum Fisch, ist völlig begeisterungsfähig und kann nicht mehr genug davon bekommen. Auch wenn er absolut nicht der Typ ist, der Aktivitäten gern allein macht, ist er schon mehrfach über seinen Schatten gesprungen und ging ohne mich tauchen. Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass er in unseren Urlauben viel Zeit zum Tauchen einplant und ich in dieser Zeit allein etwas im Hotel unternehme. Umso gespannter bin ich dann immer auf seine GoPro-Videos, aus denen ich immer Fotos schneide und einen Best-of-Film erstelle.

Allen Frauen da draußen in der Welt, die meinen Artikel lesen, kann ich nur raten: Lasst eure Männer ruhig tauchen gehen. Wenn ihr sie unterstützt, werden sie euch ebenfalls bei all euren Vorhaben supporten.