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Das Dinner in the Sky in München und auf der ganzen Welt

Ich (die Frau) liebe Überraschungen. Deshalb habe ich schon Anfang Juli heimlich, still und leise zwei Tickets für das Dinner in the Sky 2019 über Jollydays gebucht. Diese exklusive Veranstaltung gastiert nur einmal jährlich in München – in diesem Jahr vom 25. bis 29. September 2019. Damit gehört die Isarmetropole neben Köln und Berlin zu den drei Orten in Deutschland, in denen das Speisen in 50 Metern Höhe angeboten wird.

Inzwischen hat sich das Dinner in the Sky, das ursprünglich aus Belgien stammt, zu einem weltweit beliebten Event etabliert. Sogar in der Forbes-Liste taucht es bei den “Most unusual events & restaurants in the world” auf. Mittlerweile war das fliegende Restaurant schon in über 45 Ländern zu Gast, u.a. in Frankreich, den USA, den VAE (Dubai), in den Niederlanden, in Japan sowie in Schweden, Taiwan, Portugal, Brasilien, Neuseeland, Malaysia und in Australien.

Wir nahmen an einem Samstag am Afternoon Tea in München teil und wollen unsere Erfahrungen an dieser Stelle teilen.

Informationen vorab: Teilnahmevoraussetzungen, Organisatorisches und das liebe Wetter

Teilnahmevoraussetzungen für das fliegende Dinner

  • Minderjährige dürfen nur in Begleitung eines Erwachsenen UND mit Einverständnis eines Erziehungsberechtigten teilnehmen. (Wenn der Minderjährige also mit seiner Oma kommt, musst er dennoch eine Einverständniserklärung seiner Eltern vorweisen können.)
  • Man darf pro Person maximal 140 kg wiegen.
  • Man muss mindestens 140 cm groß sein. Personen unter 140 cm können mit einer Sitzerhöhung dennoch teilnehmen, wenn dadurch die Mindestgröße erreicht wird (mit Veranstalter vor Ort abzusprechen).
  • Rollstuhlfahrer und Menschen mit anderen Behinderungen können teilnehmen.
  • Schwangere sollten nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt mitmachen.
  • Man muss sich mindestens 20 Minuten vor dem Eventbeginn am Veranstaltungsort einfinden, ansonsten verfällt das Ticket bei Versäumen des Abflugstermins.
  • Das Hausrecht bleibt dem Veranstalter vorbehalten. Daraus kann man entnehmen, dass vermutlich Personen, die unter Drogen- und Alkoholeinfluss stehen, nicht mitfliegen dürfen.

Quelle: Text auf der Buchungsbestätigung von Jollydays

Organisatorisches

  • Es gibt drei verschiedene Menüs mit jeweils mehreren Abflugzeiten:
    • den Lunch in the Sky: ein exklusives 3-Gang-Menü für 99€ pro Person
    • den Afternoon Tea in the Sky: Tea Time mit Panoramablick für 49€ pro Person
    • das Dinner in the Sky: ein edles 3-Gang-Menü inkl. Wein für 129€ pro Person
  • Eine Menüoption (Fleisch, vegetarisch oder vegan) muss bereits bei der Buchung ausgewählt werden.
  • Unverträglichkeiten bzw. Allergien müssen ebenfalls zwingend bei der Buchung angegeben werden.
  • Sonderwünsche wie ein Geburtstagskuchen, Jubiläumschampagner etc. sollten bei der Buchung angegeben und gegebenenfalls mit dem Veranstalter abgestimmt werden.
  • Das Rauchen ist auf der Dinner-in-the-Sky-Plattform nicht gestattet.
  • Kameras und Handys dürfen mitgebracht und während des Fluges genutzt werden.
  • Es ist keine Stornierung möglich. Ob man die Tickets verkaufen kann, ist uns nicht bekannt. Wir mussten unsere Namen angeben, diese sind auch auf dem Ticket vermerkt.
  • Der Afternoon Tea dauerte 45 Minuten, davon waren wir 30 Minuten in der Luft. Die reine Flugzeit beim Dinner und beim Lunch beträgt dagegen 60 Minuten.
  • Maximal 22 Personen nehmen pro Durchgang teil.
  • Man sollte dem Wetter angepasste Kleidung mitbringen. Es kann in der Höhe windiger und kälter sein als am Boden.
  • Meine Handtasche habe ich am Empfang abgegeben, eine andere Dame hatte ihre mit in der Luft.

Quelle: Text auf der Buchungsbestätigung von Jollydays

Das liebe Wetter

Auf der Buchungsbestätigung heißt es bezüglich des Wetters: “Bei extrem schlechten Wetterverhältnissen, die sicherheitstechnische Einschränkungen zur Folge haben, wird der betroffene Flug ausgesetzt. Dies erfolgt durch das technische Team im Falle von kontinuierlichen Windböen ab 15 Metern pro Sekunde [= 54km/h] sowie Gewitter mit Blitzeinschlägen oder anderen sicherheitsgefährdenden Naturgewalten.” (Quelle: Text auf der Buchungsbestätigung von Jollydays)

An unserem Ereignistag meldete der Deutsche Wetterdienst für den Münchner Raum Windböen mit einer Stärke von bis zu 44 Stundenkilometern, was glücklicherweise nicht zur Absage des Events führte.

Da die ganze Plattform überdacht ist, kann die Veranstaltung übrigens auch bei Regen durchgeführt werden.

Der Veranstaltungsort: Eine bittere Enttäuschung

Theresienhöhe, Viktualienmarkt oder Zenettistraße?  – Verwirrung um den Veranstaltungsort und fehlende Informationen vonseiten des Veranstalters

Als ich im Juli 2019 erstmalig vom diesjährigen Dinner in the Sky in München las, hieß es zunächst, das Event fände an der Theresienhöhe statt. Das konnte ich mir allerdings nicht im geringsten vorstellen, da zum geplanten Zeitpunkt das Oktoberfest auf der angrenzenden Theresienwiese abgehalten werden sollte. Bei der weiteren Recherche stieß ich dann auf die bei Google angegebene Adresse „Viktualienmarkt 3“. In der Annahme, dass wir am Viktualienmarkt in die Höhe gehen und von dort aus auf das Neue Rathaus, den Alten Peter und die Türme der Frauenkirche blicken würden, buchte ich voller Vorfreude zwei Tickets für den Afternoon Tea für M und mich. In der Buchungsbestätigung von Jollydays hieß es: „Der genaue Standort wird frühzeitig per Mail bekanntgegeben.“

Es vergingen von Anfang Juli bis Ende September noch einige Wochen, bis ein offizieller Eintrag zu der Veranstaltung in dem offiziellen München-Portal muenchen.de veröffentlich wurde. Plötzlich stand dort etwas von „Zenettistraße 11“. Dabei handelte es sich um eine Eventlocation direkt neben dem Schlachthofgelände irgendwo im Nirgendwo. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln war der Weg dorthin so umständlich, dass wir kurzerhand beschlossen, mit dem Auto hinzufahren. Geparkt haben wir kostenlos auf einem Parkplatz neben dem Ereignis.

Eine in der Buchungsbestätigung angekündigte E-Mail vom Veranstalter mit der genauen Angabe zum Ort erhielten wir nie. Wenn wir nicht selbst danach im Internet gesucht hätten, hätten wir den Ort bis zum Schluss nicht erfahren. Da wir zuvor immer noch nicht wussten, ob wir nun zur Zenettistraße oder zum Viktualienmarkt fahren sollten, schauten wir uns bei Instagram aktuelle Fotos vom Dinner in the Sky in München an. Den Viktualienmarkt oder die Türme der Frauenkirche haben wir dort nicht gesehen. Das führte also dann zu der Annahme, dass das Event nur in der Zenettistraße stattfinden konnte – und dem war auch so.

Die schlechte Aussicht von der Location

Wenn man sich zwei Tickets für das Dinner in the Sky in der Annahme bestellt, dass dieses am Viktualienmarkt stattfindet, dann ist man natürlich voller Vorfreude. Wenn dann allerdings das alte Schlachthofgelände auf der offiziellen München-Homepage als Austragungsort bekanntgegeben wird, kann man nur noch enttäuscht sein. Wir sahen unter anderem die emporragenden Türme vom Heizkraftwerk, viel zu viele Baukräne sowie die parkenden Autos und viele graue Fabrikhallendächer unter uns. Nur aus der weiten Ferne konnten wir die Bavaria und das Riesenrad auf der Wiesn, den Olympiaturm und die Frauenkirche erkennen. Für so ein erstklassiges Event eine solch schlechte Location auszusuchen, war für uns unbegreiflich.

Schon im Vorfeld hätten wir die Tickets am liebsten wieder storniert, doch das war in den AGBs von Jollydays leider nicht erlaubt. Wenn wir von Anfang an den wahren Ort gewusst hätten, hätten wir dieses Ereignis nicht in München gebucht. Andere vom Veranstalter gewählte Locations in anderen Ländern mögen vielleicht einzigartig und atemberaubend sein, aber auf das Schlachthofgelände in München treffen diese Attribute definitiv nicht zu. Die getätigten Beschreibungen auf der Homepage der Landeshauptstadt München („mit einer atemberaubenden Aussicht“, „sensationelle Aussicht“) entsprachen leider nicht der Realität.

Unser Erfahrungsbericht zum Afternoon Tea in the Sky – Und doch besser als erwartet

Eigentlich war unsere ganze Vorfreude auf unseren Afternoon Tea schon an dem Tag verflogen, an dem wir herausgefunden hatten, dass das Event nicht auf dem Viktualienmarkt, sondern auf dem Schlachthofgelände in der Zenettistraße stattfinden sollte. Es konnte also nur besser werden.

Dort angekommen, wurden wir erst einmal nett von einer Mitarbeiterin in Empfang genommen und erhielten unsere schwarzen Armbändchen. Die Farbe stand dabei für “normales Essen” – die Vegetarier und Veganer wurden anders markiert. In einem überdachten, mit Sitzmöbeln und Stehtischen ausgestatteten, Bereich versüßten wir uns zunächst das Warten mit einem Begrüßungssekt und Orangensaft. Und dann, als die an einem Kran hängende Plattform mit einer anderen Afternoon-Tea-Gruppe wieder zu Boden gelassen wurde, kam zum ersten Mal die Vorfreude in uns hoch. Vielleicht sollte es ja doch besser werden als erwartet?!

Nachdem wir meine Handtasche am Empfangstresen abgegeben und eine kurze Sicherheitseinweisung erhalten hatten, näherten wir uns unseren Sitzplätzen, wo auch schon die mit Clochen abgedeckten Teller bereitstanden. Das internationale Team vom Dinner in the Sky half jedem Einzelnen bei der Befestigung der Sicherheitsgurte – und dann wurden wir allmählich auf 50 Meter hochgezogen, wobei uns die Höhe viel niedriger vorkam. Die weichen Ledersitze waren äußerst bequem, man konnte sich darauf hin- und herdrehen sowie sich nach hinten fallen lassen. Bei musikalischer Umrahmung hingen wir 30 Minuten lang in der Luft und wurden immer leicht um geschätzte 80 Grad umhergedreht. Dabei umgaben uns hauptsächlich Kräne, die Türme des Heizkraftwerkes und uninteressante Wohnhäuser. Wie oben bereits erwähnt, waren die Bavaria und das Riesenrad auf der Theresienwiese sowie der Olympiaturm und die Frauenkirche nur sehr klein aus weiter Ferne zu erkennen. Das von uns geschossene Foto von den Türmen der Frauenkirche täuscht da ein wenig, weil wir diese mit der Kamera sehr nah heranzoomen mussten, damit sie größer erschienen.

Zu unserem Afternoon Tea wurden uns Tee, Kaffee und Wasser gereicht. Außerdem fanden wir auf unseren Tellern unter den Clochen jeweils drei Canapés mit Schinken, Salami, Thunfisch oder Käse vor, wobei nicht auf allen Tellern die gleichen Speisen lagen. Dazu gab es zwei Cantuccini und eine kleine Süßigkeit. Das Essen war im Allgemeinen lecker – aber wer satt werden wollte, der hätte sich lieber für den Lunch oder das Abendessen entscheiden sollen. Um ehrlich zu sein, waren die Speisen aber nur ein kleines Beiwerk, denn in Wahrheit ging es eher um das Prinzip, dass man einmal über den Dächern seiner Stadt “hängt” und dabei einen hervorragenden Blick auf die schönsten Sehenswürdigkeiten hat. Nach dem Essen konnten wir uns noch mit bunten Schildern (“Love is in the air”, “The sky is the limit”, “Fallschirm vergessen”) ablichten, ehe es wieder nach unten in die Tiefe ging. Mit einer Papiertüte voller Werbeartikel und Gutscheine wurden wir dann verabschiedet.

Unser Fazit zum Dinner in the Sky in München

So ein Dinner in the Sky ist eigentlich ein atemberaubendes Erlebnis, das auf jede Bucketliste gehört. Wenn der Veranstalter dafür einen besseren Ort in München ausgewählt hätte, hätte dieses noch viel spektakulärer ausfallen können als es letztendlich war. Wenn man von Anfang an ehrlich den Veranstaltungsort auf der Veranstaltungshomepage kommuniziert hätte, hätte man Enttäuschungen vorab schon vermeiden können. Es war ein absolutes Unding, dass wir die Location selbst online herausfinden mussten – jeder seriöse Anbieter hätte auf seiner Internetseite die genaue Adresse der Veranstaltung publiziert.

Das eigentliche Event vor Ort, aber auch das internationale Dinner-in-the-sky-Team sowie das Essen haben uns dagegen recht gut gefallen. Summa summarum würden wir dem Erlebnis in München die Schulnote 2,5 geben.


Links:

http://www.dinnerinthesky.com (internationale Homepage)

https://www.dinnerinthesky.de (deutsche Homepage)

Ticketbuchung über Jollydays