Unsere Reiseroute durch Portugal

Raus aus der Großstadt, rein in die Natur! Auf ins Douro-Tal! Wer nach Porto reist, sollte unbedingt auch einen Ausflug in die älteste Weinbauregion der Welt machen. Wir verbrachten eine Nacht auf dem Weingut Quinta de la Rosa in Pinhão und unternahmen dort auch eine Bootsfahrt im traditionellen Rabelo. Unsere gesamte Reiseroute durch Portugal gibt es <hier>.

Das Douro-Tal und der dort hergestellte Portwein

Der Beginn des Weinanbaus im Douro-Tal

Bereits seit über 2000 Jahren werden beidseitig an den Hängen des Douro-Tals Weintrauben angebaut, um daraus weinhaltige Getränke herzustellen. So hatten schon die Menschen in der Bronzezeit das große Potenzial der süßen Früchte entdeckt. Doch erst die Römer begannen damit, professionellen Weinanbau zu betreiben, der später von den Sueben (einem germanischen Volk) und den Mauren (von Berberstämmen aus Nordafrika) weiterentwickelt wurde. Im Jahr 1756 ließ der damalige Ministerpräsident Marquês de Pombal schließlich die Weinbauregion des Alto Douro (d.h. des oberen Bereichs des Douro) mit Steinen markieren und abgrenzen, um das Gebiet namensrechtlich schützen zu lassen. So wie ausschließlich der Schaumwein aus der französischen Region Champagne als “Champagner” bezeichnet werden darf, so darf auch nur der Wein aus dem portugiesischen Alto Douro als Portwein deklariert werden.

Aufgrund ihrer jahrhundertealten Weinbautradition gehört die Region am Oberlauf des Douro seit dem Jahr 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Geschichte des Portweins: Vom Douro-Tal nach Porto und dann hinaus in die Welt

Die Trauben, die man im Alto Douro für die Portweinherstellung anbaute, waren damals mit traditionellen Holzbooten, Rabelos, nach Porto transportiert worden. Dort wurden sie dann weiter zu Wein verarbeitet, sodass in Anlehnung an den Produktionsort der geschützte Name “Portwein” (kurz: “Port”) entstand. Dabei handelt es sich um einen speziellen Wein, der mit Weinbrand angereichert wird und daher einen hohen Alkoholgehalt zwischen 19 und 22 Volumen-% aufweist. Von der am Atlantik gelegenen Hafenstadt Porto aus wurde und wird das Getränk schließlich hinaus in alle Welt verschifft.

Die Bedeutung des Weinanbaus heute: Die Geschichte lebt weiter

Die jahrhundertelange Tradition des Weinanbaus wird natürlich auch heute noch weitergelebt. Auch heute noch wird auf den Weinbergen des Douro-Tals Wein angebaut. Auch heute noch beherrschen riesengroße Schilder, auf denen namhafte Weingüter für ihre Produkte werben, die Landschaft im Douro-Tal: Graham’s, Sandeman und Taylor’s sind nur einige von ihnen. Die vielen englischen Namen stammen von den Briten, die damals nach Portugal gekommen waren, um sich im Douro-Tal niederzulassen. Dort wollten sie Wein anbauen und diesen nach England verschiffen. Auch heute noch sieht man am Douro-Ufer in Vila Nova de Gaia die vielen Schilder und Lagerhallen der Weinproduzenten, die unter anderem geführte Touren durch ihre Weinkellereien anbieten.

Die wichtigsten Orte für einen Ausflug ins Douro-Tal: Von Porto bis Pinhão

Echte Weinliebhaber, die sich für die gesamte Geschichte des portugiesischen Weins interessieren, können daraus ihre eigene kleine Weinreise machen.

Je weiter man sich von Porto entfernt und je weiter man in das Douro-Tal vordringt, desto ursprünglicher und authentischer wird es. Die meisten Tagestouristen, die am Morgen von Porto aus in die Weinbauregion starten, kehren nämlich am Abend wieder zurück. Aufgrund des Zeitmangels fahren diese dann nur bis Peso da Régua. Wer aber wirklich das Beste vom Besten im Douro-Tal sehen und den Menschenmassen aus dem Weg gehen möchte, sollte möglichst weit in das Douro-Tal hineinfahren: nach Pinhão.

Erste Station: Porto

Die portugiesische Hafenstadt Porto, die dem Portwein ihren Namen gab, könnte der Ausgangspunkt für eine mehrtägige Weintour durch Nordportugal sein. Hier werden die Trauben aus dem Douro-Tal weiter zu Wein verarbeitet, der dann hinaus in die Welt verschifft wird. Wer auf den Spuren des Portweins wandeln möchte, ist im Portwein-Museum (Museu do Vinho do Porto) genau richtig.

Zweite Station: Vila Nova de Gaia (Must do!!!)

Bis zum Verfassen dieses Artikels hätten wir eigentlich gedacht, dass die prächtige Dom-Luís-I-Brücke zwei Stadtteile Portos miteinander verbinden würde. Das ist aber nicht der Fall, denn sobald man von Porto aus über die Brücke läuft, kommt man schon in einem anderen Ort heraus: in Vila Nova de Gaia, dem Zentrum der Portweinproduktion. Historische Weinkeller und Schilder von bekannten Weinproduzenten sowie eine Luftseilbahn (Teleférico) prägen das Stadtbild dieses Ortes. Jeder, der nicht extra ins Douro-Tal fahren möchte, kann in Vila Nova de Gaia an einer Weinführung mit anschließender Verkostung teilnehmen.

Dritte Station: Peso da Régua

Das Douro-Museum (Museu do Douro) in Peso da Régua gewährt einen Einblick in das Douro-Tal und in dessen Weinbaugeschichte. Auf dem Weingut Quinta do Vallado kann man anschließend einer Verkostung beiwohnen. Wir selbst besuchten Peso da Régua jedoch nicht.

Vierte Station: Lamego

Einen weiteren Zwischenstopp könnte man in der Feinschmeckerstadt Lamego einlegen, wo man sich den Schrein der Nossa Senhora dos Remédios auf dem Monte Santo Estevão anschauen könnte. Dieser erinnert ein wenig an den Bom Jesus do Monte in Braga. Auch die Kathedrale von Lamego ist einen Besuch wert. Wir selbst legten keinen Zwischenstopp in Lamego ein.

Fünfte Station: Pinhão (Must do!!!)

Das idyllische Örtchen Pinhão ist das absolute Highlight im gesamten Douro-Tal. Bereits bei unserem Sightseeing in Porto stießen wir auf ein riesiges Plakat, auf dem das Douro-Tal abgebildet war. Beim genaueren Hinschauen lasen wir dann “Pinhão”. Und auch in unserem Reiseführer von Lonely Planet wurde ein Foto aus Pinhão verwendet, um für das Douro-Tal zu werben. Also hatten wir mit der Wahl dieses traumhaft schönen Städtchens alles richtig gemacht. In Pinhão übernachteten wir auf dem Weingut Quinta de la Rosa, nahmen dort an einer Führung durch die Weinberge teil und fuhren mit dem typisch traditionellen Holzboot Rabelo über den Douro. Pinhão liegt 127 Kilometer von Porto entfernt und ist sowohl mit dem Zug als auch mit dem Mietwagen gut zu erreichen.

Die schönsten Aktivitäten im Douro-Tal im Überblick

Im Folgenden möchten wir die möglichen Aktivitäten im Douro-Tal kurz zusammenfassen:

  • Übernachtung auf einem Weingut (Quinta)
  • Teilnahme an einer Führung über ein Weingut und evtl. durch die Produktionshallen
  • eine Portweinverkostung auf einem Weingut
  • Spaziergänge durch die Weinberge auf eigene Faust (Achtung: Die Weinhänge sind in Privatbesitz und dürfen nur besucht werden, wenn man auf der jeweiligen Quinta übernachtet.)
  • Fahrt im traditionellen Rabelo auf dem Douro
  • Besuch des Douro-Museums in Peso da Régua
  • Besichtigung des Schrein der Nossa Senhora dos Remédios in Lamego

Das Weingut Quinta de la Rosa in Pinhão im Douro-Tal – Unser Erfahrungsbericht

Unsere Übernachtung auf dem Weingut

Wer sich etwas wirklich Exklusives gönnen möchte, der sollte sich unbedingt ein Zimmer auf dem Weingut Quinta de la Rosa buchen. Wir verweilten eine Nacht in dem Superior Room Patrizia mit Blick auf den Douro und die Weinberge. In dem liebevoll eingerichteten Raum erkannnten wir sofort, dass wir uns auf einem Weingut befanden: Die Minibar war mit Quinta-de-la-Rosa-Weinen gefüllt und Weinkisten wurden dekorativ zu Nachttischschränkchen umfunktioniert. Außerdem war das Bad geschmackvoll mit Azulejos verziert. Im Übrigen wurden die einzelnen Zimmer nach den Mitgliedern der Inhaberfamilie Bergqvist benannt.

Die nötige Abkühlung fand man im hoteleigenen Pool, der direkt auf die Weinberge und den Douro zeigte.

Wer auf dem Weingut übernachtete, durfte auch auf eigene Faust durch das Gelände wandern. Beim Check-in bekam man eine Karte mit zwei möglichen Wanderrouten ausgehändigt.

Tipp: Uns wollte das Navi auf dem Rückweg oben lang über Sabrosa zurück nach Porto leiten. Wir haben auf dieser Route aber sehr schnell gemerkt, wie eng die Straßen wurden, und drehten wieder um. Deshalb empfehlen wir allen eindringlich, unten lang durch den Ort Pinhão zurückzufahren.

Das erstklassige Weingut-Restaurant Cozinha da Clara

Das mit Abstand leckerste Essen während unserer gesamten Portugal-Rundreise nahmen wir im Restaurant Cozinha da Clara (dt.: Claires Küche) zu uns, das zum Weingut Quinta de la Rosa dazugehört. Es war erst im Sommer 2017 eröffnet und nach der Großmutter Claire benannt worden. Bei den hochwertigen Speisen würde es uns nicht wundern, wenn das Restaurant in den nächsten Jahren mit Michelin-Sternen oder Gault-Millau-Kochmützen ausgezeichnet werden würde. Dass man ein solches Geschmackserlebnis auch preislich würdigen muss, versteht sich (leider) von selbst.

Das Frühstücksbuffet wird im Übrigen auch in diesem Restaurant serviert. Und den kostenlosen Begrüßungssekt, für den man beim Check-in einen kleinen Voucher erhält, kann man ebenfalls zu jeder Tageszeit in “Claires Küche” zu sich nehmen. Außerdem stammt das in dem Restaurant angebotene Olivenöl von den Olivenbäumen, die auf dem Weingut gedeihen.

Unsere Weingut-Führung über die Quinta de la Rosa zu Beginn der Traubenlese

Dass es sich bei dem La Rosa um ein familiengeführtes Traditionsunternehmen handelt, wurde während der Führung durch das Weingut immer wieder deutlich. Da wir die Quinta zu Beginn der Weinlese besuchten und sich die Geschäftsführerin, Sophia Bergqvist, selbst ein Bild von der Qualität der diesjährigen Trauben machen wollte, führte sie uns höchstpersönlich durch ihre Weinberge. Dabei erzählte sie uns alles über ihre Familiengeschichte und den Weinanbau. So reichen die Anfänge ihrer Portwein-Produktion zurück in das Jahr 1815. Im Jahre 1906 erhielt Claire, Sophias Oma, die Quinta de la Rosa als Taufgeschenk. Sophia schilderte uns, dass ihre Oma in ihren Tagebüchern festgehalten hatte, wie anstrengend und zeitintensiv der Bau der Weinbergmauern gewesen war. Nicht allzu lange Zeit vor unserem Besuch war eine dieser Steinmauern eingestürzt, deren Wiederaufbau 10.000 € gekostet haben soll, wie uns Sophia berichtete.  Als Claire starb, übernahm ihr Sohn Tim, Sophias Vater, das Geschäft. Zur damaligen Zeit verkaufte die Familie Bergqvist noch ihre Trauben an den bekannten Weinproduzenten Sandeman. Doch damit war 1988 Schluss, denn zu diesem Zeitpunkt gründeten Tim und Sophia ihre eigene Weinmarke “Quinta de la Rosa”, die sie in den folgenden Jahren immer weiter verbesserten und in alle Welt exportierten. 1990 gehörten sie mit zu den ersten Weingütern, die die Rotweinproduktion im Douro-Tal  wieder aufleben ließen. Seit 2002 sorgt auch der Winzer Jorge Moreira auf der Quinta de la Rosa dafür, die Qualität der Weine immer weiter zu perfektionieren. Bei unserer Führung durch das “Vale do Inferno” (Höllental) lernten wir ihn kurz kennen, weil er sich mit Sophia über die diesjährige Traubenernte unterhielt. Die Engländerin schwärmte während der gesamten Besichtigung in den allerhöchsten Tönen von ihm.  Dass Jorge Moreira wirklich ein erstklassiger Winzer sein muss, zeigt auch seine Ehrung aus dem Jahr 2002, als er offiziell zum besten “Winemaker” von ganz Portugal ausgezeichnet worden war. Im Jahr 2009 wurde La Rosa im internationalen Weinwettbewerb für den “besten Wein Portugals” mit der Goldmedaille prämiert. 2011 erhielt das Unternehmen auf beide (Port-) Weine 95 von 100 Punkten im internationalen Contest. Inzwischen werden die Weine der Quinta de la Rosa in über 30 Länder weltweit verkauft.

Aktuell verfügt das Familienunternehmen über eine Anbaufläche von 55 Hektar, die pro Jahr ca. 50.000 Liter Portwein und 100.000 Liter Wein erzielen.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte uns die Britin nur durch ihre Weinberge führen, uns aber nicht die Produktions- und Lagerhallen zeigen. Dennoch waren wir natürlich froh, als sie uns Anfang September, zu Beginn der Weinlese, Gartenscheren in die Hand drückte, damit wir auch ein paar Trauben selbst ernten konnten. Dabei landete die ein oder andere süße Frucht auch in unseren Mündern.

Normalerweise findet nach der Weinführung noch eine kostenpflichtige Verkostung statt, aber da M keinen Alkohol trinkt und ich keinen Wein mag, verzichteten wir darauf.

Eine Fahrt im traditionellen Rabelo von Pinhão nach Tua und zurück

Während unseres zweitägigen Aufenthaltes in Pinhão, dem allerschönsten Ort des gesamten Douro-Tals, wollten wir natürlich auch die nähere Umgebung kennenlernen. Und wie ging das am besten? Natürlich vom Boot aus, mit dem wir zwei Stunden über den Douro schipperten. Dabei entschieden wir uns bewusst für ein typisches Rabelo, mit dem auch die Weinfässer und die Weintrauben vom Douro-Tal bis nach Porto transportiert worden waren. Bei herrlichstem Wetter glitten wir über das Wasser von Pinhão nach Tua und wieder zurück. Neben den ganzen Weinbergen und Weingütern (Quintas) sprangen uns dabei auch die vielen überdimensional großen Schilder der Weinproduzenten ins Gesicht, die überall an den Hängen platziert waren. Ebenso beeindruckend war es für uns, unser eigenes Weingut, die Quinta de la Rosa, einmal vom Wasser aus sehen zu können. Als kleines Schmankerl durften wir während der Bootsfahrt auch noch den Portwein verkosten.

Ein kleiner Spaziergang durch Pinhão

Lohnenswert ist auch ein kleiner Spaziergang durch das Dörfchen Pinhão. Dabei kann man vorn am Wasser entlang laufen und dann hinten am Bahnhof zurückflanieren. Wer sich für die portugiesische Fliesenmalerei interessiert, sollte sich die Azulejos in dem Bahnhof von Pinhão nicht entgegen lassen, auf denen auch Szenen der Weinlese dargestellt werden.

Die für uns beste Aussicht hinein ins Douro-Tal: Covas do Douro

Die für uns beste Aussicht hinein ins Douro-Tal entdeckten wir nur durch Zufall, weil uns das Navi ab der Quinta de la Rosa nach oben Richtung Sabrosa leiten wollte. Dabei kamen wir an dem Örtchen Covas do Douro vorbei, in dem wir für ein paar Schnappschüsse unbedingt am Straßenrand anhalten mussten. Wir fuhren also von unserem Weingut aus weiter nach oben und drehten wieder um, als wir merkten, dass uns die Straßen viel zu eng wurden.

Fazit: Lohnt sich ein Ausflug ins Douro-Tal?

Zugegebenermaßen trinkt M gar keinen Alkohol – schon die Verkostung in einem Weinkeller in Bordeaux war ihm zu viel. Und auch ich bin nicht der allergrößte Fan von bitterem oder trockenem Wein. Dennoch hat uns das Douro-Tal vollkommen in seinen Bann gezogen. Dieses idyllische Fleckchen Erde sollte man sich auf seiner Rundreise durch Portugal auf gar keinen Fall entgehen lassen. Gerade nach den Zwischenstopps in den Großstädten Lissabon und Porto sorgt ein Aufenthalt im Douro-Tal für die nötige Entschleunigung und Entspannung. Es lohnt sich absolut, weit in das Alto Douro hineinzufahren und in Pinhão auf einem Weingut zu übernachten. Die Quinta de la Rosa würden wir jedem uneingeschränkt weiterempfehlen, weil sie neben Übernachtungsmöglichkeiten auch Weinführungen und Verkostungen anbietet.


Links:

Das Weingut Quinta de la Rosa

Unser Bootsfahrt-Anbieter PortoDouro