Das ist also das Surferparadies Nazaré

Die beste Aussicht auf die Monsterwellen und die beste Jahreszeit zum Surfen in Nazaré

“Ich will unbedingt nach Nazaré”, ließ M (er) schon vor unserer Portugal-Rundreise euphorisch verlauten. “Naza…. was? Kenne ich nicht.” “Na dort bezwingen echte Profi-Surfer über 20 Meter hohe Monsterwellen – das liest man doch immer in der Presse.”

Na gut, dann fuhren wir also nach Nazaré. Ein Umweg war das für uns auch nicht, denn wir mussten ja sowieso irgendwie von Lissabon nach Porto kommen. Schon während der Fahrt hatte sich nicht nur M auf das Bevorstehende gefreut, sondern auch ich, denn ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich die Surfer in den hohen Wellen fotografieren könnte. Hätte ich doch lieber mein langes Teleobjektiv mitnehmen sollen? Naja, jetzt war es dafür auch zu spät, wir waren ja schon fast dort angekommen.

Wie unsere Recherche im Vorfeld ergeben hatte, hätte man wohl von der Festung São Miguel Arcanjo (Forte de São Miguel Arcanjo) aus den besten Blick auf die riesigen Monsterwellen. Also ließen wir uns von unserem Navi auch direkt dorthin bringen. Da sich das Fort und der dazugehörige Leuchtturm schon zu nah an den Klippen befanden, durfte man dort aber nicht mit dem Auto parken, sodass wir unseren Mietwagen etwas weiter oben irgendwo am Straßenrand neben ein paar Wohnhäusern abstellten.

Von der Festung São Miguel Arcanjo aus hatte man tatsächlich den besten Blick auf beide Strände von Nazaré: einmal auf den Nordstrand (Praia do Norte) und einmal auf den Nazaré-Strand (Praia da Nazaré).  Die Profi-Surfer trifft man – wenn sie denn überhaupt da sind – nur am Nordstrand, weil es auch nur dort die hohen Monsterwellen zu sehen gibt. Am Tag unseres Besuches war der Praia do Norte komplett leer gefegt: Es gab weder Surfer noch die lang ersehnten Riesenwellen zu bestaunen. Erst nach unserem Urlaub fanden wir zu Hause heraus, dass die besonders hohen Wellen eher im Winter auftreten und diese dann auch Surfer aus der ganzen Welt anlocken würden. In dem unruhigen Meeresabschnitt wollte an diesem Tag dennoch niemand baden, denn kleinere, kräftige Wellen gab es ja trotzdem. Ruhiger verhielt sich das Meer dagegen am Nazaré-Strand, wo sich mehrere hundert Menschen auf ihren Liegen sonnten oder im Wasser vergnügten.

Surf-Weltrekorde

Die Natur ist unberechenbar. Und so lassen sich die Tiersichtungen auf einer Safari in Afrika genauso wenig herbeibeschwören wie die Monsterwellen von Nazaré. Sie kommen, wann immer sie wollen – aber nicht, wann immer man sie sehen will. Aber es scheint sie dennoch zu geben, die bis zu 30 Meter hohen Wellen, die sich unkontrolliert und mit voller Wucht dem Strand nähern. Und wenn sie dann mal auftreten, gibt es auch noch eine Reihe waghalsiger Profi-Surfer, die sich genau dann in die Monsterwellen stürzen, auch wenn diese so hoch sind wie ein achtstöckiger Wolkenkratzer. Da die Wellen so groß, schnell und kraftvoll sind, müssen die Surfer von Jet-Ski-Fahrern in diese hineingezogen werden.

Zu den Weltrekorden aus Nazaré:

  • Im Jahre 2011 stellte Garrett McNamara mit 23,77 Metern den Weltrekord bei den Männern auf. Dieser wurde 2017 von Rodrigo Koxa mit 24,38 Metern gebrochen.
  • Unter den Frauen bezwang die Brasilianerin Maya Gabeira 2018 eine Welle mit 20,72 Metern und gelang damit an die Weltspitze. Im Februar 2020 übertraf sie ihre eigene Leistung mit 22,40 Metern und stellte damit einen neuen Frauen-Weltrekord auf.

Stand: Ende September 2020. Weltrekorde können sich jederzeit ändern.

Wie entstehen die hohen Wellen von Nazaré?

Aber warum tummeln sich im Sommer hunderte Badegäste an dem sehr ruhigen Nazaré-Strand (Praia da Nazaré), während nur ca. einen Kilometer weiter am Nordstrand (Praia do Norte) bis zu 30 Meter hohe Wellen mit voller Wucht aufs Ufer zusteuern? Die beiden Meeresabschnitte liegen relativ dicht beieinander und doch gibt es diese einzigartigen Monsterwellen nur am Nordstrand.

Grund für diesen Unterschied ist eine 230 Kilometer lange und bis zu fünf Kilometer tiefe Meeresschlucht vor der Küste, die direkt auf den Nordstrand zuläuft. Dieser Tiefseegraben wird auch offiziell als “Nazaré-Canyon” bezeichnet. Da sich aus dessen Beschaffenheit signifikante Unterschiede in der Meerestiefe ergeben, bauen sich gerade nach heftigen Stürmen riesengroße Surferwellen am Nordstrand auf, die bis 30 Meter hoch werden können. Wie man genau die Höhe der Riesenwellen misst, haben wir aber leider nicht herausfinden können.

Impressionen aus Nazaré

Der beste Blick auf die Monsterwellen von Nazaré: Der Aussichtspunkt an der Festung São Miguel Arcanjo (Forte de São Miguel Arcanjo)

Nicht ganz ungefährlich: Der Abstieg zum Nordstrand (Praia do Norte)

Direkt von der Festung São Miguel Arcanjo aus wagten wir den nicht ganz ungefährlichen Abstieg nach unten. Auch das Gefahrenschild, das vor herabstürzenden Felsbrocken warnte, konnte uns davon nicht abhalten.

Schneller nass geworden, als man denkt: Der Nordstrand in Nazaré

Auch falls man an seinem auserwählten Besuchstag weit und breit keine Monsterwellen am Nordstrand zu Gesicht bekommen sollte, sollte man nicht zu nah an das Wasser herangehen. Denn auch die kleineren starken Wellen können schnell mal unterschätzt werden und näher am Ufer aufschlagen, als man denkt. Wir beide wurden zwar selbst nicht nass, aber ein anderes Mädel, das direkt neben den Klippen für ihre Fotos posierte, dagegen schon.

Baden am überfüllten Nazaré-Strand (Praia da Nazaré)

Bummeln durch die Innenstadt von Nazaré

Wenn wir noch mehr Zeit gehabt hätten, wären wir auch noch länger in dem kleinen hübschen Touristenörtchen geblieben, das leider viel zu überfüllt war. Auf der Fahrt von Lissabon nach Porto könnte man dort in Nazaré auch eine Übernachtung einplanen und am Abend dem herrlichen Sonnenuntergang über dem Atlantik beiwohnen.