Die Anreise zum Ranthambhore-Nationalpark – Vorbei an authentischen indischen Dörfern

Ein bemalter Elefant am Straßenrand, umherlaufende Kühe und Kamele, komplett überfüllte Busse oder bis zu fünf Personen auf einem Motorrad – das alles bekamen wir auf unserer sechsstündigen Fahrt von Agra zum Ranthambhore-Nationalpark zu Gesicht. Die Menschen in den indischen Dörfern lebten teilweise in Blechhütten, vor denen ihre Nutztiere anzutreffen waren. Auch wurden wir häufiger Zeuge davon, wie Ziegen-, Schaf- oder Kamelherden auf den Straßen entlanggetrieben wurden. Besonders beeindruckten uns zudem die bunt gekleideten Frauen, die schwere Gegenstände auf ihren Köpfen ausbalancierten und umhertrugen. Leider sahen wir aber auch viel Armut, Müll und Dreck sowie viele vertrocknete Pflanzen. Und das Chaos auf den Straßen blieb ebenfalls nicht unentdeckt.

Unser Hotel: Das Sher Garh Resort

Das Sher Garh Resort ist eine grüne Oase inmitten einer sandigen, staubigen, braunen, vertrockneten Landschaft. Wie eine Festung oder ein Königspalast sah das Resort aus. Dieses bot zahlreiche Outdoor-Sitzgelegenheiten, wo man ganze Abende verbringen konnte. Auch der Hotelpool muss an dieser Stelle als Pluspunkt erwähnt werden. Ein Highlight war das äußerst romantische Candle-Light-Dinner am Pool zu meinem 30. Geburtstag. Hierzu hatten zwei Hotelangestellte einen Tisch mit Rosenblüten und ganzen Rosenköpfen dekoriert, was wohl nach deren Aussagen mehrere Stunden gedauert haben soll. Wir freuten uns über einen wunderschönen Abend und eine ganz tolle Zeit in diesem Resort.

Der M & M Footprints Pärchentipp
Das Sher Garh Resort bietet romantische Candle-Light-Dinner in trauter Zweisamkeit direkt am Pool an. Wer Interesse daran hat, sollte dieses schon im Voraus buchen.

Auf der Suche nach dem Bengalischen Tiger im Ranthambhore-Nationalpark – Unsere Erfahrungen und Tipps

Infos zum Ranthambhore-Nationalpark (u.a. zu den Sektoren)

Der Ranthambhore-Nationalpark war einst ein privates Wildtierreservat des Königshauses von Jaipur. Auch heute noch thront die inzwischen verwilderte Festung Ranthambhore aus dem 10. Jahrhundert über der hügeligen Landschaft. Der Nationalpark zieht jährlich von Oktober bis Juni tausende Besucher aus aller Welt in seinen Bann. In den anderen Monaten, sprich in der Regenzeit, sind die Straßen in dem Naturschutzgebiet so stark überflutet, dass diese nicht mehr für die Allgemeinheit zugänglich sind. Aus diesem Grund bleibt der Park in der Regenzeit geschlossen. In dieser Zeit soll es auch schon vorgekommen sein, dass einzelne Tiger aus dem Reservat ausbrachen und die umliegenden Dörfer heimsuchten. Das besondere Highlight im Ranthambhore-Nationalpark sind die Bengalischen Tiger (auch Königstiger genannt), die man hier in freier Wildbahn beobachten kann. Aber auch Faultierbären, Leoparden, Schakale, Hyänen sowie Indische Mungos, Hirsche und Antilopen leben in dem Park. Mit ein bisschen Glück kann man mitunter auch Krokodile, Schildkröten und Königsgeier antreffen.

Der Ranthambhore-Nationalpark untergliedert sich in 10 unterschiedliche Sektoren, die alle landschaftlich komplett verschieden sind. Der tägliche Zufall entscheidet darüber, welche Jeeps durch welche Zonen fahren dürfen. Nicht in jedem Sektor dürfen alle Fahrzeuge verkehren. Man unterscheidet die LKWs für bis zu 20 Touristen, die Jeeps mit sechs Personen sowie die privaten Jeeps mit zwei Personen. Wir selbst waren dreimal mit den 6-Personen-Jeeps unterwegs und wurden den Sektoren 4, 6 und 10 zugeteilt.

Zu unserer Reisezeit im April 2018 lebten in den Sektoren 4 und 6 jeweils vier Bengalische Tiger. Auch der Sektor 10, der flächenmäßig mit am größten sein soll, beherbergte vier Königstiger. Unter ihnen befand sich auch die älteste und größte Raubkatze des gesamten Nationalparks. Da im Sektor 2 sogar neun Tiger lebten und die Chance auf Tiersichtungen dadurch erheblich stiegt, war dieser Sektor seinerzeit heiß begehrt. Hier kamen angeblich nur VIP-Gäste herein, die ein bisschen mehr Geld dafür bezahlten.

Allgemeine Tipps für eure Safaris

Wenn man bereits auf einer Safari in Afrika war, kommt man mit entsprechend hohen Erwartungen nach Indien, um sich die Bengalischen Tiger anzuschauen. Auf unserer Safari in Südafrika war es üblich, dass uns die hervorragend ausgebildeten Guides und Ranger alles zu den Tieren und ihren Verhaltensweisen erklärten. Mit Leib und Seele waren sie stets dabei, möglichst viele Raubkatzen, Nashörner, Elefanten und Giraffen aufzuspüren.

Die Fahrer im Ranthambhore-Nationalpark fungieren dagegen nur als Taxis, die die Touristen durch die Natur fahren und auf Tiger hoffen. Sie sind weder als Ranger ausgebildet noch sprechen sie Englisch. Ihre Motivation und Begeisterungsfähigkeit halten sich erheblich in Grenzen. Aber ihren Unmut über zu wenig oder gar kein Trinkgeld konnten sie dagegen sehr offen zum Ausdruck bringen – ganz zum Ärger der Touristen.

Hier sind unsere allgemeinen Tipps für eine Safari im Ranthambhore-Nationalpark:

  • Erwartet in Indien nicht zu viel von den Fahrern. Safaris in Indien sind definitiv nicht mit Safaris in Afrika vergleichbar.
  • Nehmt euch für die Morning-Safaris eine Jacke mit.
  • Vergesst die Sonnencrème und den Hut nicht auf den Nachmittags-Safaris.
  • Wenn ihr die Wahl habt, solltet ihr nur an Safaris am Morgen und am Abend teilnehmen. Bei den Mittags-Safaris ist es zu heiß für die Tiere, sodass sich diese irgendwo im Schatten verstecken. Die Chance auf eine Tiger-Sichtung am Nachmittag ist daher extrem gering.
  • Ganz wichtig: Bucht unbedingt mehrere Safaris. Wir nahmen innerhalb von zwei Tagen an drei Safaris teil. Plant auch mit ein, dass ihr auf einer Safari gar keine Raubkatze sehen könntet.

Unsere Trinkgeld-Erfahrungen auf Tiger-Safaris in Indien

An dieser Stelle möchten wir noch das Thema “Trinkgeld” ansprechen, das wir gemeinsam mit den vier jungen Indern aus Udaipur auf unserer dritten Safari erörterten. Grundsätzlich ist das Einkommen der Fahrer gering und viele Touristen geben nur bei der Sichtung von Tigern Trinkgeld. Finden die Fahrer keine Tiger, gibt es meistens auch keine monetäre Belohnung dafür.

Ob und wieviel Trinkgeld man gibt, ist von drei Faktoren abhängig. Es kommt darauf an…

  • wie viele Tiger man zu Gesicht bekommt,
  • ob der Fahrer viel erklärt,
  • ob ein Fahrer möglichst oft bei den Tieren anhält oder einfach nur schnell “weiterbrettert”.

Und so hielten wir es mit dem Trinkgeld:

  • Auf unserer ersten Safari erspähten wir zwei Tiger, aber gaben aufgrund unserer Unzufriedenheit kein Trinkgeld. Die anderen vier Inder gaben zusammen 200 Rupien, worüber sich der Fahrer auch nicht sehr erfreut zeigte.
  • Auf unserer zweiten Safari gaben wir 400 Rupien für den Fahrer und den Guide zusammen, obwohl wir keinen einzigen Tiger sichteten. Besonders dreist fanden wir dann allerdings, dass die beiden ihren Ärger über das zu geringe Trinkgeld offen zum Ausdruck brachten. Die anderen Mitreisenden aus unserem Jeep gaben ihnen nichts.
  • Auf unserer dritten Safari gaben wir dem Fahrer 500 Rupien, weil wir uns so sehr über die drei Tiger freuten. Die vier jungen Inder aus Udaipur verweigerten allerdings das Trinkgeld, weil sie über die spärlichen Erklärungen und die mangelnde Kommunikationsbereitschaft des Fahrers verärgert waren.

Im Übrigen kann man die Trinkgeld-Richtlinien für Indien nicht auf Afrika übertragen. Für eine ganze Safari-Woche erwarten die afrikanischen Guides und Ranger schon mal einen dreistelligen Euro-Betrag. Das liegt leider daran, dass die Amerikaner mit ihren hohen Trinkgeldern die Erwartungen der Guides extrem in die Höhe katapultiert haben. Als bescheidener oder geiziger Europäer kann man da nicht mithalten.

Unsere Safari-Erfahrungen im Einzelnen

Unsere erste Safari am Morgen (Zone 4)

Zu unserer ersten Morning-Safari durch den Sektor 4 wurden wir bereits um kurz vor 7:00 Uhr von einem Jeep in unserem Hotel abgeholt. Doch bevor es losging, hatte es noch ein “Frühstück light” mit Kaffee und Keksen gegeben; das richtige Frühstück gab es erst nach der Rückkehr. Im Vergleich zu den hohen Tagestemperaturen von bis zu 40°C war es in der Früh sehr kalt, sodass man sich unbedingt eine Jacke mitnehmen sollte. Auf unserer ersten Safari erspähten wir viele Pfauen, Eulen, Affen, Rehe, Hirsche sowie Antilopen, indische Gazellen und eine Schildkröte. Aber damit konnten wir uns noch nicht zufriedengeben, denn diese Tiere waren nicht der Grund für einen Abstecher in den Ranthambhore-Nationalpark. Zu unserem Glück bekamen wir das Highlight des Parks dann endlich in zweifacher Ausführung zu Gesicht: zwei männliche Bengalische Tiger, die gerade dabei waren, sich zum Frühstück einen Hirsch zu teilen. Laut Aussagen unseres Guides sei es besonders schwer, männliche Tiger zu sichten. Und wir hatten gleich doppeltes Glück! Abgesehen von den beiden Königstigern entpuppte sich unsere Safari allerdings als Reinfall: Unser Fahrer, der kein Englisch sprechen konnte, bretterte in Windeseile durch den Park, ohne bei vielen Tieren anzuhalten, denen wir auf dem Weg begegneten. Dadurch, dass er “nur” der Fahrer war und kein Englisch konnte, erklärte er auch nichts zu den Tieren und ihren Verhaltensweisen. Von unseren Safaris in Südafrika waren wir da weitaus Besseres gewohnt. Nur die vier Inder, die mit uns im Jeep saßen, unterhielten sich mit uns und übersetzten die ein oder andere Information für uns. Da uns auch der Fahrer so unsympathisch und unfreundlich herüberkam, verweigerten wir ihm am Ende das Trinkgeld.

Unsere zweite Safari am Nachmittag (Zone 10)

Bereits am selben Tag, um 14:00 Uhr, wurden wir ein zweites Mal zu unserer Nachmittags-Safari im Hotel abgeholt. Diesmal wurden wir neben dem Fahrer auch von einem englischsprachigen Guide begleitet, der uns viel mehr erklären konnte. Da wir jedoch hinten im Jeep saßen, verstanden wir akustisch leider nicht ganz so viel von seinen Ausführungen. Bei unserer zweiten Safari wurden wir dem Sektor 10 zugeteilt, in dem vier Tiger lebten, darunter auch der größte und älteste Löwe des Nationalparks. Obwohl wir sämtliche Plätze und Wasserstellen abfuhren, bekamen wir auf unserer zweiten Safari am Nachmittag keinen einzigen Tiger zu Gesicht. Da halfen auch keine “Miez, Miez, Miez”-Rufe oder Whiskas-Anlockideen der anderen Mitreisenden. Als dann plötzlich das Telefon unseres Guides klingelte, prophezeiten die anderen Touristen lautstark: “The tiger is calling!”, was sich leider ebenfalls als falsch herausstellte. Aus Südafrika kannten wir es nämlich, dass sich die Ranger gegenseitig über die Tiersichtungen informieren. Außerdem wussten wir daher schon, dass die besten Tierbeobachtungen nur morgens und abends möglich sind, weil sich die Tiere in der extremen Mittagssonne lieber verstecken. Deshalb kann man sich solche Nachmittags-Safaris eigentlich auch sparen. Zu unserem Erstaunen fiel die Vegetation in den einzelnen Parkzonen vollkommen unterschiedlich aus. Der Sektor 10 war eher steinig, hügelig und dicht bewachsen.

Unsere dritte Safari am nächsten Morgen (Zone 6)

Am nächsten Morgen wurden wir für die dritte Safari wieder sehr zeitig in unserem Resort abgeholt. Dieses Mal wurden wir dem Sektor 6 zugeteilt, in dem weniger Bäume und Sträucher wuchsen als im Sektor 10. Dadurch hatte man auch eine viel weitere Sicht als am Vortag. Dieses Mal saßen wir mit vier jungen Indern aus Udaipur im Jeep, die besser Englisch sprechen konnten als unsere Guides. Da auch der Fahrer unserer dritten Safari kein Englisch beherrschte, übersetzten uns die jungen Inder ganz viele Informationen. Sie waren so begeisterungsfähig und kannten sogar die Tiger beim Namen. Wenn man sich seine Jeep-Mitreisenden aussuchen könnte, dann sollte man sich lieber für Inder als beispielsweise für Deutsche oder Schweizer entscheiden. Denn die Inder verstehen die indischen Fahrer und können deshalb viel besser Übersetzungsarbeit leisten. Eigentlich hätten wir deshalb den jungen Indern aus Udaipur das Trinkgeld geben müssen. Auf unserer dritten Safari erspähten wir sogar drei(!) Tiger auf einmal, nämlich eine Tiger-Mutter mit ihren beiden jugendlichen Kindern. Sie lagen nicht irgendwo herum, sondern liefen hintereinander her und waren gerade auf Nahrungssuche. Da wir diese drei Bengalischen Tiger bereits am Anfang unserer Safari sichteten, waren alle Gäste schon zufriedengestellt. Also standen wir und die anderen Jeeps die restliche Zeit nur sinnlos irgendwo herum oder fuhren plan- und ziellos durch den Nationalpark.

 

Fazit: Lohnt sich ein Besuch des Ranthambhore-Nationalparks?

Wer unbedingt einmal den Bengalischen Tiger in seinem natürlichen Habitat erleben möchte, sollte in Indien unbedingt an einer Safari teilnehmen. Wir selbst erspähten auf insgesamt drei Safaris “nur” fünf Tiger und waren damit sehr zufrieden. Andere deutsche Touristen, die wir auf unserer Rundreise trafen, waren extra per Inlandsflug zu einem anderen Tiger-Nationalpark geflogen, wo sie keine einzige Raubkatze zu Gesicht bekamen. Wer sich für eine Safari entscheidet, der sollte sich darüber bewusst sein, dass Tiersichtungen niemals garantiert werden können. Im schlimmsten Fall ist eine Extra-Anreise in einen Nationalpark völlig umsonst, weil man – abgesehen von ein paar Antilopen und Hirschen – keinen einzigen Königstiger sieht. Die freie Wildbahn ist eben kein Zoo. Wenn man sich darüber im Klaren ist und dann auch noch mehrere Tiger sichtet, dann lohnt sich ein Ausflug in den Ranthambhore-Nationalpark auf jeden Fall.


Links:

Erfahrungen mit Mocca Travels

Unser Hotel: Das Sher Garh Resort

Wir waren mit der Reiseagentur Mocca Travels unterwegs, die es inzwischen leider nicht mehr gibt.