Über die Aktion und unseren Artikel darüber

Vier Jahre nach unserer Südafrika-Rundreise haben wir uns dazu entschlossen, diesen Beitrag über unsere Teilnahme an einer legalen Nashorn-Enthornung zu posten. Eigentlich war der unten stehende Text bisher nur Bestandteil eines anderen Artikels, aber nun veröffentlichen wir unsere Erfahrungen dazu separat.

Der Grund für unsere bisherige Zurückhaltung zu diesem Thema kann dem nachfolgenden Textauszug entnommen werden. Darin geht es um eine Nashorn-Enthornung in einem anderen privaten Game Reserve:

“Auch das Private Game Reserve, in dem wir gerade unterwegs sind, ist vor geraumer Zeit überfallen worden. Deswegen hat der Doc uns ermahnt, nichts von unserer Aktion ins Internet zu stellen: Wilderer durchforsten Facebook gezielt nach Zeilen wie “Gerade eben gesehen: Zehn Nashörner im Soundso-Park, direkt an der ersten Kreuzung!”. Oder sie kombinieren Hashtags wie #Rhino, #Hluhluwe-Umfolozi und #OurMomentoftheDay – und während die glücklichen Touristen in der Lodge zu Abend essen, wird die eben fotografierte Nashorngruppe drei Kilometer entfernt massakriert. Auch unsere enthornten Exemplare dürfen ihren Weg nicht in die sozialen Netzwerke finden. Es ist schon passiert, dass Veterinäre an einem Tag mit dem Enthornen begannen und am nächsten abreisen konnten, weil Wilderer über Nacht sämtliche noch nicht behandelten Nashörner abgeschlachtet hatten.” (aus: zeit.de)

Zum Schutz der Rhinos, der mitwirkenden Ärzte und Ranger haben wir sowohl den Erfahrungsbericht als auch die Fotos anonymisiert.

Unser Erfahrungsbericht aus dem Jahr 2015

Als wir gemeinsam beim Essen saßen, erzählte uns unser Guide, dass ein ganz besonderes Ereignis bevorstünde. Alle drei Jahre werden den Nashörnern im privaten ************ Game Reserve die Hörner abgeschnitten, um Wilderern zuvorzukommen. Diese würden die Nashörner brutal töten und dann die Hörner abschneiden, wie es auch täglich im Kruger-Nationalpark passiert. Wir hatten die einmalige Möglichkeit, an dieser spektakulären Aktion teilzunehmen. Also ging es am Vormittag mit sechs anderen Touristen aus unserer Gruppe im Jeep auf zur Nashornkürzung.

Aus einem Helikopter heraus wurde jeweils ein Nashorn gesucht und von oben mit einem Opium-Betäubungspfeil angeschossen. Per Funk bekam unser Ranger dann die Orte durchgesagt, zu denen wir fahren sollten. Er nahm seine Aufgabe sehr ernst und fuhr mit uns wieder eine „Ferrari-Safari“, die sich wie eine wilde Achterbahnfahrt anfühlte. Beim jeweiligen Nashorn angekommen, sahen wir noch, wie es leicht immer benebelter wurde, dann hin und her taumelte und schließlich umfiel. Als die Lage sicher war, durften wir aussteigen und schnell hinrennen. Dem Nashorn wurden dann die Augen verbunden und es wurde mit einem Seil zum Fallen gebracht, wenn es sich selbst nicht hinlegen wollte. Mit der Kettensäge wurde später das Horn abgeschnitten, während sechs oder sieben Helfer das Tier zur Sicherheit festhielten. Im Anschluss bekam das Nashorn noch ein lila gefärbtes Antibiotikum auf die Schnittstelle, damit sich diese nicht entzündete. Während das Nashorn betäubt war, durften wir es anfassen und Fotos machen. Zum Schluss wurde dem Tier noch ein Aufweckmittel injiziert, das schon sieben Minuten später vollständig wirken sollte. Also gab es jedes Mal die Anweisung von den Rangern, dass wir sofort schnell zum Jeep rennen sollten: “Run! Run! Run!”

Die Hörner sollten im weiteren Verlauf ins Labor gebracht werden, um die jeweilige DNA des Nashorns zu entschlüsseln, die anschließend in einer großen Datenbank gespeichert wird. Findet die Polizei dann Kriminelle mit einem Horn, so kann genauestens nachvollzogen werden, woher das Nashorn stammt, zum Beispiel aus dem *********** Game Reserve.

Etwas zwiespältig ist die Tatsache, dass man mit den abgeschnittenen Nashornstummeln dennoch Geld verdient – auch wenn diese auf legalem Wege verkauft werden. Die Einnahmen daraus fließen in das Anti-Wilderer-Projekt, um die Natur zu erhalten. Insgesamt waren wir bei vier Nashornkürzungen dabei, wobei nicht jedes davon sofort betäubt war, sondern wir noch einige Zeit warten mussten, bis das Opium gewirkt hatte. Die ganze Aktion war absolut aufregend und spektakulär. Besonders heikel wurde es, als der 18-jährige Pilot mit seinem Helikopter unter einer Stromleitung landete. Als er wieder abhob, flog er äußerst riskant unter dieser durch.

Artikel aus dem Internet zur Nashorn-Enthornung in Afrika

Um Wilderern zuvorzukommen, sägen Tierärzte Nashörnern die Hörner ab (Vice)

Operation Rhino (Zeit)

Die gefährlichen Geschäfte des Nashorn-Farmers (Welt)

Südafrika streitet über den Schutz von Nashörnern (FAZ)

Nashörner in Gefahr – WWF-Expertin über Nashornwilderei in Südafrika (kfw)

Legaler Handel mit dem Horn? (Süddeutsche Zeitung)


Entstehung des Erfahrungsberichtes: August 2015

Veröffentlichung: im August 2015 eingebettet in den Erfahrungsbericht zu Südafrika,  anonymisiert neu veröffentlicht 2019 in diesem separaten Beitrag

Da der Artikel aus dem Jahre 2015 stammt, habe ich ihn im Blog auf diesen Zeitraum zurückdatiert.