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Buchung und Kontakt mit der Agentur

Bereits vier Monate vor unserer Reise buchten wir online bei OceanAir Travels einen Kamelritt durch die Wüste bei Sonnenaufgang. Da wir die Befürchtung hatten, am Abend auf der Sonnenuntergangstour mit Barbecue Teil einer Massenabfertigung zu werden, entschieden wir uns also für die Sonnenaufgangstour. Diese Wahl sollte sich später noch als goldrichtig herausstellen, da wir insgesamt nur fünf Gäste mit drei Kamelen waren: ein Pärchen und eine allein reisende Frau aus Finnland und wir zwei aus Deutschland. Für diese dreieinhalbstündige Tour bezahlten wir zusammen 134 USD, also knapp 119€. Dieses Angebot umfasste die Abholung in unserem Hotel in Dubai, Dune Bashing, einen 45-minütigen Kamelritt in der Wüste bei Sonnenaufgang, mehrere Fotostopps sowie ein Frühstück im Beduinencamp und die Rückfahrt zu unserem Hotel in Dubai. Obwohl das Anziehen der traditionellen Kleidung nur für das Abendprogramm vorgesehen war, durften wir auf Nachfrage dann auch noch in die Kandura (für den Mann) und die Abaya (für die Frau) schlüpfen. Es hätte bei diesem Anbieter noch andere Wüstenausflüge gegeben, zum Beispiel mit Sandboarding oder Quad-Fahren, aber dabei wäre die Zeit auf dem Kamel deutlich geringer ausgefallen.

Während der Reise erhielten wir dann am Abend vor dem Ausflug per WhatsApp eine Nachricht von der Agentur und eine weitere von unserem Guide Munaf. Beide wollten uns noch einmal an das gebuchte Erlebnis erinnern und uns den Abholzeitraum, zwischen 5:30 bis 6:00 Uhr, mitteilen. Nach der ganzen künstlich erschaffenen Protz-und-Prunk-Welt in Abu Dhabi und Dubai freuten wir uns ganz besonders darauf, das erste Mal in unserem Leben in die Wüste zu kommen.

Erfahrungen zum Sunrise Camel Trekking und zum Tragen der einheimischen Kleidung (OceanAir Travels)

Kameltrekking bei Sonnenaufgang in der Wüste

Der frühe Vogel fängt den Wurm… oder reitet auf einem Kamel bei Sonnenaufgang durch die Wüste. Pünktlich um 5:25 Uhr rief uns die Rezeption an, weil unser Guide Munaf schon überpünktlich auf der Matte stand. Also fuhren wir erst einmal eine Weile heraus in die Wüste, die schon sehr bald zum Vorschein kam.
Über die große Ausdehnung der Trockenlandschaft konnten wir schon vom Flugzeug aus staunen. Und auch in dem Gebiet, über das sich Dubai heute erstreckt, war früher einmal weit und breit nur Sand.

Auf den Weg zum Beduinencamp, dem Startpunkt des Kameltrekkings, erzählte uns Munaf viel über das Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er selbst war vor elf Jahren aus Indien nach Dubai gekommen, weil es in seiner Heimat Goa keine Arbeit für ihn gegeben hatte.

Im Wüstencamp angekommen, standen schon die drei Kamele für unsere Gruppe bereit und auch der Kamelführer, ein Einheimischer, wartete schon auf uns. Wir nahmen auf dem ersten Kamel Platz. Man durfte erst aufsteigen, wenn das Tier saß und der Kameltreiber das Wüstenschiff festhielt – andernfalls hätte es vor Schreck aufstehen können, sodass man hätte herunterfallen können. Nachdem sich das Tier dann auf seine spezielle Weise erhoben hatte, ging unser Spaziergang los. Da es morgens dort noch sehr kalt war, empfehlen wir übrigens jedem, einen Pullover oder eine Jacke mitzunehmen. Endlich hörten wir nicht mehr die ganzen lauten Autos durch die Großstädte Abu Dhabi und Dubai düsen. Endlich atmeten wir nicht mehr ihre ganzen Abgase ein. Nun waren wir endlich in der Natur. In der Stille hörte man nur ganz leise die Kamele hintereinander durch den Sand traben. Während uns der Einheimische durch die Wüste führte, blickten wir vom Kamelrücken aus dem Sonnenaufgang entgegen. Zweimal hielten wir dabei an, um Fotos zu schießen und den Augenblick für die Ewigkeit festzuhalten. Der Kamelführer fotografierte uns alle hintereinander, kommunizierte aber nur durch Mimik und Gestik mit uns. Vermutlich konnte er kein Englisch, was wir nicht als nachteilig oder schlimm empfanden. Denn unsere Fragen konnte uns auch unser Guide Munaf später im Camp beantworten, der dort auf uns wartete. Er erzählte uns später von den Schlangen, Echsen, Wüstenfüchsen oder Spinnen, die dort leben.

Es war wundervoll, das erste Mal in unserem Leben eine Wüste zu betreten. Wenn man sich vom Kamelrücken aus in alle Richtungen umdrehte, sah man dennoch überall Lichter von den umliegenden Orten und Straßen. Man hatte nicht den Eindruck, am anderen Ende der Welt, ganz weit weg von der Zivilisation zu sein. Deshalb wünschen wir uns für die Zukunft, irgendwann einmal eine größere Wüste mit höheren Dünen, noch weiter im Nirgendwo, zu erleben, beispielsweise die Sahara oder Namib. Fürs Erste war diese Wüstenerfahrung dennoch eine große Bereicherung für uns. Leider hätte man auch mit einem großen Müllbeutel durch die Landschaft laufen und den ganzen Abfall der Menschen einsammeln können. Überall sahen wir umherliegende Plastikflaschen oder anderen Plastikmüll, was das idyllische Bild der Wüste ein wenig zerstörte.

Nach dem Ausritt ging es zurück ins Beduinencamp, wo uns ein anderer Einheimischer ein traditionelles Frühstück servierte, darunter auch Datteln, Naanbrot und Rührei.

Tragen der traditionellen Kleidung

Schon beim Essen sahen wir überall Kanduras und Abayas, die traditionelle Kleidung der Araber, hängen. Da wir bereits in Indien das Hochzeitsoutfit der Maharadschas sowie einen Sari bzw. Turban tragen durften, wollten wir unseren Erfahrungsschatz unbedingt erweitern und die arabische Kleidung anprobieren. Während des Urlaubs haben wir gelernt, dass die Einheimischen sie aus drei verschiedenen Gründen tragen: 1. Der leichte Stoff ist sehr angenehm bei den extrem hohen Temperaturen. 2. Mit diesem Umhang kann man sich gut gegen den Wüstensand schützen und die Vereinigten Arabischen Emirate bestanden damals fast nur aus Wüste. 3. Besonders die Frau verschleiert sich aus religiösen Gründen, weil ihr Gesicht und ihr Körper ab der Hochzeit nur noch ihrem Mann gehört.

Also konnte die Anprobe beginnen: Für den Herrn gab es ein körperlanges, weißes Hemd, die Kandura. Für den Kopf erhielt M außerdem ein rot-weiß-kariertes Kopftuch, die Kufiya, die mit einer schwarzen Kordel, dem Agal, befestigt wurde.
Für mich, die Dame, gab es einen schwarzen Umhang, die Abaya. Um das Gesicht zu verschleiern, verwendet man einen Niqab, bei dem nur noch die Augen frei bleiben. M fand es erschreckend, mich so verschleiert zu sehen. Andererseits war er der Meinung, dass meine grünen Augen dadurch mehr zur Geltung gekommen wären. Ich selbst war positiv davon überrascht, dass mein Sichtfeld trotz Niqab absolut nicht eingeschränkt war. Auch der leichte Stoff fühlte sich auf der Haut angenehm zu tragen an. Ich konnte genauso gut sehen wie ohne Gesichtsschleier. Ein wenig magisch war dazu die Aussage von unserem Guide Munaf: „You can see everything and everyone but nobody can see you.“ Wenn man einen Bad-Hair-Day, Herpes oder Pickel hat, kann man all diese Unannehmlichkeiten ebenfalls verstecken. Eine ehemalige Kollegin, die in der Vergangenheit in Dubai an einer traditionellen Tour teilgenommen hatte, berichtete sogar davon, dass die verschleierten Frauen morgens im Schlafanzug ihre Kinder zur Schule bringen und sich nur schnell den Schleier überwerfen würden. Diese Kleidung hat also auch etwas Praktisches, wenn es einmal schnell gehen muss.

Aber warum muss man sich überhaupt so verstecken? Munaf meinte, die Frauen machten dies freiwillig, um sich selbst vor den Blicken und Anmachsprüchen der Männer zu schützen. Wenn ich da an unsere Zeit in Abu Dhabi und Dubai zurückdenke, weiß ich sehr wohl, was er damit meint. Arabische Männer gaffen unverschleierte Frauen permanent an, das habe ich selbst jeden einzelnen Tag mehrfach erlebt. Sie starrten, obwohl M direkt neben mir lief. Aber zum Glück waren sie dennoch zurückhaltend und sagten nichts zu mir. Ihre Blicke waren wesentlich dezenter als damals die Blicke der Männer in der Türkei, die so aufdringlich waren und die frei ihre sexuellen Absichten äußerten. Wenn ich verschleiert durch die Dubai Mall gelaufen wäre, hätte mich mit Sicherheit niemand so permanent angegafft. Doch arabische Frauen verschleiern sich nicht nur zum eigenen Schutz oder aus praktischen Gründen, sondern auch, weil ihr Körper und ihr Gesicht ab der Hochzeit dem Mann gehören. Diese Vorstellung ist für uns westlich geprägte Menschen absolut absurd. Genauso unverständlich sind für uns Männer, die Frauen anstarren. Man sollte die Männer umerziehen, nicht die Frauen verschleiern. In Deutschland werde ich nicht von den Deutschen angestarrt oder permanent mit Komplimenten überhäuft. Diese Verschleierung für die Frau ist zwar aus praktischen Gründen und vom Stoff her sehr angenehm und bequem zu tragen, aber der religiöse Hintergrund ist für uns nicht nachvollziehbar. Im Übrigen gibt es auch arabische Frauen, die zwar verschleiert sind, aber ihr ganzes Gesicht dennoch zeigen; diesen Schleier nennt man Hijab. Jede Frau kann für sich selbst entscheiden, wie stark sie sich verhüllen möchte. Munaf meinte, die Abaya sei ein Trend unserer Zeit und die Farbe Schwarz sei ohnehin in Mode. Es gäbe sogar Designer wie Georgio Armani, die auch Abayas, Niqabs und Hijabs produzierten. Und schon kleine Mädchen träumten davon, diesen modischen Umhang eines Tages anziehen zu dürfen. Dass die Frauen dazu gezwungen werden, ist nur ein Vorurteil in den Köpfen der westlich geprägten Menschen.
Nabil, unser Guide während der traditionellen Tour durch das alte Dubai, ist selbst ein Moslem aus Damaskus. Er meinte, seine Frau sei auch verschleiert, allerdings mit dem Schleier seiner Liebe, nicht mit dem Schleier aus Stoff. Mit diesem wundervollen Spruch möchten wir den Erfahrungsbericht über das Tragen der einheimischen Kleidung abschließen.

Und dann ging es auch schon wieder zurück zu unserem Hotel, wo wir gegen 9:00 Uhr am Morgen wieder ankamen.

Vorsicht vor Kamelausflügen: Krank oder tot nach Kontakt mit Kamelen

Atemwegserkrankung Mers-Coronavirus

Aus aktuellem Anlass (anhaltende gastroenterologische Probleme nach der Dubai-Reise) habe ich in den letzten Tagen viel über tropische Krankheiten gelesen. “Virusinfektion: Auswärtiges Amt warnt Urlauber vor Kamelritten”, “Infektionskrankheit erneut aufgeflackert: Tödlicher Mers-Virus kursiert…” oder “Tödliches Virus: Coronavirus Mers wird direkt vom Kamel übertragen” sind nur drei von unzähligen Schlagzeilen, die ich im Internet gefunden habe.

Wer in Ländern wie Saudi-Arabien, Jordanien, Katar, in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder im Oman an einer Kamelsafari teilnimmt, setzt sich der Gefahr aus, am tödlichen „Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus“ (MERS-CoV) zu erkranken, das erst 2012 von Forschern entdeckt worden war. Es handelt sich dabei um eine grippeähnliche Erkrankung, die eine schwere Infektion der Atemwege, eine Lungenentzündung oder ein Nierenversagen zur Folge haben kann. Laut Robert Koch-Institut starben bereits 40% der Betroffenen, denen Mers zuvor im Labor bestätigt worden war. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich. Das Tropeninstitut warnt deshalb: “Die WHO empfiehlt Diabetikern und Menschen mit Nieren- oder Lungenerkrankungen, sich von Kamelen und Dromedaren fernzuhalten. Auch rohe Kamelmilch sollte gemieden werden.”

Wir wollen mit diesem Hinweis keine Panik verbreiten, sondern nur auf diesen tödlichen Virus aufmerksam machen.

Verdauungsbeschwerden: Gastritis (Magenschleimhautentzündung) und postinfektiöses Reizdarmsyndrom

Wir haben in Dubai Eis aus Kamelmilch gegessen, was wir wohl lieber nicht hätten tun sollen. Außerdem haben wir das Kamel gestreichelt und dann im Beduinencamp gefrühstückt. Um unsere Hände vorher zu säubern, bekamen wir Rosenwasser. Bei mir handelte es sich um keine grippeähnliche Erkrankung, sondern um gravierende, lang anhaltende gastroenterologische Probleme (Diagnose: Gastritis und postinfektiöses Reizdarmsyndrom). Ob das Eis aus Kamelmilch zu der lang anhaltenden Magenschleimhautentzündung geführt hat, konnte letzten Endes nie herausgefunden werden.

Unser Fazit zum Kameltrekking

Leider konnten uns Abu Dhabi und Dubai nicht so richtig emotional mitreißen, nicht richtig flashen. Die WOW-Effekte blieben aus, selbst auf dem höchsten Turm oder in dem größten Shoppingcenter der Welt. Das erste echte Glücksgefühl kam dagegen auf dem Rücken des Kamels auf, als wir bei Sonnenaufgang durch die Wüste ritten. Deshalb empfehlen wir jedem, ein solches Wüstenabenteuer zu buchen. Die Agentur OceanAir Travels und unseren Guide Munaf, aber auch die Einheimischen in dem Beduinencamp können wir alle sehr empfehlen. Wer es mehr auf den Unterhaltungstourismus abgesehen hat, der kann natürlich auch andere Wüstenausflüge über die Agentur, z.B. Quad-Touren oder Sandboarding buchen. Wir haben uns bewusst für das 45-minütige Kameltrekking entschieden und waren sehr zufrieden mit dieser Wahl.

Anbieter: OceanAir Travels