Nationalpark Tortuguero / 3. und 4. Tag

Wissenswertes

Nationalpark Tortuguero: Tortuguero heißt übersetzt „Platz, an den die Schildkröten kommen“, weil diese Stelle der größte Eiablage-Ort für die Grüne Meeresschildkröte (=Suppenschildkröte) auf der westlichen Erdhalbkugel ist. Jedes Jahr zwischen Juni und Oktober kommen ca. 20 000 Grüne Meeresschildkröten in der Nacht an den Karibikstrand des Dorfes Tortuguero. Dort verstecken sie ihre Eier im schwarzen Sand. Zum Schutz der Tiere wurde der Wald mit seinem 35 km langen Strandabschnitt zum „Tortuguero Nationalpark“ ernannt, in dem keine Autos fahren dürfen. Der gesamte Nationalpark ist nur mit dem Boot oder Flugzeug zu erreichen. In dem Dorf Tortuguero wohnen ca. 700 Einwohner.

Eiablage: Pro Gelege legt das Weibchen ungefähr 100 Eier ab, die so groß sind wie Tischtennisbälle. Innerhalb mehrerer Wochen legt eine Schildkröte mehrere Gelege an. Die Eier benötigen etwa zwei bis drei Monate zur Entwicklung. Dabei bedingt die Temperatur während des Ausbrütens die Entwicklung der Geschlechter: Während bei 28 °C nur Männchen schlüpfen, schlüpfen bei 32 °C nur Weibchen. Wenn die Schildkrötenbabys schlüpfen, graben sie sich alleine aus dem Sand heraus und eilen ins Meer; viele werden dabei von ihren natürlichen Fressfeinden, den Greifvögeln und Mardern, gefressen.

Unser Tag

Wieder geht ein ereignisreicher Tag zu Ende. Heute Morgen wurden wir um 6:30 Uhr vom Hotel abgeholt und mit dem Reisebus bis zur Anlegestelle Caño Blanco gebracht. Unterwegs frühstückten wir noch im Restaurant „El Ceibo“ in Guapiles. Die Fahrt war wieder beeindruckend. Überall, wo man hinschauen konnte, war alles grün. Wir fuhren u.a. an riesigen Ananas- und Bananenplantagen vorbei. Bei zwei Bananenplantagen sahen wir sogar, wie die Bananen geerntet, zur Verarbeitung gebracht, gewaschen und verpackt wurden. Das war der komplette Prozess von der Pflanze bis in die typischen Bananenkisten, so wie wir sie aus dem Supermarkt kennen. Die Fahrt führte uns vom komplett pflanzenbedeckten Hochland (vergleichbar mit „Dschungel-Alpen“) bis in das nördliche karibische Tiefland, wo sich das Klima und die Vegetation stark veränderten. Auf den Weg durch das Hochland fuhren wir durch den Nationalpark Braulio Carillo.

Der Tortuguero-Nationalpark liegt mitten im tropischen Regenwald an der Karibikküste und ist nur per Boot zu erreichen. Straßen für Autos oder Busse gibt es nicht. Deshalb mussten wir am kleinen Hafen Caño Blanco in ein Boot umsteigen, wo unser Guide Jonathan schon auf uns wartete. Mit dem Boot fuhren wir fast anderthalb Stunden durch den Dschungel bis zu unserer Lodge. Dort wurden wir mit einem Cocktail begrüßt und bezogen unsere Hütte. Das war wirklich unvorstellbar. Wir waren dort in einer Hütte mitten im Dschungel. Sie hatte keine Fenster aus Glas, sondern rundum nur eine Art Fliegengitter. Aus diesem Grund hatten wir eine permanente natürliche Luftzirkulation im Zimmer. Bei den hohen Temperaturen ohne Klimaanlage waren wir um jedes kühle Windchen froh. Außerdem hörte man ohne Fenster alles, was draußen in der Natur passierte. Das ganze Zwitschern, Pfeifen, Rauschen und Zirpen war ganz angenehm – bis die Brüllaffen anfingen Krach zu machen. Morgens um 4:50 Uhr wurden wir durch deren Gebrüll wach.

Das war so laut, dass man im Bett erst mal hochschreckte. Einmal wurde meine Siesta durch ein lautes Rascheln unterbrochen, das direkt aus dem Baum neben der Lodge kam. Plötzlich fiel eine grüne Schlange, eine Green Vine Snake, mit Blättern umfüllt vom Baum. Leider war diese zu schnell weg, sodass von der Situation kein Foto entstanden ist. Um uns herum gab es nur Regenwald mit seiner ganzen Pflanzen- und Tiervielfalt. Neben Brüllaffen und Schlangen waren dort auch große Echsen, Kaimane und Krokodile, Tukane sowie viele bunte Vögel anzutreffen. Obwohl die Lodges nicht direkt am Wasser waren, gab es im Boden überall Löcher der blauen Krabben, die schnell in ihren Häusern verschwanden, sobald man sich ihnen näherte. Diesmal sahen und hörten wir die Tiere tatsächlich in freier Wildbahn.

Am Nachmittag nach dem Essen ging es dann auf zu einer Dschungel-Bootsfahrt auf den künstlich angelegten Gewässern, der Tortuguero-Lagune und dem Tortuguero-Fluss. Das war wie eine Pirschfahrt auf Safari, nur mit dem Boot. Wir hatten auf den Weg zur Lodge schon ein Krokodil gesehen, welches es sich auf einem Baumstamm im Wasser bequem gemacht hatte. Bei dieser Bootstour entdeckten wir viele Echsen in verschiedenen Farben, Formen und Größen. Wir fuhren dann mit dem Boot immer ganz nah heran, sodass wir sie auch gut erkennen konnten. Das Gleiche galt auch für die Kaimane. Eines hatte gerade mehrere Babykaimane dabei, welche vielleicht 20 cm groß waren. Bei einem anderen waren wir so nah dran, dass wir es hätten anfassen können, wenn wir den Arm ausgestreckt hätten. Auch verschiedene Vögel, z.B. einen Aninga (dt. Amerikanischer Schlangenhalsvogel) und Tukane bekamen wir zu Gesicht.

Das Klima ist für uns Europäer sehr außergewöhnlich. Es kann über 40°C heiß werden bei einer Luftfeuchtigkeit von 100%. Bei uns waren es aber nur 30°C bei einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit.

Nach der Bootstour sprangen wir zur Abkühlung in den Hotelpool. An diesem Tag aßen wir das erste Mal in unserem Leben Papaya.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück machten wir eine Wanderung um das Gelände der Lodge herum. Dabei sahen wir Schlangen, viele Echsen sowie Spinnen (z.B. eine Tarantel), giftige Ameisen und sogar ein Faultier. Letzteres war leider zu weit oben in der Baumkrone, sodass man es nur mit dem Fernglas richtig sehen konnte. Es gab dort aber viele giftige Tiere, wie z.B. diese Ameisen. Die waren 3 cm groß und das Gift wirkt 24 Stunden lang. Das solle sich anfühlen wie ein Durchschuss mit einer Waffe, wurde von einem der Guides erzählt. Auch von der Tarantel will man nicht unbedingt gebissen werden. Zudem sahen wir auf der Tour einige Mahagoni-Bäume. Die Wanderung war wirklich interessant, man kann sie mit einem Bushwalk auf Safari vergleichen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Boot herüber zum gleichnamigen Dorf Tortuguero, das direkt an der Karibikküste liegt. Dort sahen wir grüne Papageien (Große Soldatenaras), welche auf Mandelbäumen saßen. Sie knackten mit ihren Schnäbeln die Schale der Mandeln auf, holten sich die Frucht heraus und ließen die Reste dann fallen. Da musste man aufpassen, dass man nicht getroffen wird. Wir liefen dann auch etwas an der Karibikküste entlang und sahen die Löcher, wo die Schildkröten ihre Eier ablegen. Dieser Zeitraum beginnt aber erst im Juni oder Juli, sodass wir selbst keine sehen konnten. Während unseres Besuchs in dem Dorf kauften wir uns auch eine Kokosnuss und tranken das „Agua de pipa“, also das junge Kokosnusswasser, daraus.

Während der gesamten Zeit im Tortuguero-Nationalpark war unser Guide Jonathan für uns zuständig. Er wurde nach seiner Geburt in Guapiles nach Tortuguero gebracht und wohnt seitdem sein ganzes Leben lang dort. Er war der nette Typ von nebenan, völlig unverdorben vom Smartphone-und Social-Media-Zeitalter.